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Sebastian Hülk spielt den Bankmitarbeiter Karsten, der in seiner Wohnung mit ein paar Freunden feiert, während seine Freundin, gespielt von Julia Jentsch, verreist ist. Tief in der Nacht bleibt allein die junge Anna als letzter Gast zurück. Sie trinkt noch etwas Alkohol mit dem Gastgeber, klagt dann über Schindel und geht schließlich ohnmächtig zu Boden. Der schwer alkoholisierte Karsten läuft, anstatt den Notruf zu wählen, zu einer benachbarten Klinik, wo er niemanden antrifft. Als er zurück in seiner Wohnung ist, kommt für Anna jede Hilfe zu spät. Die Frau ist tot und gegen Karsten wird schließlich wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Aufgrund einiger Ungereimtheiten wird das für Karsten zu einem immer größeren Problem, während sich sein Umfeld von ihm abwendet.

Die erste Filmhälfte könnte inhaltlich von einem modernen Franz Kafka stammen. Nicht nur, dass Karsten sich allerhand Vorwürfe gefallen lassen muss, weil er nicht sofort den Notruf gewählt hat, als die junge Frau in seiner Wohnung kollabierte, die Angehörigen der Toten erstatten Anzeige und die Polizei nimmt Ermittlungen auf. Dabei kannte Karsten Anna vor dem Abend ihres Todes überhaupt nicht, vielmehr hatte sich die junge Frau als blinder Passagier unter die Partygäste gemischt. Nach diesem tragischen Vorfall zeigt die Regisseurin Asli Özge in subtiler aber eindringlicher Weise, wie sich die Freunde von Karsten abwenden, wie ihn der Arbeitgeber degradiert, wie seine Freundin ihn meidet.
Und das alles ohne eigenes Verschulden - jedenfalls wenn man Karstens Version der Geschichte folgt.

Oder ist Karsten der wahre Bösewicht? Das bleibt zunächst in der Schwebe und macht „Auf einmal“ zu einem sehenswerten wie spannenden Krimi-Drama. Sebastian Hülk, der eine großartige Vorstellung zeigt, legt seine Figur jedenfalls so undurchsichtig und suspekt an, dass ihm so manches zuzutrauen wäre und die Regisseurin zeigt ein gutes Gespür dafür, interessante Fragen aufzuwerfen und ihren Film zunächst in der Schwebe zu halten. Anschließend hält sie eine überraschende Wendung bereit, denn Karsten ist eben doch keine dieser Kafka-Figuren, die sich in ihr Schicksal fügen, die dem Untergang geweiht sind. Karsten holt stattdessen zum Gegenschlag aus, den Özge in einigen bitterbösen Szenen förmlich zelebriert. Somit ist ihr letztendlich ein sehenswerter Thriller gelungen, der aufgrund seiner unterkühlten Erzählweise und einiger Längen jedoch nicht vollends überzeugt. Vor allem der Anfang ist etwas schwergängig.

Fazit:
„Auf einmal“ ist ein sehenswerter Thriller, etwas unterkühlt, aber mit furiosem Finale.

71 %

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