Review

kurz angerissen*

Der Wechsel auf dem Regieposten hat erwartungsgemäß keinen Stilbruch zur Folge. Spätestens mit der dritten Episode um die Ermittler Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) nimmt das große Ganze die Gestalt einer hochwertig produzierten TV-Serie mit spielfilmlangen Folgen an, die Case-Of-The-Year-Konstrukte dazu verwendet, um die Entwicklung der Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Männern zu dokumentieren.

„Erlösung“ lässt wieder ab von der narrativen Komplexität des direkten Vorgängers und kehrt zurück in die Strukturen des ersten Teils, inklusive Entführungsablauf und Spiel auf Zeit, mit dem jeder Ermittlungsschritt unter Druck gesetzt und so die Spannung gefördert wird.

Nicht nur bei der filmischen Architektur, auch inhaltlich beschreitet man konservative Wege, die jedoch mit so viel Sorgfalt beschritten werden, dass ihnen doch etwas Eigenes zu entziehen ist. Der Komplex aus Religion, Missbrauch und Rassismus im ländlichen, regelrecht meditativen Setting der nordischen Einöde entschleunigt nicht nur das Gros weltweiter Major-Produktionen, es treibt zwischen Weizenfeldern, Dünen und spartanisch eingerichteten Bauernhäusern auch in die Selbstreflektion. Begünstigt dadurch, dass der ausländische Hintergrund Assads direkten Einfluss auf die Handlung nimmt, zeigt „Erlösung“ einige seiner größten Stärken darin, Diskriminierung von Individuen und Minoritäten persönlich greifbar zu machen und ohne fadenscheinigen Aktionismus dagegen anzugehen.

Hans Petter Moland hält also das hohe Niveau seines Vorgängers aufrecht und ermöglicht die Vorfreude auf „Journal 64“, den vierten Teil der Reihe, der im kommenden Jahr erscheinen soll.

*weitere Informationen: siehe Profil

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