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Fotos können große Geschichten erzählen, die über den reinen Bildinhalt hinausgehen. Als Joe Rosenthal am 23. Februar 1945 sechs Soldaten dabei fotografierte, wie sie auf Iwojima eine amerikanische Flagge hissten, konnte er nicht ahnen, welche Symbolkraft seine Fotografie erringen würde. Clint Eastwood arbeitete die Umstände der Entstehung des Bildes sowie die zugehörige Schlacht mit „Flags Of Our Fathers“ und „Letters From Iwo Jima“ auf.

Nicht ganz so bekannt, aber dennoch eine Betrachtung wert ist ein Foto, das am 21. Dezember 1970 im Oval Office entstand. Darauf schüttelt der damalige US-Präsident Richard Nixon dem seinerzeit größten Rockstar der Erde, Elvis Presley, die Hände – eine absurd erscheinende Paarung, deren Zusammenkunft dieser Film zu rekonstruieren versucht.

Weil aus der Vorlage kein historisch bedeutsames Ereignis herauszuarbeiten ist, darf man handlungsbezogen 85 Minuten voller Nichtigkeiten erwarten, die grundsätzlich ins Leere laufen. Im Ziel wartet nicht etwa eine Heldensage oder ein außergewöhnliches geschichtliches Ereignis, sondern einfach nur ein Foto, wie es für hohen Besuch im Weißen Haus üblich ist. Regisseurin Liza Johnson hat mit Kevin Spacey und Michael Shannon zwei Schauspiel-Schwergewichte zu versorgen; die Qualität ihrer Arbeit hängt entscheidend vom Zusammenspiel der Beiden ab. Shannon nimmt figurenbedingt das Heft in die Hand. Die Exzentrik Presleys hat schon zu den absurdesten Abenteuern geführt („Bubba Ho-Tep“) und dieses hier liest sich gar nicht einmal weniger absurd: Der Rockstar will seinem Land etwas zurückgeben und bittet beim Präsidenten um Audienz in der Absicht, einen Status als Sonderagent der Regierung zu bekommen.

Wie es trotz dieser absonderlichen Bitte dennoch zu dem Treffen kommen konnte, wird in einer Kette verrückter Entscheidungsbäume auf Regierungsebene gezeigt, die den trockenen Humor zur Folge hat, den man bei der Synopsis dieses Films hat erwarten können. Shannon, der nicht einmal unbedingt wie Presley aussieht, entwirft ein durchaus interessantes Portrait, das über die kultivierten Zerrbilder seiner unsterblichen Armee von Kopisten hinaus geht, auch wenn es die Ich-bin-mehr-als-nur-der-King-Nummer etwas zu plump vermittelt. Entsprechend schwachbrüstig wirken fast alle Szenen, die er gemeinsam mit Alex Pettyfer oder Johnny Knoxville zu bestreiten hat.

Erst als er mit seinem eigentlichen Co-Star zusammengeworfen wird, beginnt die etwas krude Grundidee zu wirken. Spacey ist vorzüglich als Nixon, hat von der Körperhaltung bis zur knautschigen Mimik alle Finten drauf. Obgleich er der passive Part ist, wirkt sich seine Beteiligung automatisch extrem positiv auf Shannons Leistung aus. Die Unterschiedlichkeit der Charaktere wird zur Lunte für den Spannungsanteil, der von Drehbuch wegen eigentlich gar nicht da sein sollte – eine Schüssel mit Smarties oder ein Autogrammwunsch können da zu Auslösern für unausgesprochene Machtspiele zwischen Männern werden, die alles trennt und nur ihre Berühmtheit eint.

Bei den intimen Momenten Presleys hat man versäumt, mehr Tiefe einzubringen, doch das den unspektakulären Umständen entsprechend trockene Treffen zwischen Präsident und Rockstar hat unbestreitbar seinen Reiz, auch wenn der Abspann allen Vorwarnungen zum Trotz in Ratlosigkeit zurücklässt: Was war das denn gerade?

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