Ryan Gosling spielt einen heruntergekommenen Privatdetektiv, der seinen oft betagten und verwirrten Auftraggebern das Geld aus der Tasche zieht, wenn er nicht gerade betrunken in einer Bar abstürzt. Dabei muss er jedoch nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Tochter sorgen, die er allein erzieht. Noch unseriöser verdient der von Russel Crowe gespielte Schlägertyp seine Brötchen, der für seinen jeweiligen Auftraggeber unmissverständliche Nachrichten überbringt, sprich: Leute vermöbelt. So auch den eingangs erwähnten Privatdetektiv, der aufhören soll, nach einer jungen Dame namens Amelia zu suchen. Als sich herausstellt, dass diese in Lebensgefahr schwebt und die Mutter des Mädchens den beiden eine stattliche Summe bietet, wenn sie die Tochter vor deren Häschern finden, begeben sie sich dennoch gemeinsam auf die Suche.
Kaum ein Subgenre des Actionfilms erfreut sich seit Jahrzehnten einer derartigen Beliebtheit wie der Buddy-Film. Seit der Hochphase in den 1980er Jahren, aber auch schon lange davor, sind die verschiedensten ungleichen Paare auf Mission gegangen, haben dutzende von Gegnern verdroschen, sich mehrfach mit einer Übermacht an Feinden angelegt, haben Millionen von Patronen verschossen. Zuletzt durfte in „Taffe Mädels“ mit Sandra Bullock und Melissa McCarthy auch mal ein Damen-Duo mit coolen One-Linern und dicken Kanonen für Stimmung in den Lichtspielhäusern sorgen. Das soll nun auch die prominent besetzte Action-Komödie „The Nice Guys“, die von einer regelrechten, wenngleich weniger bekannte Koryphäe des Genres stammt: Von Shane Black, Drehbuchautor von „Lethal Weapon“, „Brennpunkt L.A.“ und „Last Boy Scout“, zuletzt Erfolgs-Regisseur von „Iron Man 3“. Diesmal ist ihm jedoch nur Mittelmaß gelungen.
Black setzt auf Bewährtes: Ein cooles Setting im Los Angeles der späten 70er Jahre inklusive der dicken Schlitten, der harten Typen und der leicht bekleideten Damen. Seine beiden Protagnisten, bei denen es sich wahrlich um keine “Nice Guys“ handelt, geraten zunächst aneinander, ehe sie ein leidlich funktionierendes Tandem bilden, bei dem es zur Belustigung des Zuschauers immer mal wieder knirscht. Mit der Tochter des abgehalfterten Privatdetektivs haben die beiden zudem einen niedlichen, aber durchaus schlagfertigen Sidekick. Am Ende gibt es ein bleihaltiges Finale.
Das ist alles nicht neu und Black erkennt dieses Problem offensichtlich auch, weswegen er eine bewusst groteske Hintergrundhandlung rund um einen in doppelter Hinsicht enthüllenden Pornofilm konstruiert und der Kalkulierbarkeit seiner Geschichte mit allerhand Zufalls-Wendungen beizukommen versucht. Diese Rechnung geht aber nur bedingt auf, weil der konventionelle Aufbau trotz der bizarren Story durchschaubar ist und eine Handlung, die auf zahllose fantastische Zufälle angewiesen ist, darüber hinaus nicht allzu durchdacht erscheint.
Die Action-Sequenzen wecken durch den Verzicht auf allzu spektakuläre Stunts und CGI fast schon nostalgische Gefühle. Sie sind unterhaltsam, aber wenig einprägsam, weil die wirklich innovativen Einfälle leider fehlen und es oft nur so wirkt, als wolle Black das Pflichtprogramm an Action erfüllen. Eine Ausnahme bilden die drastischen Gewaltspitzen, bei denen das Blut unverhofft in Massen spritzt und die Freunde des schwarzen Humors voll auf ihre Kosten kommen.
Unterhaltsam ist „The Nice Guys“ über weite Strecken aber, weil die beiden Hauptfiguren ein witziges Duo abgeben, was nicht zuletzt den beiden Hauptdarstellern geschuldet ist. Der kräftige Russel Crowe gibt einen brutalen, aber durchaus sympathischen Schlägertypen mit weichem Kern ab, Ryan Gosling mit voller Hingabe den chaotischen Trottel-Detektiv. Die Dialoge sind stellenweise überaus witzig, driften manchmal aber allzu sehr in unpassenden Non-Sense ab. Einige Lacher gehen zudem auf das Konto von Angourie Rice, welche die naseweise und neugierige Tochter des Privatdetektivs verkörpert. Hinzukommen einige weitere witzige Einfälle von Black, wie etwa das erste Aufeinandertreffen der beiden Protagonisten, das mit einem Armbruch endet, oder der verunglückte Versuch des Privatdetektivs, seinem Kumpanen im Gefecht eine Schusswaffe zuzuwerfen. Ein regelrechtes Feuerwerk an Gags wird letztlich aber auch nicht entfesselt. Wären die besten Pointen nicht schon im über alle Maße mit Gags zugestopften Trailer zu sehen gewesen, so wäre „The Nice Guys“ zudem wohl noch deutlich vergnüglicher gewesen.
Fazit:
Shane Black kann mit seiner grotesken Story nicht über den konventionellen Aufbau des Buddy-Movies hinwegtäuschen, das dank seiner beiden bestens aufgelegten Hauptdarsteller, mit solider Action und einem Schuss Humor dennoch einen kurzweiligen Kinoabend garantiert. Wer sich die besten Pointen für den Kinobesuch aufsparen möchte, sollte zudem einen Bogen um den Trailer machen.
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