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Wir schreiben das Jahr 2029. Der Präsident mit dem güldenen Haar hat in seiner Amtszeit das Land in einen Krieg gebracht und einen aseptischen Dunkelstaat verwandelt. Die Nachrichten sind eintönig und auch so leblos in Wortlaut und Ausdruck und Kulisse vorgetragen und nur von der Regierung aus legitimiert. Gleichheit, Gerechtigkeit, Unterhaltungsprogramme existieren offiziell nicht mehr, dafür allseitige Überwachung, die über allseits aufgehängte Monitore und automatisierte Sprechanlagen auch bis in das Wohn- und Schlafzimmer schaut und seine Bürger nicht mehr für mündig hält, sondern permanent ausspioniert. Steven Seagal gibt es immer noch, rechts der Mitte, führt derzeit als "The Director" die Belange und wacht über seine Schäfchen wie der strenge Buddha, als Ikone, nur dass er keinerlei Widersprüche duldet, keine Diskussion und keine andere als seine Meinung oder gar eine Auflehnung ihm gegenüber und gegen das System akzeptiert.

So schaut die Ausgangslange in The Perfect Weapon aus, einer der vielen Ausflüge von Seagal in die direct to Video Niederungen, diesmal wieder als Verkaufsargument, nicht als tatsächlicher Hauptdarsteller, dafür diesmal in einem Genre, welches bis dato nur von Attack Force (2006) sowie Against the Dark (2009) frequentiert wurde und von Cyborg Nemesis: The Dark Rift angekündigt, und demnach eher selten für seine Belange und deswegen schon wieder interessant, trotz des Überdrusses an minderwertigen Prozedere 2016 ist. Die sechste Produktion mittlerweile innerhalb weniger Monate insgesamt, darunter viel Preis- und viel Vergessenswertes, worunter nun, man muss es leider sagen, letztlich auch dieses Werk mit seinen Reinheitsfantasien gehört:

Amerika in naher Zukunft. Das Land wird vom "The Director" [ Steven Seagal ] geführt, beherrscht und ausspioniert. Jegliche illegale Aktivitäten sind ebenso Tabu wie offene oder versteckte Allianzen gegen den Staat, zu dessen Durchsetzung man programmierbare Assassinen wie Axon [ Johnny Messner ], Spitzname "Condor" mit speziellen Tötungsaufträgen und löschbaren Gedächtnis und Willen rekrutiert. Als Axon bei einem dieser Attentate gegen einen Verschwörer eine Zeugin leben lässt, weil diese ihm bekannt vorkommt und an seine verstorbene große Liebe erinnert, bringt ihn sein Führungsoffizier "Controller" [ Richard Tyson ] gegen seinen Willen zurück ins Lager, um dort erneut das Gehirn zu überschreiben. Doch Axon gelingt die Flucht, und trifft er dabei tatsächlich auf Nina [ Sasha Jackson ], was ihn alsbald zum Anführer einer Rebellengruppe gegen "The Director" und interessant für dessen Schutztruppen und den Folterknecht "The Interrogator" [ Vernon Wells ] werden lässt.

Der Blick in die Zukunft dabei als gesellschaftliche 30er Jahre Utopie, als abschreckende Dystopie, in der keine Sonne mehr scheint und keine richtige wuselnde, soziale, miteinander kommunizierende und interagierende Bevölkerung mehr anwesend, kein Mensch mehr am Lächeln, ja eigentlich zu überhaupt keiner richtigen Gefühlsregung mehr in der Lage zu ist. Eine Mischung aus dem 1984, der seit jeher als Inspiration für derlei stetige Observation und mangelnde Privatsphäre genommen wird, und dem Equilibrium, die der Regisseur wohl gesehen hat und nacheifern möchte und auch noch dem Hitman, was als Ausgangslage für das Schauspiel vom eigentlichen Hauptdarsteller Johnny Messner sein mag und in seinem Stoismus versuchter Eigenhärte mit ein Grund für ein wenig Lächeln beim Zuschauer wenigstens ist.

Denn albern wirkt das Ganze hier schon, leider aber auch gleichzeitig dumpf, und steif, und vollkommen unterkühlt, und leer in versuchten Aussagen, die kein Inhalt haben und kein Ziel. Großes will gewollt werden und wenig bis gar nichts davon nur erreicht, man schaut quasi einem Drehteam bei Versuch und Irrtum zu, beim Versagen, was ja ab und an mal lustig sein kein, hier aber dafür zu gewalttätig mit seinen explodierenden Köpfen, der Glasscherbe im Auge und auch einmal den Schlagstock längs durch den Kopf gerammt ist. Zu düster das Geschehen auch mit seinen Läufen durch die Peripherie, die eintönigen Treppenhäuser, dem Verstecken in der Lagerhalle und den spartanischen Hinterzimmern, in denen keine Freude an dem Gezeigten aufkommen will, sondern nur etwas Abscheu und etwas Langeweile und noch ein bisschen Verdruss.

Bemüht wird sich, ja, zugegeben, hier und da etwas mit der Kamera und den Geschwindigkeiten gespielt, der Blaufilter und die Zeitlupe über die Bilder gelegt und ganz zu Beginn ein legal geduldeter Vergnügungsschauplatz eingerichtet, der zwischen Rokoko und Kabuki und Kokolores pendelt, nur ebenso wie der Film Drumherum nicht richtig Fisch und auch nicht richtig Fleisch ist. Bei Kämpfen wie dem im Toilettenhäuschen geht zwar auch Einiges zu Bruch und bewegen sich die Kombattanten eifrig durch die Szenerie, ruckelt die Kamera aber nebenher ebenso fleißig und uninspiriert mit.

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