Review

Solange Rache immer noch kalt serviert wird, eignen sich norwegische Fjordlandschaften hervorragend als Schauplatz düsterer Machenschaften. Regisseurin und Co-Autorin Kjersti Steinsbø verpackt ihr Gerechtigkeitsdrama in herausragende Landschaftsaufnahmen und geht dabei weitaus subtiler vor als übliche Rape- and Revenge- Filme.

Rebekka (Siren Jørgensen) gibt sich als Reisejournalistin Andrea aus und steigt in einer winzigen Gemeinde im Westen Norwegens ab, in der Morten (Frode Winther) ein Hotel betreibt und ein zufriedenes Dasein mit Frau Nina (Maria Bock) und einem Baby führt.
Rebekka will sich für die Vergewaltigung an ihrer Schwester rächen, die sich jüngst das Leben nahm. Um Morten zu enttarnen, muss sie ihn an seiner Schwachstelle treffen…

Irgendwo zwischen Charakterdrama und Thriller baut sich die Geschichte recht langsam auf, obgleich schon aufgrund des wegweisenden Titels deutlich wird, wer mit welcher Absicht zuwerke geht. Im weitesten Sinne handelt es sich um einen Frauenfilm, denn mehr als einmal wird auf Missstände hinsichtlich Missbrauch und Vergewaltigung hingewiesen, dass vielen Frauen erst gar kein Gehör geschenkt wird und die Täter anderweitig oftmals mit laschen Strafen davonkommen. Zudem stehen starke Frauen im Vordergrund, während Männer eher als Stichwortgeber fungieren und einigen etwas leicht Schmieriges anhaftet.

Obgleich etwas latent Beklemmendes in der Luft liegt, kommt nur selten Spannung auf, zumal viele Abläufe vorhersehbar bleiben und erst im letzten Drittel minimal an der Temposchraube gedreht wird. Die Erzählung liefert nur wenige Kniffe, allerdings kann sie sich voll und ganz auf die glaubhaft ausgearbeiteten Figuren verlassen, während die treffend besetzten Mimen allesamt überzeugen. Auch der zurückhaltend eingesetzte Score weiß diverse Stimmungen adäquat zu untermauern, während die gelungenen Landschaftsaufnahmen mit einigen Farb- und Schattenspielen zu den eigentlichen Highlights zählen.

Das Debüt von Steinsbø vermag insofern überzeugen, als dass der Stoff in sich stimmig vorgetragen wird und der Ausgang hinsichtlich Themen wie Gerechtigkeit und innere Befriedigung in jeder Hinsicht klug gelöst ist. Ansonsten ist ein wenig Geduld gefragt, denn so perfide wie Titel und Cover das suggerieren mögen, entwickelt sich die Story um Rache und Genugtuung beileibe nicht.
6,5 von 10

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