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Nachdem die kolumbianischen Mitarbeiter eines im verlassenen Hinterland von Bogota liegenden Bürogebäudes ihre amerikanischen Kollegen allein gelassen haben, fahren plötzlich an allen Ausgängen Metall-Barrieren in die Höhe, sodass die Verbliebenen eingesperrt sind. Anschließend ertönt eine Stimme über die Lautsprecher, die von den Mitarbeitern verlangt, sich gegenseitig zu töten, wenn überhaupt jemand eine Chance haben möchte zu überleben. Der Unbekannte zeigt, dass er es ernst meint, indem er drei Mitarbeiter tötet, indem er eine Sprengladung in ihren Köpfen zündet. Da auch die anderen kleine Bomben im Hinterkopf haben, die unter dem Vorwand, einen Ortungschip für einen möglichen Entführungsfall implantieren zu wollen, eingesetzt wurden, beginnen die ersten damit, den Anweisungen zu folgen. Es ist der Auftakt eines gewaltigen Gemetzels.

Jeder für sich und Gott gegen alle. Kreiste bei „Saw“ noch alles um die Frage, wie weit die Protagonisten gehen würden, um zu überleben und wer dieses kranke Spiel mit ihnen trieb, so provozierte der kürzlich vom Index gestrichene Surival-Splatterfilm „Battle Royale“ durch seine Parallelen zur japanischen Ellenbogengesellschaft. Im weniger blutigen aber thematisch ähnlich gelagerten „Die Tribute von Panem“ waren es dagegen der dystopische Entwurf um die unmenschlichen Hunger-Spiele und die Kritik am Voyeurismus der westlichen Gesellschaften und Medienlandschaften, die den Film überzeugend gestalteten. B-Movies wie „Das Belko-Experiment“ brauchen dagegen oftmals weder einen inhaltlich substanziellen Ansatz noch eine innovative Geschichte, um einen modernen Gladiatorenkampf ins Rollen zu bringen. Es reicht, das Bedürfnis des geneigten Publikums nach Blut und etwas schwarzem Humor zu bedienen. Vermutlich stößt der Film des „Wolf Creek“-Regisseurs Greg McLean deshalb so sauer auf.

Positiv gewendet lässt sich sagen, dass „Das Balko-Experiment“ schnell zur Sache kommt, eigentlich wird aber konsequent auf eine Story verzichtet. Die Figuren werden allenfalls skizzenhaft eingeführt, weshalb zu keiner von ihnen eine echte Verbindung zustande kommt. Und dann beginnt das morbide Spiel auf Leben und Tod auch schon. Dabei werden zwar immer wieder vielversprechende Ansätze aufgegriffen, dann aber auch schon wieder fallen gelassen. Dass eine Gruppe bewaffneter Mitarbeiter zunächst scheinbar vernünftige Kriterien festlegt, nach denen entschieden werden soll, wer leben und wer sterben soll (Familie, Alter), dann aber eher willkürlich Todesurteile spricht, wäre ein solcher Ansatz gewesen. Die finale Auflösung, die durch den Filmtitel bereits mehr oder weniger vorweggenommen wird, ist eher plump und rückt das Gesehene auch nachträglich in keinen Kontext, der es Wert wäre, noch einen Gedanken daran zu verschwenden. Die intendierte Provokation bleibt daher aus. Warum man einen Kreativen wie den „Guardians of the Galaxy“-Schöpfer James Gunn für ein solches Drehbuch brauchte, bleibt offen.

Unterhaltsam ist das morbide Treiben zumindest zweitweise. Denn so konventionell der Verlauf des Films auch sein mag, die Todesfälle unter den Protagonisten kommen meist plötzlich und unvorbereitet. Ein vergleichsweise prominentes Gesicht oder eine etwas ausführlichere Einführung einer Figur schützen jedenfalls nicht vor einem abrupten Ende. Hinzu kommt ein Schuss schwarzer Humor, der aber nicht auf Dauer trägt, weil der Ton zunehmend finsterer und rauer wird. Überhaupt berauscht sich „Das Belko-Experiment“ stellenweise allzu sehr an Blut und Brutalität, ohne eine ironische Distanz zu wahren oder das Gezeigt in einen kritischen Kontext zu rücken, was mitunter gewaltverherrlichende und menschenverachtende Züge trägt. Sind die nicht allzu expliziten Splattereffekte dabei noch gut gemacht, sehen CGI und manche Darstellerleistungen trotz semi-prominenter Besetzung nach B-Movie aus.

Fazit:
„Das Belko-Experiment“ ist ein mäßig unterhaltsamer B-Movie-Splatterfilm ohne substantielle Story, der nicht einmal halb so provozierend ausgefallen ist, wie er es wohl gern wäre.

37 %

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