Wir schreiben das Jahr 1984 und in einem Geheimlabor ist die Hölle los, schließlich hat man eine Art Schimmelpilz synthetisiert, der als Kriegswaffe unendliches Potential birgt. Doch der skrupellose Investor sieht die anwesenden Forscher und Minister mehr als Versuchskaninchen und lässt die Sporen frei herumschwirren. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt.
Melt Movies, eine weitere Kuriosität, die von der Zeit verschüttet wurde. Zwar dürfte der weltgewandte 80er Fan mit Slime City, the Incredible Melting Man, Street Trash und Konsorten sicherlich vertraut sein, aber aktuellere Vertreter gibt es doch kaum zu verzeichnen. Dies haben die Italiener von Necrostorm, die man unter anderem durch Splatterorgien wie Adam Chaplin oder Taeter Burger kennengelernt hat, nun mit "The Mildew from Planet Xonader" geändert. Der Schleim rinnt wieder und es darf losgeschmolzen werden.
Glücklicherweise findet das Ganze in den 80ern statt, womit der Nostalgiebonus zugestanden und der Bezug zu den Klassikern des Sub-Subgenres hergestellt ist. Wissenschaftler, verkokste Politiker und überzogene Armeemenschen finden sich auch schnell zusammen und natürlich entweichen die gefährlichen Sporen, die eigentlich strengsten Auflagen unterliegen, direkt. Tarantinoesk innovativ ist das sicherlich nicht, aber es reicht doch aus. Schön ist auch, dass die Charaktere nicht als vollkommen blasse Schießbudenfiguren konzipiert wurden.
Aber natürlich schaut man einen solchen Film nicht wegen der tiefgreifenden Handlung und den subtil abgerundeten Charakteren, sondern wegen des Geschmodders und Gesplatters. Und ja, da liefert Necrostorm wieder zuverlässig ab. Zunächst einmal sind da die neongrünen Schmelzeinheiten und Schleimigkeiten, die vor allem in der ersten Hälfte vermehrt auftreten. Hier hat man sich wirklich sehr an den guten, alten Meilensteinen orientiert und ganz im Sinne des modernen Indie-Splatters eine ordentliche Schippe draufgepackt. Ausgedehnt trieft der grüne Matsch aus allen Poren, Haut schält sich ab und dämonische Hände dringen aus Bauchhöhlen. Der außerweltliche Schimmel erinnert wohlig an Lovecraft-Ästhetik, gerade in den Szenen, in denen aus den transformierten Schädeln modrige Gliedmaßen wachsen. Da kann man den Italienern durchaus zu einer gelungenen Darstellung gratulieren.
Später wird die Action generischer und es wird primär geschlitzt und geballert. Hier sieht alles aus wie gewohnt, vor allem was das eher wässrige Blut und die Kopfprothesen bzw Masken angeht. Einerseits ist es nicht verkehrt, die Handschrift der Macher wiederzuerkennen, andererseits könnte manch ein Kritiker sagen, dass man es spätestens hier einfach mit dem x-ten „Adam Chaplin“ Klon zu tun hat. Unangenehmer ist jedoch, dass in der zweiten Hälfte vieles an Drive verloren geht und alles trotz reichlichen Effekten irgendwie abflacht. Somit steht dieser Teil im Gegensatz zur überaus sympathischen ersten Hälfte. Auch wird die Melt- und Schleimthematik irgendwie weniger ausgebaut, womit auch einiges an Charakter verloren geht.
Fazit: Guter Anfang, schwächere zweite Hälfte. „The Mildew from Planet Xonader“ ist kein Ausfall, verschenkt aber auch sehr viel Potential. Das Schmelzen und Schleimen überzeugt, selbiges gilt für die Idee mit den Sporen, das altbekannte Gesplatter und die Längen aus dem zweiten Teil trüben das Bild wiederum. Allerdings gibt es Bonuspunkte für den 80er Vibe und die Idee, eine verlorengeglaubte Art Film wiederzuerwecken.