Neu ist die Geschichte über einen älteren Griesgram, dessen weicher Kern im Verlauf zum Vorschein tritt natürlich nicht. Jack Nicholson hat in dem Streifen „Besser geht's nicht“ lachende und weinende Tränchen hervorgerufen, - in vielen Momenten ist die Bestsellerverfilmung nicht weit davon entfernt.
Der 59jährige Witwer Ove (Rolf Lassgård) ist nach dem Tod seiner Frau Sonja (Ida Engvoll) zu einem verbitterten Ordnungswächter mutiert, der jedem Bewohner in der Reihenhaussiedlung die Regeln erklärt. Als er sich für einen Suizid durch den Strick entscheidet, fährt die neue Nachbarsfamilie um Parvaneh (Bahar Pars) sprichwörtlich dazwischen…
Es ist ein ausgiebiger Blick hinter die Fassade eines Misanthropen, eines Kontrollfreaks und Miesepeters. Diesem Kerl, der Mülltonnen nach Richtigkeit der Abfälle kontrolliert, Falschparker anraunzt und jede Nichtigkeit als Regelverstoß deklariert, wollte wahrscheinlich schon jeder einmal die Meinung geigen, obgleich klar ist, dass derartig veranlagte Leute mindestens ein schweres Problem mit sich herumtragen. Bei Ove ist dies nicht anders, wie uns einige Rückblicke bis in die Kindheit vermitteln.
Denn erst durch Ehefrau Sonja wurde Ove um die notwendigen Eigenschaften ergänzt: Lebensfreude, Spontanität und Aufgeschlossenheit blieben ihm bereits während der Kindheit verwehrt und nach ihrem Tod fehlen dem Frührentner schlichtweg die Impulse von außen, bis ein paar Menschen in sein Leben treten, die wie er einem Außenseiterkreis zuzurechnen sind.
Ob es die „schwule Person“ aus dem Dönerladen ist, der an den Rollstuhl gefesselte ehemals beste Kumpel oder eben die persische Nachbarin, die ihn mal eben als Babysitter für ihre beiden Töchter einspannt, - Ove wird gefordert und ohne die Eigenheiten des Grummelmonsters aufzugeben, untermauert er mehrfach die Ambivalenz seiner Figur.
Leise und immer mal wieder mit schwarzhumoriger Situationskomik versehen, erzählt Regisseur Hannes Holm ohne sonderliche Schnörkel die Geschichte eines Mannes, der quasi im Vorbeigehen alle als Idioten tituliert, den Wettstreit um schwedische Automarken ins Absurde treibt und stets eine Katze zu vertreiben sucht („Verschwinde! Dies hier ist Privatgrund!“). Rolf Lassgård ist die perfekte Besetzung für den alternden Griesgram, doch auch die übrigen Mimen sind treffend besetzt und schauspielern erfrischend bodenständig.
Was man dem Stoff ein wenig ankreiden könnte, ist der Hang zum Sentimentalen während der Flashbacks, die ein ums andere Mal die Grenze zum Kitsch überschreiten. Ferner greift er ein paar Themen zuviel auf, welche im Verlauf zu oberflächlich gestreift werden, was primär auf einige Nebenfiguren zutrifft. Zudem ist der Score zwar gut abgestimmt, dudelt jedoch oftmals zu unentwegt, was die sentimentale Note unnötig betont.
Davon abgesehen ist die Tragikomödie um Ove ein gelungenes Stück Wohlfühlkino mit Herz, das in vielen Belangen zu überzeugen weiß. Momente der Melancholie wechseln sich mit makaberen Situationen ab, es gibt anrührende Szenen und solche, die nachdenklich stimmen.
Überzeugend performt, besonders in den Rückblenden gut ausgestattet und emotional ausgewogen erzählt. Einer Sichtung in entsprechender Stimmung sollte nichts im Wege stehen.
7,5 von 10