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„Versprich kein Gold, versprich lieber Särge" sagt Arizona der Held in „Der Tod sagt Amen", gespielt von Anthony Steffen aka Antonio De Teffe. Einer von vielen markanten und so typischen Sprüchen des Italo-Western. Ein Wunde dass der Film nicht Django - ... heißt. Der Originaltitel: Arizona si scatenò... e li fece fouri tutti und deutet auf Arizona Colt (1966) hin. Doch ist „Der Tod spricht Amen" oder „An den Galgen, Hombre" keine Fortsetzung von Arizona Colt. Sergio Martino ist der Regisseur dieses Western, sein erster Spielfilm und später sollte er noch in fast allen Genres des Italienischen Unterhaltungskino und TV tätig werden.

Arizona und sein Freund 2-Flaschen-Whiskey (Robert Carmadiel, im Original Double-Whiskey) werden in ihrer Ruhe durch harmlose Kopfgeldjäger gestört. Diese sind rasch beseitigt, doch der Grund ist noch unklar. Einer der ungeschickten Kopfgeldjäger überlebt, Bussard (Luis Barboo, im Original Filthy-Bottle) ein etwas schmieriges Subjekt, der im Verlauf der Geschichte beiden noch viel Ärger verursachen wird. Von ihm erfahren sie, dass Arizona eine Postkutsche überfallen haben soll und es 1 Zeugen geben soll. Arizona und 2 Flaschen Whiskey reiten in die Stadt um die Sache zu klären. Dort treffen sie nicht nur auf die Arizonas Freundin Sheena (Marcella Michelangeli), sondern auch auf den Sheriff, sowie den Banditen Chico (Aldo Sambrell, im Original Keene) und seiner Bande. Aber eigentlich geht es ja um etwas ganz anderes.

Regisseur Sergio Martino hat einen typischen Italo-Western abgeliefert. Und genau das sehe ich als Problem des Filmes an. Denn in „Der Tod sagt Amen" gibt es nichts Neues und nichts was man nicht schon in anderen Italos gesehen hat. Zu Beginn gibt es etwas Humor, der zum Teil an die „Die rechte und die linke Hand des Teufels" stark erinnert. Gut gefallen hat mir, dass der komische Sidekick des Helden Double-Whiskey nicht ganz so eine Nervensäge ist wie in anderen Western. Danach schlägt der Film eine härtere Gangart ein und man findet fast alle nachfolgenden Szenen in den einen oder anderen Django Aufgüssen. Es wird genau das geboten, was sich der Zuschauer erwartet. Leider kann sich „Der Tod sagt Amen" nicht von anderen Italo-Western abheben, zu ähnlich wirkt alles. Fast kommt es einem vor als ob der Regisseur so bedacht war keinen schlechten Film zu drehen, sodass er vergessen hat einen guten zu machen.

Alle Elemente die man in einem Italo-Knaller findet, entdeckt man auch hier. Natürlich hat man schon fast alle Schauspieler in den einen oder anderen Filmchen aus dieser Zeit gesehen. Anthony Steffen war wohl immer die 7te Wahl nachdem Leute wie Franco Nero, Tomas Milian, Terence Hill, Lee van Cleef, Gianni Garko, Giuliano Gemma wohl für solche eher billigen Western wohl schon zu teuer waren. Aldo Sambrell kommt wohl in fast allen Leone-Western als Bösewicht vor und darf auch hier wiedermal den Schurken mimen. Als Highlights kann man auch die beiden Schönheiten Rosalba Neri und Marcella Michelangeli bewundern. Ein wahrer Traum für alle Fans von Westernmusik ist wiedermal der Music Score von Bruno Nicolai. So werden eher durchschnittliche Szenen drastisch aufgewertet und auf spannend getrimmt. Timing und Stimmungslage der Töne passen perfekt zu den einzelnen Szenen.

Folgende Punkte stören mich aber trotzdem: In der deutschen Version ist ein ständiger Spruch von Arizona: „ Er soll mich am Arsch lecken". Im Original sagt Arizona aber: „Ich denke darüber nach!". Klingt doch gleich um einiges feinsinniger. Ungewöhnlich für das Genre, dass gleich 2 romantische Nebenhandlungen sowohl mit bellissima donna Rosalba Neri als Morenos Tochter und mit Sheena Arizonas Freundin eingebaut worden sind. Leider wurde hier etwas an Handlung gespart. Denn gerade diese eher ungewöhnlichen Aspekte hätten den Film sicher interessanter gemacht. So geht es halt wiedermal nur um Sprüche klopfen, jede Menge Patronen verschießen (ohne nachzuladen natürlich!) und ein bisschen Folter. Also alles Dinge die man schon woanders gesehen hat. Über die Sinnhaftigkeit einiger Szenen (oder die Anzahl der Banditen, diverse Drehbuchmängel, etc...!) sollte man nicht allzu viel nachdenken, denn das würde bedeuten man müsste ein ganzes Genre kritisieren für das was es nun mal ist. Schnell gedrehte, billig gemachte Western bei denen es vor allem um Gewalt und ein bisschen Klamauk geht. Martino nutzt die Stilmittel des Italowestern, ohne aber das Mittelmaß zu überschreiten.

Schade eigentlich einige Closups mehr, gewagtere Kameraeinstellungen, kleine Überraschungen, etwas mehr tiefer gehende Handlung, witzigere Sprüche, etc ... hätten diesem Italo-Knaller sicher gut getan. Der Feinschliff des Drehbuches (falls es eines gegeben hatte!) fehlt irgendwie. Für ein Erstlingswerk eines Regisseurs natürlich in Ordnung und die Musik von Bruno Nicolai trägt maßgeblich zur Unterhaltung bei. Fans des Genres werden ihre Freude daran haben, für alle anderen eher bedingt empfehlenswert.

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