Review

Geburtsstunde des Giallos


„Evil Eye“ aka „The Girl Who Knew Too Much“ ist ein früher Giallo von Meister Mario Bava. Für viele ist er sogar der erste Giallo überhaupt. Doch da verschwimmen natürlich immer die Grenzen von Hitchcock bis Bava, von Krimis über Exploitation bis zu den Slashern. Aber egal wie man dieses kesse Spannungskino filmhistorisch einordnet - der Inhalt gleitet sehr fein zwischen gut und meisterhaft. Erzählt wird von einer jungen Amerikanerin, die in der ewigen Stadt Rom Urlaub macht. Doch schon in der ersten Nacht wird sie mitten auf der spanischen Treppe Zeugin eines brutalen Mordes. Da nach ihrer nächtlichen Ohnmacht weder Leiche noch Täter auffindbar sind, tut sie sich sehr schwer daran, die Leute von der Wahrheit zu überzeugen. Manche halten sie sogar glatt für wahnsinnig. Wäre da nicht vor zehn Jahren ein ganz ähnlicher Mord an derselben Stelle geschehen…

Heute im Filmmuseum Düsseldorf leider nur die englischsprachige, gekürzte und leicht umgeschnittene US-Version gesehen, ist mir aber auch die europäische, originale, ernstere und bessere Schnittfassung bekannt. Obwohl die Kernqualitäten in jeder Version gleich und erhalten bleiben. „The Girl Who Knew Too Much“ hat eine famose Leading Lady, die jeder Mann nur allzu gerne beschützen und John Saxons Stelle einnehmen würde. Er hat schon etliche Giallo-Wahrzeichen und Wendungen. Rom ist immer eine Reise wert. Die möglichen Verdächtigen und falschen Fährten türmen sich auf. Bavas Kamera und Atmosphäre glänzen um die Wette. Besonders die Beerdigung (Shot aus dem Grab) und die Sequenz im Krankenhausbett strahlen zeitlose Perfektion aus. Zwischen Grusel und leichteren humoristischen Einlagen tänzelt das Spannungsstück locker daher. Wer weiß, ob ohne diesen Erfolg und Einfluss Argento und Co. später dieselben Filme gemacht hätten. Ich glaube nicht. Genauso wenig wie man abstreiten kann, vom Titel bis zum Thema, dass Hitchcock hier maßgeblich Pate stand. So verschmilzt und gleitet Historie und großes Kino ineinander. 

Fazit: einer der besten hitchcockischen Thriller, der nicht vom alten Alfred selbst ist. Ein absoluter Giallogrundstein. „The Girl Who Knew Too Much“ kann man nicht hoch genug hängen. Spannungskino der Ausnahmeklasse. Und Leticia Roman ist zuckersüß. 

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