kurz angerissen*
Erstes Filmsemester: Zeige Zwischenmenschliches, damit deinem Publikum das Schicksal der Figuren nicht am Allerwertesten vorbeigeht. Deswegen beginnt „The Finest Hours“ mit dieser aufregenden, sorglosen Jugendphase des Kennenlernens einer großen Liebe, wie sie sonst pathetischen Antikriegsfilmen zu eigen ist. Craig Gillespie erzwingt die Magie geradewegs, als er zwei junge Burschen zum Vierer-Date in einer Bar mit anschließendem Bootsausflug bei Nacht begleitet – und Chris Pine und Holliday Grainger in einen intimen Kokon strickt, der die Liebe erblühen lässt.
Auf dieser Grundlage lässt das Drehbuch nun das echte Leben sprechen. Die geschilderte Rettungsaktion basiert auf einem Erfahrungsbericht, der in das Buch „Finest Hours: The True Story of the U.S. Coast Guard's Most Daring Sea Rescue “ eingearbeitet wurde. Geschickt verknüpft das Skript die Erzählstränge um die Katastrophe an Bord der SS Pendleton rund um Casey Affleck einerseits und Chris Pines kühner Mission andererseits in einer fortlaufenden Parallelmontage und reichert beide Flanken mit wuchtigen Bildern stürmischer See, demolierter Schiffskörper und eindringender Wassermassen an, visuell oft an Wolfgang Petersens „Der Sturm“ anknüpfend.
Pine spielt einen etwas verunsicherten, aber tugendhaften Mann, der in einer Extremsituation seine Führungsstärke beweisen muss; ebenso wie Affleck auf der anderen Seite. Es ist spannend, die jeweilige Entwicklung der Leads beider Erzählstränge zu beobachten und miteinander zu vergleichen – indes Pine sich vor allem gegen Hindernisse am Festland durchsetzen muss, hat Affleck mit seiner Crew zu kämpfen.
Es ist schwierig, von dieser gekonnten Collage unberührt zu bleiben, auch wenn der Gesamtrahmen dann doch typisch vorhersehbare Disney-Formen annimmt – gestorben wird wenig, und wenn, dann möglichst stillschweigend, die Hauptfiguren verfolgen rechtschaffene und nicht zuletzt selbstlose Ziele. Als Katastrophendrama jedoch zieht „The Finest Hours“ mit packenden Bildern sämtliche Register.
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