Auf dem Papier klingt so manche Geschichte ansprechend, weshalb es in Hollywood eine so genannte Blacklist gibt, die noch nicht umgesetzte Drehbücher mit Erfolgspotential beinhaltet.
Das Drehbuch von Christina Hodson war 2013 darunter, was nach Sichtung des Streifens zwei Schlüsse zulässt: TV-Regisseur Farren Blackburn konnte es nicht adäquat umsetzen oder das Skript taugt in Wahrheit nicht viel.
Seit einem verheerenden Autounfall, der ihrem Mann das Leben kostete, kümmert sich Kinderpsychologin Mary (Naomi Watts) um ihren Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton), der seither vom Hals abwärts gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann. Eines Tages verschwindet ihr neunjähriger Patient Tom (Jacob Tremblay) spurlos, kurz danach mehren sich in dem einsam gelegenen Landhaus mysteriöse Geräusche…
Das erste Drittel gestaltet sich als Drama mit den Schwerpunktthemen Verlustangst, Schuldgefühle, Selbstzweifel und Verantwortung. Das einsam gelegene Haus schürt eine Stimmung der Isolation und unterstreicht Marys Aufopferung, sich tagtäglich um den schwerstbehinderten Sprössling zu kümmern, - da vermag ihr Kollege Dr. Wilson (Oliver Platt) via Skype nur bedingt zu helfen.
Innerhalb dieses von Emotionen geprägten Geschehens gesellen sich zunehmend kleine Jump Scares, welche ohne jede Wirkung verpuffen und recht beliebig eingestreut werden. Es mehren sich Alpträume und Visionen und auf Dauer wirkt die Chose arg zusammengeschustert und von vielen Vorbildern abgekupfert, es fehlen allerdings markante Merkmale, die eine gewisse Eigenständigkeit untermauern, während die Handlung ein ums andere Mal auf der Stelle tritt.
Dann erfolgt ein Break und eine Gradwanderung zum Thriller. Wendungen sind grundlegend gerne gesehen, doch wenn diese derart haarsträubend daherkommen, ist es mit der Glaubwürdigkeit gänzlich dahin. Im letzten Drittel wird zwar das Tempo merklich angezogen, doch einige hanebüchene Verhaltensweisen der Protagonisten geben wahrlich zu denken.
Dabei ist die Besetzung großartig. Watts performt zwar eher zurückhaltend, doch das lässt ihre Figur in den stillen Momenten umso stärker erscheinen. Platt und Tremblay wirken demgegenüber ein wenig unterfordert, wogegen Heaton einen soliden Job erledigt.
Ansonsten ist handwerklich nicht viel anzukreiden, die Inszenierung ist eher schnörkellos, der Score zuweilen etwas drüber und auch die Sounduntermalung packt in einigen Momenten den akustischen Holzhammer raus.
Das erste Drittel ist stark, weil glaubhaft in Szene gesetzt und gekonnt auf die Figuren konzentriert. Danach geht es häppchenweise bergab, bis das letzte Drittel im Gewand eines konventionellen Thrillers rein gar nichts mehr reißt. Diese so genannte Blacklist sollte ab und an überarbeitet werden…
Knapp
4 von 10