Krokodile sind für unerfahrene Regisseure im Tierhorrorbereich eine dankbare Aufgabe, denn sie sind von Natur aus eher klobig, vergleichsweise unbeweglich und von daher leicht zu modellieren. Autor und Regisseur Michael Anderson wollte darüber hinaus noch eine zweite Thematik einfügen, was die Sache reichlich unausgegoren erscheinen lässt.
Nach fünfzehn Jahren Abwesenheit kehrt Tim in den Ort seiner Kindheit zurück und wird dabei an den tragischen Unfall erinnert, als ein Mitschüler beim Einbruch in den Zoo von einem Krokodil gefressen wurde. Doch auch jetzt mehren sich Zeichen, dass Krokodile die Moorgegend unsicher machen, da bereits einige Menschen spurlos verschwunden sind…
Anderson legt bei seinem Spielfilmdebüt großen Wert auf Lokalkolorit, was sich durchaus positiv bemerkbar macht. Die überaus ländliche Provinz in der Grafschaft Somerset wirkt bis auf ein paar Handys beinahe zeitlos. Da wird noch per Hand geschlachtet, ein Pub entstand offenbar aus einem ganz normalen Wohnhaus und die Einwohner pfeifen auf schicke Kleidung, moderne Arbeitsutensilien oder gar elektrische Küchengeräte.
Leider ist es um die Krokodile nicht so gut bestellt, denn die sind über weite Teile nur im Sumpfgebiet unterwegs, greifen jedoch nur einmal direkt Personen an. Animiert sind die Viecher passabel, auf CGI wird fast komplett verzichtet und die wenigen Gewalteinlagen sind handgemacht. In Sachen Tierhorror will der Funke jedoch nicht überspringen.
Schließlich gesellen sich Elemente des Backwoodslashers hinzu, welche ebenfalls nicht so recht in Gang kommen, zumal erst spät in diese Richtung eingeschlagen wird. Als ein Mädchen bei einem kleinen Gelage im Sumpfgebiet spurlos verschwindet, ist zumindest noch nicht klar, ob hier ein vierbeiniger Täter in Betracht kommt, oder ob eine dubiose Person im Ort seine Finger im Spiel hat. Die meisten Aspekte lösen sich gegen Ende halbwegs schlüssig auf, ein paar eklatante Logiklöcher sind allerdings nicht von der Hand zu weisen.
Darüber hinaus versucht sich das Werk als rabenschwarze Komödie, was jedoch kaum zu spüren ist, da der Grundton eher ernst ist und allenfalls eine Handvoll skurriler Momente auszumachen ist. Die wenigen Aufheiterungen sind rar gesät und kommen meist zu zaghaft und auch die Dialoge sind nicht auf witzig getrimmt.
Die Atmosphäre der ländlichen Provinz punktet durch die Bank, weshalb ein gewisser Unterhaltungswert trotz eher schleppender Erzählweise nicht abzusprechen ist. Die Figuren sind treffend besetzt und die Mimen leisten brauchbare Dienste, der Score ist gut abgestimmt und die Kamera arbeitet bis auf einige Ruckler ordentlich. Nur die Geschichte, die irgendwo unentschlossen zwischen Tierhorror, Milieustudie und Thriller pendelt, erzeugt zu wenig Suspense, um das Gesamtwerk über Durchschnitt zu bringen.
5 von 10