Review

„Ich habe dich am Klopfen erkannt – es klang präpubertär!“

„Troll“ aus dem Jahre 1986 ist ein ziemlich schräger Horror/Fantasy-Komödien-Cocktail von US-Regisseur und SFX-Mann John Carl Buechler („Freitag der 13. VII“), der neben einer durchaus namhafteren Besetzung mit Noah Hathaway („Kampfstern Galactica“), dem erzreaktionären Vollpfosten Michael Moriarty („Stuff“), Shelley Hack („Stepfather“), Phil Fondacaro („Die Rückkehr der Jedi-Ritter“) etc., mit einigen handgemachten Spezialeffekten, vor allem aber mit gar knuffigen Kreaturen aufwartet, die man selbst gesehen haben muss. Neben den Gremlins, den Critters, „The Gate“ & Co. also ein weiterer Grund, die verdammten 80er zu lieben?

Naja... fast! Denn „Troll“ operiert an der Grenze zum Volltrash, überschreitet diese aber nicht gänzlich und läuft damit Gefahr, als mehr oder weniger „ernstgemeinter“ Film beurteilt zu werden. So ist vieles unter herkömmlichen filmtechnischen Gesichtspunkten durchaus gelungen, beispielsweise einige Gags, schauspielerische Leistungen, Effekte und Masken. Anderes aber nicht, wie neben manch anderen Gags, Effekten und Masken z.B. die völlig hanebüchene Handlung um einen bösen Troll, der von der Tochter der Familie Potter (von denen Vater und Sohn tatsächlich Harry heißen!) Besitz ergreift, nach und nach fast das gesamte Mietshaus in ein Urwald-Biotop für Fantasywesen verwandelt, aber die Rechnung ohne die sich einen sprechenden und singenden Champignon haltende Hexe gemacht hat, die sich inkognito ebenfalls im entsprechenden Wohnblock niedergelassen hat. Dass eben das ausschließlich unter Trash-Aspekten funktioniert und mit entsprechenden Dialogen einhergeht, muss nicht extra betont werden. Gleiches gilt für Gesangseinlagen des Kreaturen-Ensembles, wie von der Tarantel gestochene Rock’n’Roll-Tanzeinlagen Moriartys und das „große Finale“, bei dem sich das Hirn des bis dahin trotz dauerhafter Spannungsarmut evtl. noch aufmerksam gebliebenen Filmkonsumenten endgültig zur Nachtruhe verabschiedet.

Die überzeichneten Klischeecharaktere der übrigen Hausbewohner werden nur halbherzig persifliert, dafür fällt wiederum die Leistung der kleinen Jenny Beck als trollige Tochter Wendy unter die Kategorie „niedlich statt nervig“. Eher in die Disney-Fantasy-Sparte als in diesen Film passen die rührseligen Auftritte Fondacaros als sterbenskranker, dichtender Kleinwüchsiger.

Hätte man sich konsequent für eine Ausrichtung entschieden, hätte „Troll“ ein echtes Knallbonbon werden können, so aber ist Buechlers Film nicht Fisch, nicht Fleisch – für 80er-Süchtige aber dennoch in jedem Falle einen Blick wert und als Vorprogramm für Claudio Fragassos „Troll 2“, der nicht ganz freiwillig, aber umso nachdrücklicher das volle Trash-Brett fährt, als Appetitanreger geeignet. Zu letzterem aber an anderer Stelle mehr...

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