Necrostorm-Filme guckt man nicht wegen der packenden, raffiniert erzählten Geschichten. Necrostorm-Filme guckt man auch nicht wegen den grandiosen schauspielerischen Darbietungen oder des inszenatorischen Geschickes der talentierten Regisseure. Man guckt sie weder wegen der brillanten technischen Umsetzung des Geschehens, noch wegen der beeindruckenden Charakterisierung der komplexen Figuren. Und ganz bestimmt guckt man sie nicht wegen der geschliffenen Dialoge, der atemberaubenden Sets oder den überwältigenden Emotionen, die einen beim Ansehen der Streifen übermannen (bzw. überfrauen). Nein, aus all diesen Gründen guckt man sich keine Necrostorm-Filme an, schon alleine deshalb, weil man all das in diesen Werken nicht finden wird. Necrostorm-Filme guckt man, weil man erwartet, daß sich der Bildschirm blutrot färben wird.
Adam Chaplin (2011) hieß der erste Streich dieser in Italien angesiedelten Produktions- und Vertriebsfirma, mit welchem sie gleich mal eine deftig-markante Duftmarke setzte. Es folgten Taeter City (2012), Hotel Inferno (2013), Infidus (2015), The Mildew from Planet Xonader (2015), Suite 313 (2017) und Hotel Inferno 2: The Cathedral of Pain (2017), alle mehr oder weniger nach dem gleichen Schema konstruiert. Denn wie schon bei Andreas Schnaas (Violent Shit, Zombie '90: Extreme Pestilence, u. v. m.) scheint das Motto auch bei Necrostorm zu lauten: Guts and Gore, Splatter and More. Es geht in erster Linie um die Zurschaustellung von blutrünstigen, spektakulär saftigen Spezialeffekten; alles andere ist sekundär. Die Story ist lediglich ein notwendiges Übel, damit die zahlreichen Splatter-Set-Pieces nicht völlig beliebig und sinnlos wirken.
Nicht daß es sonderlich wichtig wäre, aber die Handlung geht in etwa so: Drei, vier Wissenschaftler arbeiten in einem abgeschotteten Militärkomplex an einer geheimen biologischen Waffe, deren Grundmaterial außerirdischen Ursprungs ist. Just am Tag, als mit einem koksenden Kongreßabgeordneten und einem Zigarren paffenden Colonel hoher Besuch ansteht, wird die (noch nicht getestete) Bio-Waffe von einem Verräter freigesetzt, dem aufgrund eines dummen Unfalls jedoch die rechtzeitige Flucht verwehrt bleibt. Während sich die hochgefährlichen Sporen rasant verbreiten und die damit infizierten Menschen ungestüm mutieren, suchen die vom Alien-Pilz noch nicht Befallenen verzweifelt nach einem Ausweg. Nebenher stapft noch ein Typ von einer mysteriösen Spezialeinheit durch die Gegend, der einen dubiosen Auftrag auszuführen hat.
Doch wie schon erwähnt: Dieser alles andere als originelle Plot ist eh nur ein Vorwand, um es an allen Ecken und Enden g'schmackig splattern zu lassen. Wobei in diesem Fall noch erschwerend hinzu kommt, daß der Grundplot gar nicht von Necrostorm selbst stammt. Die Firma erwarb nämlich alle Rechte an einem bereits 2012 veröffentlichten amerikanischen B-Movie namens Mold!. Nachdem der Kauf unter Dach und Fach war, begann Giulio De Santi damit, den Streifen umzugestalten (Mold!-Regisseur Neil Meschino hatte damit rein gar nichts mehr zu tun und hörte von De Santi auch nie wieder etwas). De Santi zerlegte den fertigen Film, schmiß viel Material raus, fügte geschnittene Szenen wieder ein, drehte diverse Sequenzen im bewährten Stil neu, änderte die Farbgestaltung, bastelte alles wieder zusammen, et voilà, das neue Necrostorm-Gorefest war fertig.
Wie die im Komplex überall herumhängenden Wahlplakate des Präsidentschaftskandidaten Ronald Reagan dezent andeuten, spielt The Mildew from Planet Xonader in den frühen 1980er-Jahren. Für Regisseur De Santi war das wohl die Gelegenheit, einem seiner großen Helden zu huldigen, und so klatschte er einen repetitiv vor sich hindudelnden Synthie-Score übers Geschehen, der stark an den Arbeiten von John Carpenter angelehnt ist. Vermutlich mit der hehren Absicht, eine zeitgemäße Stimmung heraufzubeschwören, was allerdings nur bedingt gelingt. Schauspieler, Set-Design, Kameraarbeit und Regie sind einfach zu schwach, und auch die Make-Up-Spezialeffekte unterscheiden sich schon etwas von ihren Pendants aus den Achtzigern. Hinzu kommt, daß die Szenen zwischen den diversen, recht enthusiastischen Blutspritzereien die Geduldsfäden der Zuseher strapazieren.
Die sind nämlich überaus steril und statisch geraten und beginnen bereits nach kurzer Zeit gleichermaßen zu nerven wie zu langweilen. Merke: Schauspielerisch minderbegabten, eingeschlossenen Menschen dabei zuzusehen, wie sie einander volllabern, Panik simulieren, labern, sich wichtigmachen, labern, durch Gänge schleichen und noch ein wenig mehr labern, nein, das ist wahrlich kein Vergnügen. Zumal die Pappnasen allesamt nur platte, uninteressante Stereotypen sind, für die man rein gar nichts empfindet. Aber nicht nur die Emotionen glänzen durch Abwesenheit, auch eine Dramaturgie existiert nicht. Das offensichtlich von Klassikern wie Alien (Ardis Campbell darf gegen Ende sogar in Unterwäsche herumlaufen), The Thing & Co inspirierte Geschehen dümpelt ziel- und lustlos dahin, unterbrochen nur von den happigen Gore- und schleimigen Mutationseinlagen.
Und in dieser Hinsicht ist The Mildew from Planet Xonader tatsächlich sehenswert. Wahre Blutgeysire spritzen aus einem von einem Messer penetrierten Hals, ein Rückgrat wird rabiat aus einem Körper gerissen, Gesichter platzen auf oder verformen sich grotesk, und eine mutierte Ratte ebnet sich brachial ihren Weg durch einen Kopf. Realistisch ist nichts davon, im Gegenteil; manche Set-Pieces erscheinen gar surreal in ihrer abstrusen Realitätsferne. Die launigen Effekte selbst scheinen überwiegend praktischer Natur zu sein (bei einigen Kopfverformungen meint man fast das Latex quietschen zu hören); hin und wieder jedoch wird das angenehme Old School-Flair durch digitale Tricksereien etwas beeinträchtigt. Unterm Strich ist The Mildew from Planet Xonader somit ein saftiges Retro-B-Movie, dessen Unterhaltungswert von (zu) vielen zähen Passagen torpediert wird.