Roberto Rossi führt ein geruhsames Leben als Kleinstadtpolizist im malerischen Urbino. Als er in den Katakomben eine rituell aufgebahrte Leiche entdeckt, gerät er tiefer als ihm lieb ist in einen unheimlichen Fall. Weil alle Profi-Kriminalisten wegen eines Virus ausfallen, muss ausgerechnet der "Poliziotto" ran. Dabei pfuschen ihm sein selbstherrlicher Vorgesetzter Cottelli und der skrupellose Vizebürgermeister Manchetti grob ins Handwerk. Unbeirrt macht sich Rossi mit Hilfe der angehenden Rechtsmedizinerin Malpomena del Vecchio und einem deutschen Kommissar a. D. daran, den Tod der schönen Carmela Tozzi aufzuklären.
Ein wenig italienisches Flair in der mittelalterlichen Kleinstadt Urbino zwischen Chianti, Fiat und Vespa, etwas deutsche Routine Kriminalistik und einem schweizerischen Poliziotto bieten die bisherigen beiden Urbino Krimis. Mit Katarina Wackernagel (inklusive etwas übertriebenem Feminismus) und Hannes Jaenicke sind bekannte Schauspieler mit dabei, dazu gibt's schöne Bilder des lokalen Stadtzentrums, nur leider ist die wirkliche Arbeit der Polizei und die Ermittlungen eher ein Schwachpunkt.
Statt einem spannendem Thriller oder wenigstens Whodunit Mystery konzentriert man sich ein wenig sehr auf Nebenkriegsschauplätze. Skurrile Charaktere wie der arrogante Sohn des Bürgermeisters oder der örtliche Autoschrauber sorgen zwar für einen gewissen Humorfaktor, der gar nicht mal schlecht gemacht ist, aber doch zu oft die Haupthandlung unterbricht. Freuen darf man sich auch auf zahlreiche Klischees. So sind die Offiziellen wie Rossis Chef oder der Vizebürgermeister ziemlich unglaubwürdige Karikaturen und führen sich auf wie kleine Cäsaren.
Ein Mord an einer jungen Frau gibt es natürlich auch, bei der das örtliche Palazzo sprichwörtlich eine Leiche im Keller hat. Nett drapiert mit Bibel auf der Brust und mit Wachs verschlossenen Körperöffnungen, sieht zunächst alles nach einem Ritualmord aus. Da wohl alle zuständigen Carabinieri an einem Virus erkrankt sind, dürfen es nun ein Strafzettelschreiber und eine frisch ernannte Assistentin der Gerichtsmedizin richten, ja auch in Italien scheint die Polizei dünn besetzt zu sein.
BNiemand sollte jetzt aber das italienische Äquivalent zu Holmes und Poirot erwarten, sondern eher einen Krimi Light im Dolce Vita Remix. Ein zugereister deutscher Kommissar a.D. darf noch ein wenig mitmischen und mit der Medizinerin flirten, wirkliche Brisanz sieht da sicher anders aus. Urbino Fall Numero uno ist aber dennoch leicht und recht unterhaltsam konsumierbar und zumindest dem Querdaumen in der Fernsehzeitschrift kann man zustimmen.
6/10