Nach dem hervorragenden ersten Teil von "Sasori", das ich mit neun Punkten vielleicht sogar noch zu schlecht bewertet habe, war mir klar, daß der zweite Teil es schwer haben würde zu bestehen. Wenn der Regisseur nicht einfach so weiter machen will - was auch legitim wäre, z.B. wenn der Film von vorneherein auf zwei oder mehrere Teile hin konzepiert war - , muß er einen Bestandteil steigern, und nach Ansicht des Trailers tippte ich auf die Härte. Tatsächlich sind die Torturen die Matsushima in den ersten zehn Minuten erleiden muß, noch schlimmer als alles im ersten Teil. Das läßt sich inhaltlich natürlich legitimieren als Strafe für die Hinrichtungen an ihren Übeltätern, die sie im ersten Teil begangen hat. Im übrigen verläuft der Anfang völlig analog zum ersten Teil: was dort die Belobigung war ist jetzt die Beförderung des Gefängnisdirektors und wieder ist des Matsu die einen Ausbruch anzettelt. Diesmal flüchten die Gefangenen nicht ins Grün, sondern ins Grau, was wieder schöne farbliche Bilder abgibt. Aber hier endet für mich der akzeptable Film, danach ist der Regisseur abgehoben und hat nur noch surrealistische und bühnenhafte Szenen produziert. Der Realismusfaktor tendiert gegen Null und damit geht die Empathie mit den Figuren auch verloren. Wiemit dem Verfremdungseffekt eines Brecht werden die einzelnen Figuren auf die Bühne gestellt: die Kindermörderin, die Vergewaltiger, usw. Die Beleuchtung der Figuren wird ein und ausgeknipst. Schwere und doch triviale Symbolik wie der rotgefärbte Wasserfall sind Regisseurseinfälle ohne Tiefgang. Mindestens fünfmal wird ein Lied angestimmt. Die Kamera dreht sich im Kreis, ein anderes Mal werden nur Standphotos montiert. Was im ersten Teil klug dosiert eingesetzt wurde, ist hier die Überdosis, die den Film ruiniert. Statt eines dramturgischen Ganzens erhalten wir einzelne Szenen oder nur Einstellungen, durch die die Hauptdarstellerin nur mehr irrt ohne noch spielen zu können - sprechen darf sie ohnehin praktisch nichts. Wäre ihr Gesicht nicht doch faszinierend, wär die Zeit nur schwer auszuhalten. Von der ersten Viertelstunde abgesehen ist der Film ein Totalausfall, wobei einige Bilder für sich genommen schon sehr schön sind.