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„Stell Dir vor, Du bist in Aspen. Aber nur eben in Kriegszeiten.“, versucht der erfolglose Musikmanager Richie Lanz (Bill Murray) seine Sängerin (Zooey Deschanel) zu beruhigen, nachdem sie auf dem Flughafen von Kabul angekommen sind, doch schon am Abend ist die verängstigte junge Frau mit Richies Geldbörse getürmt. Die Tournee durch die Militärstützpunkte fällt erstmal flach…

Bill Murray (geb. 1950 in Wilmette, Illinois) beginnt seine Karriere in der legendären TV-Show “Saturday Night Live” und feiert mit den Komödien von Ivan Reitman, „Babyspeck und Fleischklößchen“ (1979), „Ich glaub mich knutscht ein Elch“ (1981) und „Ghostbusters“ (1984) erste Kinohits. Nach „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993) wird es etwas ruhiger um Murray, bis er sich mit Wes Andersons „Rushmore“ (1998) und „The Royal Tenenbaums“ (2001) als Darsteller anspruchsvoller Komödien etabliert. Nach dem Golden Globe für seine Glanzrolle in „Lost in Translation“ (2003) werden Filme und Rollen zunehmend auf Bill Murray zurecht geschnitten, wie Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ (2005), Theodore Melfis „St. Vincent“ (2014) oder eben „Rock the Kasbah“ von Regisseur Barry Levinson (geb. 1942 in Baltimore). Dessen beiden großen Erfolge „Good Morning, Vietnam“ (1987) und „Rain Man“ (1988) liegen Jahrzehnte zurück und „Rock the Kasbah“ kann auch kein Billy Murray retten, dessen lakonischer Humor hier nicht recht zünden möchte. Das Beste ist noch der Anfang, wenn der Komödiant in einer, an sich Paraderolle präsentiert wird, als Loser ohne Perspektive, der permanent sich und allen anderen etwas vormacht. Doch je länger seine Reise durch Afghanistan andauert, desto dümmer und irgendwann auch ärgerlicher wird die Geschichte. Ärgerlich dann, wenn das antike Frauenbild der Wüstenbevölkerung mit seinen auch heute für viele Mädchen und Frauen unaussprechlichen Folgen für eine Komödie ausgeschlachtet wird. Da hilft es auch nicht, dass im Abspann der ersten weiblichen Teilnehmerin des afghanischen „Super Star“-Formats gedacht wird. Wie Riechie Lanz die Probleme einfach wegquatscht schmerzt in aller Unglaubwürdigkeit. Ebenso unrealistisch ist die Figur der Prostituierten Merci, die von Kate Hudson („Wish I was here“ 2014), wenigstens engagiert verkörpert wird, während das gelangweilte Spiel von Bruce Willis („Sin City“ 2005/14) mittlerweile echt nervt. Die Songs von Cat Stevens/Yussuf Islam sind immerhin ein angemessener Soundtrack, auf „Rock the Kasbah“ von The Clash wartet man aber vergebens. (5/10)

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