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iHaveCNit: Ein ganzes halbes Jahr (2016)

Der wunderbare, auf wahren Begebenheiten fußende, französische Film „Ziemlich beste Freunde“ war mit einer Verweildauer von über ca. einem halben Jahr in den Kinos und einer Nachfrage in den Lichtspielhäusern selbst zur Zeit der Heimkinoveröffentlichung der große Überraschungserfolg aus dem Jahre 2012. Im selben Jahr kommt von Jojo Moyes der ähnlich gelagerte Roman „Me Before You“ raus, den ich jedoch nicht gelesen habe. Dieser Roman wurde dann auch verfilmt, kam am 23.06.2016 in die deutschen Kinos und durch Interesse am Film im privaten Umfeld bin ich nun auch in den Genuss des Films „Ein ganzes halbes Jahr“ gekommen. Der Film kann bis auf ein paar Unterschiede nicht den Eindruck abschütteln, Ähnlichkeiten zum französischen Vorbild zu haben.

Es geht hier um den jungen und erfolgreichen William Traynor, der nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt ist. Als eine neue Pflegekraft für Will eingestellt werden soll, bewirbt sich die gerade arbeitslos gewordene, bürgerlich lebende Louisa Clarke um den Job und bekommt ihn prompt mit einer Befristung von einem halben Jahr. Trotz enormer Unterschiede finden beide einen gemeinsamen Draht, der zu zerreißen droht, als ernste Konsequenzen folgen sollen.

Im Gegensatz zum französischen Original wird die Handlung von Paris in die britische Provinz verlegt und der in gewisser Art und Weise vorliegende französische Gesellschaftskonflikt wird gegen den klassischen Klassenkonflikt eingetauscht. Die beiden Hauptfiguren im Film werden von den jungen britischen Darstellern Sam Claflin und Emilia Clarke gespielt, die im Film eine unglaubliche Chemie miteinander haben. Vor allem die charmante, aber auch naive Art von Clarke ist extrem positiv ansteckend und das Schauspiel ist über jeden Zweifel erhaben. Die Entwicklung des Films mit der langsam wachsenden Zuneigung zwischen Will und Louisa ist ebenfalls ein Kernpunkt des Films und hält den ganzen roten Faden zusammen. Wieder einen Sinn oder eine Aufgabe im Leben zu finden kann eine der Kernaussagen des Films sein, genauso wie die Frage, was Pflege eines Pflegebedürftigen für Angehörige und Pfleger bedeutet. Darüber hinaus kratzt der Film auch an dem interessanten und wichtigen Thema der Sterbehilfe, die auch die emotionale Falltiefe des Films darstellt. Die Dialoge des Films und die gezeigten Situationen jedoch haben stellenweise eine Spur von unfreiwilliger Komik zu viel, um das ernste Thema auch mit dem zu 100 % notwendigen Respekt und Ernsthaftigkeit zu zeigen.

Aber ansonsten funktioniert der Film prima – auch als massentaugliches und unterhaltsames Werk.

„Ein ganzes halbes Jahr“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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