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Tom Hanks spielt einen US-Manager, der seinen hochdotierten Posten bei einem Fahrradhersteller verloren hat und nun versucht, hochmoderne Kommunikationstechnik zu verkaufen. Der neue Job führt ihn im Auftrag der Firma nach Saudi-Arabien, auf eine Großbaustelle mitten in der Wüste. Während er sich dort beruflich damit herumschlagen muss, dass sich kaum ein höherer Vertreter des Emirats, geschweige denn der König, blicken lässt, macht ihm eine Geschwulst auf seinem Rücken zu schaffen - und führt ihn zu einer attraktiven Ärztin.

Nach der Adaption des weltbekannten Patrick-Süskind-Romans „Das Parfüm“ und seiner ebenfalls mit Tom Hanks besetzten Literaturverfilmung „Cloud Atlas“ widmet sich der deutsche Regisseur Tom Tykwer, dessen internationale Ambitionen seit „Lola rennt“ ungebrochen sind, nun dem Roman „Ein Hologramm für den König“ von Dave Eggers, den Tykwer eigens zum Drehbuch verarbeitete. Und wie schon bei „Cloud Atlas“, der mal als besonders clever gelobt oder aber als verwirrend und nichtssagend kritisiert wurde, ergeben die Stimmen auch bei „Ein Hologramm für den König“ ein gemischtes Bild.

Die einen werden den Film für seine verträumte Machart lieben, für seine optimistische Grundstimmung, für die sympathische Komik und die liebenswerten Figuren. Der Protagonist, der bei seinem vorherigen Arbeitgeber tief gefallen und nun auf ein Erfolgserlebnis im fernen Saudi-Arabien angewiesen ist, stößt sich zunächst an den dortigen Gepflogenheiten, lernt Land und Leute dann aber kennen und lieben. Und angesichts des sympathischen Bilds vom Königreich und seinen Bewohnern, das bis zum Schluss eine gewisse Exotik atmet, wird es auch dem Zuschauer so ergehen. Die Dienstreise wird schließlich zum Neuanfang, wenn der Verkäufer sich verliebt, woraufhin sich dann eine durchaus herzliche Liebesgeschichte entspinnt. Dass die Tragi-Komödie stellenweise zu süßlich daherkommt und das Ende etwas kitschig ausfällt, lässt sich da einigermaßen verschmerzen.

Die anderen werden den Film hassen. Denn obwohl sich Tykwer, der vor allem von der Reise eines Gefallenen in ein fremdes Land erzählen und nettes Unterhaltungskino kreieren möchte, bewusst nicht um politische und wirtschaftliche Hintergründe schert, so lässt sich bei allem Wohlwollen doch eine gewisse Naivität nicht überspielen. Man muss kein Globalisierungskritiker sein, um zur Auffassung zu gelangen, dass ein paar kritische Töne fehlen. Vor allem aber wird ein allzu geschönter Eindruck über das reaktionäre Königreich mit seinen archaischen Gesellschaftsstrukturen vermittelt, was auch die Love-Story etwas unglaubwürdig erscheinen lässt. Allein schon, dass sich der Protagonist mit seiner Ärztin unter vier Augen in einem geschlossenen Raum aufhalten darf, ohne, dass die Sittenwächter auf den Plan gerufen werden, erscheint doch eher unrealistisch. Dass Saudi-Arabien selbst keine Drehgenehmigung erteilte, zeigt deutlich auf, wie restriktiv die Monarchie ist.

Auf eine gelungene handwerkliche Umsetzung wird man sich indes einigen können. Tykwer erzählt seine Geschichte wohl getaktet, lässt genug Zeit, dass sich die Einblicke in das fremde Land entfalten können, unterhält aber auch mit teils lakonischem, teils sehr herzlichem Humor. Sein angestammter Kameramann Frank Griebe liefert die dazu passenden visuellen Eindrücke ab, die sehr schwelgerisch und opulent geworden sind und stimmig zur etwas verträumten Machart des gesamten Films passen. Dazu gibt es einen souveränen Tom Hanks zu sehen, der wie so oft mit reduziertem, aber durchaus witzigem Spiel und seiner sympathischen Art punktet. Zu überzeugen wissen aber auch die Nebendarsteller.

Fazit:
„Ein Hologramm für den König“ überzeugt mit einer gelungenen Inszenierung, insbesondere mit seinen tollen Bildern, und bietet mit einer Prise Humor sowie der sympathischen, verträumten Machart soliden Kurzweil. Die Kehrseite der Medaille ist freilich, dass das Unterhaltungsdrama mit der Realität nur schwer in Einklang zu bringen ist, dass auf kritische Töne allzu offensichtlich verzichtet wird. Letztlich ist Tykwers Film ein Märchen im Zeitalter der Globalisierung, teils sehr schön, teils zu süßlich und naiv.

60 %

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