Abseits der True Justice Serie die insgesamt siebente Zusammenarbeit zwischen Steven Seagal und seinem seit 2009 und The Keeper bevorzugt benutzten Regisseur Keoni Waxman, der sich im Gegenwert dessen auch als zumindest recht verlässlicher Mann für das Grobe und den vergleichsweise gehobenen Anstand auf dem Sektor des preislich überschaubaren Aktionsfilmes erweist. Waxman, der auch regelmäßig die eigenen Arbeiten schreibt, produziert und darüber aktiv kommuniziert, und mit End of a Gun und Contract to Kill auch schon neues Material für noch dieses Jahr in der Pipeline hat, orientiert sich eher an die frühen Neunziger in seinem Quellenverweis, bringt trotz vorhandener Ostblockmentalität eine gewisse Stabilität in das Geschehen und eine zeitlose, d.h. nicht speziell auffallende oder unnötig verspielte Optik in das Szenario hinein. Anders als die jüngsten, Anfang 2016 veröffentlichten Werke mit der 'Mitarbeit' Seagals, die je nach Ansicht mehr oder minder Totalausfall und nur für die ganz eifrigen Sammler, die unabdingbaren Komplettisten notwendig und erwähnenswert sind, stellt sich der 7 Mio. USD teure Killing Salazar als recht brauchbares Material für die Klientel auch abseits der Schönredner dar; was als angenehme Überraschung gelten darf und eine Erleichterung von all der vorangegangenen Qual und der Angst vor Mehr davon ist. [Ironischerweise war ausgerechnet der Film eher ein schnell eingeschobenes Ausweichprodukt und hat zusätzlich aufgrund eines finanziell strauchelnden Distributors Probleme infolge Verzögerung in der internationalen Verbreitung, die bislang erst schleppend mit kleineren Ländern wie Japan, Kuwait und Italien angelaufen ist.]
Bei der Festnahme des Großfürsten der Drogenkriminalität, Joseph 'El Tiburon' Salazar [ Florin Piersic Jr. ], wehrt sich dieser nicht nur heftig gegen die bleihaltige Razzia, sondern wird statt wie geplant nicht lebendig gefasst, sondern in Notwehr von John Harrison [ Steven Seagal ] erschossen. Scheinbar zumindest, soll Salazar doch vielmehr und im Ausgleich zum Schutz von ihm und seiner Familie zum Kronzeugen, vor allem auch gegen die rechte Hand Bruno Sinclaire [ Georges St-Pierre ] gemacht und so als 'Leiche' nur leichter ins Ausland geschmuggelt werden. Doch der Plan scheint zu Scheitern, sieht sich die den Schwerkriminellen im Auftrag von Mike Darol [ Howard Dell ] und in Führung durch Major John "Skony" Skokowski [ Darren E. Scott ] bewachende DEA-Einheit doch plötzlich in einem Bukarester Hotel von bis an die Halskrause bewaffneten Russen überfallen; wobei vor allem der frühzeitig von seiner Gruppe getrennte Neuling Major Tom Jensen [ Luke Goss ] schnell mächtig ins Schwitzen kommt.
Wie neuerdings üblich und angesichts der Masse an Ausstoß an Produktionen sowie dem zunehmenden Alter, Gewicht und Unlust des einstigen Stars auch verständlich, gibt Seagal hier nur den Gimmick für den Notfall, das Gesicht und den Namen für das Marketing und ist so quasi der Spezialeffekt für den Film und so das wichtige Bindeglied. Die Eingangsszene, die erste Erstürmung des Anwesens des Gangster sieht ihn ausnahmsweise gar in Bewegung, als vorpreschendes Mitglied und Anführer der Spezialeinheit, der die gesichtslosen Schufte in Fetzen schießt, durch die Luft wirbeln lässt und die (ein)druck(s)vollen Explosionen wie zu seligen Zeiten anno dunnemals quer durch das einst liebliche Gartengrundstück treibt. Eine applauswürdige Sequenz, die für sich allein schon mehr Wert ist als die letzten drei Filme zusammen, Code of Honor inkludiert, und wahrscheinlich auch teurer umzusetzen war und erstmals wieder den Geist der Leistung atmet, auf die sich einst der Ruhm des mächtigen Aikido-Großmeisters begründete.
Seagal, der auch hier wieder sein patentiertes Wechseln des Schießgewehrs von rechtshändig zu linkshändig mitten in der Ballerei zeigt – zehn Jahre für geübt, und nun bis zur Perfektion beherrscht – , darf anschließend als Lohn dafür bis zum Finale und dem Saves the Day - Auftritt auch wieder Platz nehmen und die Ruhe und Gelassenheit einer Sprechrolle geniessen. Der in Bukarest, mit mancherlei schweren Akzent gedrehte Plot steht zwar nicht still und fängt eigentlich erst richtig an und hat dann auch noch ein paar Haken zu schlagen und einige – jawohl! – (mehr oder minder) interessante Verwirrungen zu stiften, aber wird in einer Art Rückblende mit Gesabbel aufgeklärt, in der Seagal selber lange Zeit den passiven Part des Fragestellers, des Inquisitors mit (weniger) Zuckerbrot und (mehr) Peitsche quasi spielt. Vermummelt in seiner schicken Lederjacke und mit Bart und getönter Brille ausstaffiert, wird nun eine Mischung aus dem Basic und vielleicht noch Safe House, und wie schon bei Maximum Conviction auch ein wenig von Die Hard – der als Genreliebling immer gut kommt und nie verkehrt ist – arrangiert. [Waxman selber spricht vom schauerlichen Smoking' Aces als Inspiration.]
Hinter jeder Lüge eine Wahrheit also, mit vermeintlichen und tatsächlichen Hintermännern, Hintergründen und dem Maulwurf in den eigenen Reihen, für den man aber noch keine Muße hat, weil unablässig die Bedrohung in Form von maskierten Russen mit Kalashnikovs anrennt. Von Drehbuch und Regie ist das so dumm gar nicht angedacht, wenn auch ab und an mal ein wenig lächerlich – die Russen kommen mit dem Reisebus und im Trainingsanzug aufgelaufen, als wenn es auf den Weg nach Sotschi geht – , aber noch stabil in der Spannungskurve gehalten und tatsächlich auch mal mit (gescheit vorbereiteten) Actionszenen per Großkalibern wie der Pumpgun und forschen Nahkampf selber und dann auch häufiger mit dem Blutbeutel und Knochenbrüchen verziert.
So ganz rund ist die Choreographie dessen zwar nicht, bzw. wechselhaft in der Qualität, liegt manchmal doch die Würze in der Kürze und der Brachialität; so wie der Shootout im Hotelzimmer, nachdem eine Gruppe über das Außenfenster eingedrungen sind, oder das schlagfertige erste Aufeinandertreffen im Parkhaus, bei dem vom Motorrad aus attackiert wird. Während die längere Einheit in einem rondellartigen Zwischentreffpunkt eher Masse statt Klasse und etwas ermüdend ist und gerade dort die theoretisch vorhandenen Fähigkeiten der Kombattanten wie des kanadischen Mixed Martial Arts Experten Georges St-Pierre und Karate-Schwarzgurt Darren E. Scott eher gestellt und steif als flüssig und wie seltsam kaschiert wirken.