-Chocolat-
Schwarzenhass, Rassismus, Schokokuss, Neger, Negerkuss Bimbo, Lakai.....
Eigentilich meinen wir, nicht mehr in einer Zeit zu leben, in der diese Begriffe noch oft beutzt werden. Eigentlich denken wir, dass diese Zeiten längst der Vergangenheit angehören. Ebenso könnte man aber denken, die Zeiten des Judenhasses und Antisemitismus wären vorbei. Ganz falsch ist das nicht, ganz und garnicht. Nur komplett verschwunden ist weder der Rassismus gegenüber den ''Schwarzen'', mittlerweile auch gegen Ausländer und auch der Antisemitismus nicht. Sie alle sind noch immer allgegenwertig.
Auch wenn wir heute in einer Zeit leben, in der unsere eigene Nationalmannschaft gehäuft ausländische und ''Schwarze'' Fußballspieler beschäftigen, ist dem Rassismus kein Ende gesetzt. Ob er jemals verschwinden wird, gebe ich jedem von euch zu bedenken. Ich glaube nicht daran, zumal ein Malcolm X und ein Martin Luther King, trotz ihres Werkes, zwar etwas, aber nicht alles daran ändern konnten.
In Amerika ist der schwarzenhass und der Rassismus noch immer ein aktuelles und gesellschaftskritisches Machwerk der Menschen. Der Mensch ist nicht makellos. Der Mensch ist ein Tier. Manchmal denken Menschen auch so, obwohl uns etwas von allen anderen Tieren unterscheidet. Der Verstand. Und die Vernunft. Zwei Eigenschaften, die schon Immanuel Kant oft gegenüberstellte. Diese zwei Eigenschaften sollten uns Menschen eigentlich reichen, um zwischen richtig und falsch zu entscheiden. Trotzdem ist die Welt deswegen noch lange nicht schön und das Thema verliert niemals an Aktualität.
Um eben jenen Rassismus geht es auch in ''Monsieur Chocolat'', der die Geschichte eines farbigen Mannes, mit dem richtigen Namen Rafael Padilla erzählt, der zu den ersten und erfolgreichsten Clowns des vergangenen Jahrhunderts geworden ist.
Entdeckt wird er dabei von einem weißen Clown, der ihn aus einem Zirkus ''rettet'', in dem er für Unterhaltung sorgt, wenn er affenähnliche Geräusche macht. Schon hier zielt der Film mit Witz und Derbheit auf die Aussage und Intention des Films ab. Roschdy Zem nutzt die wahre Geschichte, erziehlt einige der besten und wunderschönsten Hochpulierten Bilder dabei, und zeichnet das Schicksal des Charakters von Anfang an. Man lacht zwar mit ihm, aber wenn man ihn als Urwaldwesen und Minderwertigkeit wahrnimmt und die Menschen im Zirkus lachen, dann läuft es mir kalt den Rücken runter und ich möchte mich schämen, denn lustig ist das ganz bestimmt nicht.
Eine Szene hat mich sowieso nicht mehr losgelassen. In ihr wird nicht viel gesprochen aber gerade dadurch eine hohe Wirkung erzielt. Wenn gerade ein kleiner Junge ein Autogramm von dem furchteinflößenden aber herzlichen ''Schwarzen'' haben möchte und ihm mit dem Finger über sein Gesicht streicht, weil er wissen möchte oder wirklich glaubt, es sei nur Schminke, dann macht mich das unglaublich traurig. Die Zeiten früher waren freilich noch anders, dass ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir Menschen zum Großen Teil auch heute nichts dazu gelernt haben. Dass macht mich ebenfalls traurig.
Inzwischen erzählt der Film in einem kleinen Hauch der Langatmigkeit die Geschichte von Aufstieg, Hochmut und Fall des 'Chocolat', der mit seiner Nummer als Clown, der nicht nur bildlich gesprochen verprügelt und zur finanziell sehr erfolgreichen Witzfigur wird, und seiner Suche nach der Möglichkeit seines wahres Ich den Menschen zu offenbaren. Und zwar, dass er nicht nur ein ''Schwarzer'' ist, der in dieser Zeit eben als Bimbo, Lakai und einfach etwas minderwertiges angesehen wurde, sondern ein Mensch. Ein Mensch, der leben möchte wie die weißen. Ein Mensch, der wahrgenommen und ernstgenommen werden möchte. Seiner Suche nach seiner eigenen Identität, seiner Anonymität und seiner Verwirklichung. Omar Sy spielt dabei die beste, überzeugendste und tiefgreifendste Rolle, die er je bekam. Er ist in diesem Film ein kleines Wunder und verkörpert die Figur mit unglaublichem Charme, Witz, Tiefgründigkeit und Menschlichkeit.
Wo der Film hingeht, dass offenbart er in einigen schmerzhaften Szenen, mit denen man niemals rechnen würde, wenn man etwas über diesen Film liest o.ä.
In einer Szene wird er eingesperrt, weil keine Papiere. Die Wärter möchten ihm mit einem Besen die ''Schwarze'' Farbe von seinem Körper kratzen. Diese Szene wird berechtigt nicht zu sehr ausgeschlachtet, bleibt dafür aber noch nach Tagen und Wochen im Kopf. Das werde ich so schnell nicht mehr vergessen.
Im späteren Verlauf werden ihm sogar Finger abgehackt, weil er im Hochmut und Ruhm der Stunde, den Hang zum spielen entdeckt hat. Und Hochmut ist eben die Eigenschaft, nicht mehr zu erkennen, wann man aufhören sollte. Eine schlimme Mischung, die in dem Drama eine Struktierung vollführt. Eine Exposition (Vorgeschichte) ist klar zu erkennen, es folgt die Steigerung, aber die Katastrophe und der Höhepunkt folgen zwischen den Teilen. Das ist eine ungewohnte Mischung aber sie funktioniert. Die Momente die Schocken, kommen oft aus dem Nichts. Man ahnt es schon, aber man weiß es nicht. Mir haben diese Momente, wo ich gerade noch gelacht habe und dann etwas so derbes passiert, die Sprache verschlagen.
''Monsieur Chocolat'', einer der ersten und erfolgreichsten ''Schwarzen Clowns'', der trotz seines Erfolgs niemals von der Pariser Gesellschaft akzeptiert wurde und sein Leben lang dazu verflucht wurde, der oberflächliche, dumme ''Schwarze'' zu bleiben. Etwas anderes war ihm nicht gegönnt.
Der kritische Subtext, den dieser Film innehat ist dabei weitaus überragender und packender, als das eigentliche Biopic. Das Leben des 'Chocolat' ist ein Sinnbild für eine Nation, die immerzu mit Freiheit und Gleichheit pralt, damals wie heute!
Die Szene, die wohl als die schönste und bei mir als 'Tränenreichste' gilt, ist jene, in der Chocolat im Theaterstück ''Othello'' spielt, sich selbst und seine Fähigkeiten offenbart und Omar Sy Klasse zeigt, die man von ihm noch nie gesehen hat. Der großartigste Moment des ganzen Films!
.......Dennoch gibt es ein paar Längen und die lustigen und schrecklichen Momente hätten meiner Meinung nach etwas konkreter gegliedert bzw. strukturiert werden können.