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„Fleisch, und damit meine ich jetzt auch all dieses stinkende, ekelerregende Zeug: Hamburger, Steaks, Currywurst oder Jägerschnitzel aus dem Schnellimbiss, der Gestank gebratener Hähnchenkeulen! In den Städten ernähren sich Menschen von diesen Dingen und vergewaltigen ihre Körper! Sie infizieren sich und bekommen unheilbare Leiden: Nässenden Ausschlag! Eitrige Blasen! Ganze Trauben von Hämorrhoiden! Dickflüssige, stinkende Exkremente!“

Claudio Fragasso, italienischer Vollbluttrasher und Regisseur solch Kulturguts wie „Zombi 4“, kurbelte 1990 in den USA in US-amerikanisch-italienischer Koproduktion durch Joe D’Amato („Man-Eater“, „Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf“) und Brenda Norris (wer?) dieses eigenartige Filmchen herunter, das trotz der Abwesenheit von Trollen in Anlehnung an John Carl Buechlers vier Jahre vorher veröffentlichte Fantasy-Horror-Komödie „Troll“ als dessen Fortsetzung, eben „Troll 2“, auf den Markt geworfen wurde. Hatte Buechlers Werk schon eine starke Trash-Komponente, spottet selbige bei Fragassos Totalunfall jeglicher Beschreibung!

Dass Fragasso auch noch höchstpersönlich zusammen mit seiner Freundin das Drehbuch verfasst hat, macht den Wahnsinn perfekt. Den kleinen Joshua verschlägt es zusammen mit seinen Eltern und seiner pubertierenden Schwester sowie deren zusammen mit seinen beschränkten Kumpels nachreisenden Freund für einen Sommerurlaub ins Dörfchen Nilbog. Dort gibt es allerdings keine Menschenseele mehr, sondern nur Goblins (und keine Trolle), anfänglich noch in Menschengestalt, die strenge Vegetarier sind und deshalb ihren Hunger stillen, indem sie Menschen zunächst in Pflanzen bzw. eine undefinierbare grüne Pampe verwandeln, um sie anschließend guten Gewissens verzehren zu können. Klingt doch logisch, oder? Nein? Dann dürfte es ebenso verwundern, dass Joshua, übrigens ein pottenhässliches Kind, als einzigem sein verstorbener Großvater Seth erscheint, der ihn vor der Goblin-Plage warnt, die Zeit anhalten kann und sogar am Schluss im finalen Kampf kräftig mitmischt. Und selbst, wenn man das erst einmal verdaut und akzeptiert hat, reibt man sich ungläubig die Augen und krümmt sich gleichzeitig vor Lachen, wenn Joshua auf den gedeckten Esstisch uriniert, um seine Familie davon abzubringen, den gift- bzw. nukleargrünen Goblin-Fraß zu sich zu nehmen, der unweigerlich eine chlorophyllische Metamorphose nach sich ziehen würde, wenn eines der jugendlichen Opfer von der Obergoblinhexe als Mensch/Pflanzen-Hybrid in einem Blumentopf gehalten wird, wenn bei einem „heißen“ Techtelmechtel sich ein Maiskolben in kiloweise Popcorn verwandelt und sich Blutwurstbrote als wirkungsvolle Waffe gegen die grüne Gefahr herausstellen. Warum das Betatschen eines „magischen Steins“ in Kombination mit „menschlicher Liebe“ (oder so) die Gefahr letztlich (wenn auch nur scheinbar) bannt, hinterfragt dann wohl niemand mehr.

Ja, hier jagt eine unfassbare Idee die nächste und das schönste daran ist, dass das alles offensichtlich ernstgemeint war und ein richtiger Horrorfilm werden sollte...!? Dabei könnte man den Anfang trotz eines die Marschrichtung eigentlich schon vorgebenden, fiesen Anschlussfehlers mit etwas Wohlwollen sogar noch halbwegs ernstnehmen – doch spätestens, wenn Joshua mit seinen Eltern im Auto sitzt, ihn plötzlich die von „Black Emanuelle“ Laura Gemser aus Kartoffelsäcken und starren Latexmasken zusammengenähten Goblin-Masken anglotzen (das menschliche Äußere dient ihnen nur zur Tarnung) und die Familie ein schwachsinniges Lied zu trällern beginnt, ist bereits alles vorbei. Die Masken sind herrlich billig und lachhaft, die „Schauspieler“ pendeln zwischen den Extremen Ausdruckslosigkeit und vor allem aber gnadenlosem Overacting (die Goblinhexe!!!), die Dialoge sind zum Totlachen und eine Horroratmosphäre aufzubauen wurde anscheinend in den idyllischen Dorfkulissen und den lichten Laubwäldern gar nicht erst versucht. Stattdessen sprudelt es nur so aus allen Beteiligten heraus und man gönnt dem Zuschauer kaum eine Pause. Das ist tatsächlich alles so dermaßen übertrieben und neben der Spur, dass es die reinste Freude ist.

Zugegeben, eine handvoll Spezialeffekte sind sogar recht gelungen, aber ansonsten handelt es um eine filmische Vollkatastrophe, die eben daraus einen irrsinnigen Unterhaltswert bezieht. „Troll 2“ ist DIE Definition von „so schlecht, dass es schon wieder gut ist“ und dass sich ein Kult um diesen Film entwickelt hat, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Zwar tat das gegen diese Geschichte rebellierende Gehirn nach dem Abspann dann doch etwas weh, aber das war den Spaß wert.

Ach, was sag ich, als allegorische Warnung vor militanten Vegetariern ist „Troll 2“ eine Wucht. Also, nehmt euch vor Grünzeug in Acht!

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