„Hard Proof“ ist der traurige Versuch mal einen dramatischeren, anspruchsvolleren Film im Actiongenre zu drehen.
Jesse Page (Marc Dacascos), genannt Lucky Boy, wird aus dem Knast entlassen und kommt bei seinem Freund Larry Story (Jaimz Woolvett) und dessen Kiffer-WG voller Kleingangster unter. Hier turnen dann auch die Klischeefreaks schlechthin rum vom Brutalo bis zur C-Movie-Queen (passenderweise auch von Traci Lords dargestellt) herum. Wer hier schon ein wenig an dem Team zweifelt, der wird auch damit konfrontiert, dass Jesse und Larry ein schwules Pärchen sind (es mag ein Klischee sein, aber ein schwuler Actionheld passt meines Erachtens nicht ins Genre).
Weiter geht’s nach ein paar belanglosen Dialogen in einen Rockclub, in dem eine angesagte Band spielt. Weil der drogensüchtige Drummer zusammenbricht, wird ein Ersatz im Publikum gesucht und Jesse (oh, was für ein Zufall) hat in der Gefängnisband Schlagzeug gespielt und kennt auch noch die meisten Stücke der Band. Dafür wird ihm angeboten, fest mit der Band zu touren. Diese peinliche Trash-Version des American Dream ist ja schon peinlich genug, aber es wird noch schlimmer.
Natürlich zieht Larry ausgerechnet in dieser Nacht einen Drogendeal an Land, bei dem Jesse den Leibwächter für ihn und einige seiner Hirnie-Kumpel spielen soll. Geht natürlich schief und Jesse legt in Notwehr die Käufer um, die ihrerseits ihnen ans Leder wollen. Mit Larry macht er sich auf die Flucht, weil das Ganze nach einem geplanten Anschlag auf Larrys Leben aussieht.
Wer jetzt erwartet, nach dem langweiligen Start münde „Hard Proof“ in einen rasanten Actioner, der hat sich geschnitten. Stattdessen wird ewig und drei Tage gelabert, wobei während der inhaltslosen Dialoge null Spannung und Interesse aufkommt. Auch die Versuche des Drehbuchs mal besonders ausgeflippt und mal besonders dramatisch zu sein, sind an sich nur lächerlich. Die meisten Szenen sind quälend langatmig und uninteressant. Auch die Wendungen der Story sind eher mäßig.
Mit Action ist auch nix, abgesehen von dem kurzen Finale, in dem Dacascos wenigstens ein bisschen kloppen darf und ein, zwei winzigen Actionstückchen vorher im Film. Zudem sind die wenigen Szenen uninteressant und unspektakulär, weshalb sie kaum jemandem vom Hocker reißen sollten. Warum das Ganze dann noch ab 18 freigegeben wurde, bleibt schleierhaft, denn „Anna und der König“ ist beinahe noch härter als diese belanglose Filmchen.
Marc Dacascos wirkt mit der ungewohnten Schwulenrolle etwas überfordert und versteckt sich zudem hinter einem total lächerlichen Bärtchen (vielleicht auch ein missglückter Versuch unerkannt zu bleiben). Die restlichen Darsteller können auch nicht besonders überzeugen, weshalb alle Ansätze von Dramatik im Keim ersticken.
Abgesehen von wenigen, etwas besseren Szenen ist „Hard Proof“ einfach nur belangloser Murks, den man ganz schnell vergessen sollte, da er einfach nur langweilig ist.