Viele Schicksale von Widerstandkämpfern in der Zeit des Nationalsozialismus sind im Lauf der Jahrzehnte ein wenig untergegangen, während bekannte Schicksale von Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer oder Carl Schenk Graf von Stauffenberg bereits mehrfach aufwendig verfilmt wurden. Umso löblicher, dass auch einmal das Aufbegehren des kleinen Mannes gewürdigt wird, bevor dieser gänzlich in Vergessenheit gerät.
Berlin, 1940: Als ihr einziger Sohn während einer Schlacht in Frankreich fällt, beschließt das Arbeiterehepaar Otto (Brendan Gleeson) und Anna (Emma Thompson) sich mit kleinen Aktionen gegen das Hitlerregime zu wenden. Sie verteilen heimlich Postkarten mit aufrührerischen Inhalten an öffentlichen Orten, woraufhin Kommissar Escherich (Daniel Brühl) schon bald ein Täterprofil erstellt…
Als ein junger Soldat durch einen Wald hetzt und kurz darauf erschossen wird, ist noch nicht klar, dass dieser den Widerstand des Ehepaares Quangel in Gang setzen wird, welcher immerhin rund zwei Jahre andauerte und weit über 200 Postkarten umfasste. Beruhend auf dem Roman von Hans Fallada schildert Regisseur Vincent Perez eine ruhig erzählte Biographie, die sich vor allem auf das Zusammenspiel der Figuren verlässt und gleichermaßen verdeutlicht, wie bestimmte Verhaltensweisen unter dem NS-Regime geahndet oder eben unterstützt wurden.
Dabei kristallisiert sich die Einsamkeit einzelner Individuen sehr deutlich heraus, denn obgleich das Ehepaar gemeinsame Sache macht, wirken sie oftmals voneinander isoliert und auch der ermittelnde Kommissar verbeißt sich in den Fall, bis die Nazis den Druck auf ihn erhöhen. Nicht nur jeder stirbt für sich allein, auch jeder ist sich selbst der nächste, wenn der Druck von oben wächst, gerne auch mal Unschuldige verurteilt werden und lediglich die alte Jüdin Unterschlupf erhält, - ausgerechnet von einem ehemaligen, als knallhart verschrienen Richter.
Was die Erzählung glaubhaft gestaltet, ist die tolle Ausstattung. Gebäude, Fahrzeuge, Kleidung und Frisuren sind perfekt aufeinander abgestimmt, was die grundsolide Kamera angenehm schnörkellos und dennoch recht versiert einfängt. Der Score von Alexandre Desplat, überwiegend bestehend aus Piano und Streichern, bringt einige wohlklingende und recht sensible Melodien hervor, während die Besetzung nicht nur hochkarätig ausfällt, sondern zudem großartig performt. Emma Thompson ist bereits stark, doch mit dem überaus nuancierten und im stillen recht emotionalen Spiel von Brendan Gleeson kommt niemand auch nur ansatzweise mit.
Das allgegenwärtige Gefühl von Angst steht bei alledem stets im Vordergrund. Der stille Widerstand mit den Aufrufen zur Rebellion führt dazu, irgendwann unter Verfolgungswahn zu leiden, obgleich die Aktionen, vor allem aus zeitgenössischer Sicht eher harmlos anmuten.
Kein übermäßig spannender, doch dafür recht intensiver, zuweilen leicht melodramatischer Film mit toller Ausstattung und starken Performances.
6,5 von 10