Mit viel Interesse und Erwartung aufgenommenes Alterswerk von Sammo Hung, der seit über vier Jahrzehnten als Darsteller, Regisseur, Presenteur, Produzent und (noch länger) als Action Director die HKer Filmlandschaft gerade auch zu ihren Hochzeiten Ende der Siebziger bis Mitte der Neunziger entscheidend gefördert, entwickelt und so geprägt hat. Hung, der trotz einiger privater, gesellschaftlicher und politischer und sich auf den Beruf auswirkender Krisen und auch die zwischenzeitlich darbende Industrie relativ unbelastet auch durch die letzten späten Jahre geschlagen hat, hat den Höhepunkt seines Schaffens sicherlich schon vor langem erreicht, ist aber dennoch und dies anders als ehemals vergleichbare Talente weiterhin sehr gut, vor und hinter der Kamera, als Knochenbrecher in Aktion und im Geschäft. Eine kleine Erstaunlichkeit angesichts auch der vermeintlich beschädigten Gesundheit, des hohen Alters, und der nun weniger vorhandenen körperlichen Attraktivität, in der die Kreativität des Mannes, seine konstant hohen Leistungen über die Dekaden hinweg und die freundschaftliche Verbundenheit und Loyalität zu anderen Arbeitenden in der Filmbranche mehr als der kurze äußere Ruhm des Scheines zählt:
Nach dem Wegzug aus Peking und dem Antritt des wohlverdienten Ruhestandes lebt der alternde ehemalige Elitekämpfer und staatlicher Bodyguard Ding Zu [ Sammo Hung ] in einem kleinen Vorort der Heilongjiang Provinz ruhig, wenn auch einsam vor sich hin. Nur einen zurückliegenden tragischen Vorfall von der eigenen Tochter geschnitten und entfremdet und an fortschreitender Demenz leidend, hat Dong nur noch die regelmäßigen Besuche der in ihn verliebten Park Chan Seun [ Zhu Yu-chen ], eventuell ihres Sohnes, des Polizisten Park Seon Nun [ Li Qin-qin ], und von der kleinen Cherry Li [ Jaqueline Chan ], der Tochter des Hallodris und Spielers Li Zheng-jiu [ Andy Lau ]. Als dieser in Schulden beim örtlichen Gangsterboss Choi Dong-hen [ Feng jia-yi ] gerät und als Auslösung den russischen Konkurrenten Sergei [ James Lee Guy ] bestehlen soll, gerät auch Cherry in Gefahr und Dong wird für einen Moment wieder reaktiviert.
Der Film auch mit als Abschiedswerk, als späte Nachfolge der Eigenkreativität, die zuvor bereits 1997 mit dem Once Upon a Time in China and America den vorläufigen Abschluss fand und seither nur in Zuarbeiten für andere Filmemacher bestand. Hung hatte zwar 2008 das Stemmen von Howling Arrow [ mit Aaron Kwok, Jacky Wu Jing und Ngai Sing ] versucht, wurde aus dem Martial Arts / Wuxia Projekt allerdings nichts. The Bodyguard, der auch unter My Beloved Bodyguard frequentiert, sollte als Abgesang auch weitaus persönlicher gehandhabt sein und gilt abseits der Genregeschichte zwischen Gangsterfilm (mit zweimal flotter Autoverfolgungsjagd und zweimal Nahkampf in Dampfhammer-Mentalität) und Drama auch als private Rückschau, auf einer Metaebene, die allerdings nicht jedem der getreuen Zuschauer passt, zumal das Tempo hier abseits des Finales furioso und seinem hinterlassenen Schlachtfeld mit einem lockeren Dutzend an verdroschenen und vermöbelten Gaunern wirklich der ruhigen Natur ist und die Emotionalität auch mit im Vordergrund steht; was vergleichbar eventuell zum auch nicht allseits geliebten, über die Jahre erst an Zuspruch gewonnenem Actiondrama Heart of Dragon ist.
So wird die Geschichte eines älteren Mannes erzählt, der analog zu seinem Darsteller und Regisseur längst auf der anderen Seite des Bergfestes, auf der Talbahn also angelangt ist und dessen Zeiten früher rosiger waren und auch nicht in Aussicht auf besser, sondern eher noch schlechter als jetzt sind. Der familiäre Kontakt ist nach einer Tragödie abgebrochen, die ehemalige Ehe war nur zum Schein, zudem leidet er an einer stets und unaufhaltsam fortschreitenden hirnorganischen Krankheit, bei der zwar die früheren Erinnerungen zwar noch da, aber eben nicht die besten sind, und jetzige eventuell schöne, wenn denn geschehen, gleich auch wieder vergessen sind. Ein einsames Leben, ein isoliertes, ein eintöniges, in der gleichbleibende alltägliche Gepflogenheiten schon ritualhaft und langsam begangen werden, weil jede Änderung Verwirrung und Desorientiertheit mit sich bringt.
Die Geschichte vom alternden Kung Fu Panda – ein Zitat des Filmes – , die eher besinnlich bis berührend bis traurig, eventuell auch dicker mit dem Pinsel aufgetragen und auch wie seine Hauptperson in der eigenen begrenzten Lokalität gefangen ist. Obwohl mit einem einheimischen Einspiel von ca. 50 Mio USD durchaus (überraschend) gut an den Kinokassen abgeschnitten und auch mit einer Handvoll Stars wie Hu Jun, Eddie Pang, Yuen Wahl, Yuen Qiu, Yuen Bo etc. im kürzesten Cameoauftritt, als Gefallen und Gastspiel versehen, ist das Projekt alles andere als groß und eben privat orientiert, nach innen atmend, intim und vertraulich angelegt. Eine einseitige Romanze von einer ebenso alleinstehenden Frau zu Ding stellt eine Art Wiederholung des Ablaufes dar, ansonsten wird – ausgenommen der daneben her plätschernden Gangstermär und seiner Bedrohung – viel an den Schienensträngen entlang gelaufenen, das gleiche Trio ebenso in den Tag hinein lebender Bekanntschaften [ Tsui Hark, Karl Maka und Dean Shek ] mal gegrüßt, und stellt ein Angelausflug mit der kleinen Freundin schon den Höhepunkt der Gleichförmigkeit dar. Eine Ruhe und Abgeschiedenheit, die die Kamera ab und an mit deftigen Panoramen und durchaus imposanten Luftaufnahmen zu forcieren versucht, aber immer wieder den Weg zurück in dieses verschlafenen Vorort, in die Hütte mit dem Gärtchen und dem Holzzaun davor findet und dort auch hingehört.
Als Co-Produktion zwischen China und HK, mit Leuten von beiden Seiten im Team, und auch beiden Seiten des Publikums im Blick, wird übrigens eine durchaus interessante Mischung aus den jeweiligen Gefälligkeiten fabriziert, wobei der in Blur Motion (ein Unikat und Relikt aus den Neunzigern) gefilmte Höhepunkt lange hinausgezögert wird und in einer zehnminütigen Kampfszene in einer Spielspelunke, gegen heranstürmenden Horden von erst Chinesen und dann ebenso wehrhaften, aber chancenlosen Russen kulminiert.