Review

kurz angerissen*

"10 Cloverfield Lane" schlägt einen derart gegensätzlichen Weg ein als sein Vorgänger, dass man ohne entsprechenden Hinweis im Titel nicht zwangsläufig die Verbindung mit dem Found-Footage-Monsterfilm von 2008 ziehen würde. Grundsätzlich hätte man den Bezug also auch in den Dienst eines Plottwists stellen und erst am Ende lüften können. Doch gerade weil der Straßenname aus dem Titel, längst eine Marke vom Schlage der "Elm Street", dem Zuschauer von Minute 1 im Kopf brennt, geht der Plan so auf, wie er es muss.

Es ist weniger die Frage, ob der ominöse Howard ein Lebensretter oder ein Psychopath ist, die Spannung heraufbeschwört – obwohl John Goodman so beängstigend spielt, dass diese Frage doch wieder ein Thema wird. Aber man weiß schließlich um gewisse Vorgänge außerhalb des Bunkers, wie man sie vor acht Jahren über das Filmmaterial von einer Handkamera erblicken konnte. In erster Linie geht es also um die Verknüpfungspunkte mit den megalomanen Ereignissen von damals und um die Wirkung des radikalen Kontrastes, einem Monsterfilm nach Kaiju-Formel ein Drei-Personen-Kammerspiel folgen zu lassen.

Funktionieren kann das nur, weil Goodman seiner an Highlights nicht armen Karriere einen Nachschlag serviert, der sich gewaschen hat. Glaubwürdig erzeugt er als entzündliches Pulverfass permanente Verunsicherung, die durch das klaustrophobische Setting exponentiell verstärkt wird. Das ganze Drehbuch operiert zwar ein wenig im abgesteckten Feld der Standards für Zellenfilme, aber geschickt werden Einwürfe integriert, die wahlweise für gutmütige oder zwielichtige Charaktereigenschaften des Charakters sorgen. Als Zuschauer bewegt man sich freiwillig in die passive Rolle; einerseits, um den ohnehin eingeengten Raum nicht noch weiter zu befüllen und dem unberechenbaren John Goodman nicht in die Quere zu kommen, andererseits, weil man Mary Elizabeth Winstead noch aus ihrem Kampf gegen "The Thing" kennt und ihr durchaus zutraut, auf eigene Faust Mittel und Wege zu finden, den unbestimmten Gefahren zu entgehen.

Das Finale wirkt zugegeben angehangen und antiklimatisch, muss aber samt des plötzlichen Richtungswechsels genau diese Wirkung beabsichtigen, um nicht doch in den letzten Minuten ein konventionelles Personenstück in Akten zu bleiben. Es ist eben doch ein "Cloverfield" – technisch nicht unbedingt ausgereizt, aber immer für die letzte Überraschung gut.

*weitere Informationen: siehe Profil

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