Die Nadel im Heuhaufen ist speziell bei indischen Filmen schwer zu finden, - ein Film, in dem nicht getanzt und gesungen und nicht eine familientaugliche Seifenoper epischen Ausmaßes geliefert wird, bietet der Thriller von Regisseur Sanjay Gupta. Zwar handelt es sich um ein Remake des 2007 erschienenen, südkoreanischen „Seven Days“, wie eine bloße Kopie kommt der Streifen jedoch nicht daher.
Anwältin Anu (Aishwarya Rai Bachchan) hat noch keinen Fall verloren, doch als ein Unbekannter ihre Tochter entführt, verlangt dieser, dass der zum Tode verurteilte Vergewaltiger und Killer Miyaaz mit ihrem Dazutun freigesprochen wird. Mithilfe des in Ungnade gefallenen Polizisten Yohaan (Irrfan Khan) versucht sie den Strippenzieher zu entlarven und gleichzeitig Fakten für die Unschuld des Angeklagten zu sammeln…
Der Einstieg verheißt zunächst nichts Gutes, denn als Anu beim Joggen quer durch Mumbai eingeführt wird, ertönt gleichzeitig der erste indische Schlager. Die liebevolle Mutter und ehrgeizige Anwältin ist rasch als Sympathieträgerin etabliert und eine erste Verfolgung des mutmaßlichen Entführers ist angenehm rasant in Szene gesetzt. Nachfolgend werden diverse Fährten ausgelegt, was zuweilen ein wenig Verwirrung stiftet, wogegen die sich ergänzenden Ermittlungsarbeiten zu den spannenden Highlights gehören.
Interessant ist bei alledem die gesellschaftliche Komponente mit Kritik am allgemeinen Umgang mit Frauen, insbesondere bei den Themen Abtreibung und Vergewaltigung, was zum Finale im Stillen noch einmal auf den Punkt gebracht wird, allerdings moralisch fragwürdige Signale setzt.
Während die erste Stunde etwas zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigt ist und im Club noch Zeit für Tanz in Musikclipoptik bleibt, gerät das Treiben in der zweiten Hälfte deutlich griffiger und temporeicher. Obgleich große Actioneinlagen ausbleiben, verläuft speziell der Prozess recht spannend, nur einige überaus melodramatische Einlagen schmälern die Glaubhaftigkeit und driften zu sehr ins Theatralische ab, wobei diverse Zeitlupen das Ganze noch steigern.
Ansonsten sind die meisten Darsteller mit Bodenhaftung bei der Sache, speziell Bachchan performt nach rund fünf Jahren Abwesenheit vor der Kamera recht ordentlich und ginge rein optisch (Jahrgang1973) noch locker als End-Zwanziger durch. Auf Kahn ist ohnehin immer Verlass, den Bad Cop mit dem Herz am rechten Fleck nimmt man ihm jederzeit ab.
Die Mischung aus Drama und Thriller kommt innerhalb der rund 119 Minuten zwar nicht ohne kleine Längen aus, die Story fesselnd jedoch insgesamt einigermaßen und weiß primär durch präzise Ermittlungsarbeit, als auch durch Szenen vor Gericht zu überzeugen.
Glücklicherweise weit von Bollywood entfernt, vom regelrechten Nervenkitzel jedoch auch.
6 von 10