Review

Schnelles Sequel zum vorjährigen The Gigolo (2015), der allein auf weiter Flur als Vertreter des ausgestorben gedachten adult - Genres nicht nur an den Kinokassen überraschend gut, sondern auch mit soweit ordentlichen Kritiken und verdientermaßen Zuspruch lief. Warum der damalige Co-Autor und Regisseur Amen Au nun ausgetauscht wurde, und der allgemeine Ton des Geschehens leicht verändert, bleibt dabei ein Rätsel für sich. Aus der damals wesentlich auch durch die (beabsichtigten) Diskrepanzen zwischen ehrlichen Drama, einer Aufstiegsgeschichte, einer Hommage, einer Satire und einigen eindeutigen und zweideutigen Szenen wurde hier vor allem der Mittelteil der Unterhaltsamkeit herausgenommen und der Anfang und das Ende wesentlich abgeschwächt:

Der ehemalige Gigolo Fung Ho [ Dominic Ho ] hat sich nach seinen erfolgreichen Beutezügen durch die Frauenwelt und der Starthilfe seiner Exfreundin mit einem guten Polster aus dem Geschäft zurückziehen können, leitet jetzt den Nachtclub "High X" und kümmert sich dort eher um den Nachwuchs wie Dick [ Alex Lam ]. Nur noch selten und dann eher als Lehrmeister nimmt er noch Aufträge an, wobei ihn der erste an eine sexuell verklemmte und auch sonst hoch zugeknöpfte Anwältin namens Isabel [ Leslie Lam ] führt, die für die bevorstehende Hochzeitsnacht mit ihrem Mann üben und sich frei machen will. Und die zweite Anfrage kommt von den Gelegenheitsschauspielerin und hauptsächliche Statistin Monica [ Connie Man ], die von ihrer Freundin Sushi [ Iris Chung ] und der Mama-san Yitung [ Teresa Mak ] in die edle Hostessszene des schwerreichen Lebemanns Big Dog [ Tony Ho ] und soener Gefährten wie Master Long [ Samuel Leung ] eingeführt wurde, und nach der Trennung von ihrem Freund Stephen auch dringend Geld benötigt. Aber viel zu schüchtern und unerfahren für die Angelegenheit ist. Fung Ho kümmert sich um die Damen, muss aber bald feststellen, dass die körperliche Beziehung auch schnell zu Gefühlen, auf allen Seiten führt.

"Yes, it's me again. Fung Ho." stellt sich der Hauptdarsteller, die Titelfigur gleich zu Beginn dem wartenden und darbenden Publikum vor. Das Wiedersehen mit den ehemaligen King of Gigolos, der heute noch von dem Ruhm, nicht mehr wirklich von dem Gewerbe lebt, macht dabei erstmal durchaus Freude; was an der Sympathie des Darstellers und der Personifikation fern von Hochnäsigkeit oder negativ wirkenden Selbstbewusstsein liegt. Der Gigolo, der keiner mehr, sondern eher der Lehrmeister für die frigiden Frauen, der Sifu quasi ist, bleibt hier auch noch die Nummer Eins des Geschehens, wird in der Aufmerksamkeit in der Erzählung vom bezahlten Fleischmarkt durch eine neue Anwärterin auf das horizontale Gewerbe und ihrer Vorgeschichte dabei auch ein wenig an den Rand gedrängt und zeitweise in den Szenen abgelöst.

Das ist nicht das Problem, was den Film insgesamt schwächer als den Vorgänger dastehen und nur wenig die Hoffnung auf eine Fortsetzung oder Weiteres in der Art des Genres glimmen lässt. Der neue Regisseur, Venus Keung, ein ehemaliger Kameramann, der eingangs seiner Karriere auch eher die niederen Arbeiten wie bspw. Rape in Public Sea (1993), Girls Unbutton (1994) oder Seven Sexual Maniacs (1994) fotographierte, sollte eigentliche keine Scheu vor Nacktheit oder andere Offensivität haben, hält sich hier aber seltsam desinteressiert daran und auch ansonsten bedeckt. Für eine Category III Ausgabe – dessen 'Gütesiegel' man wohl durch plötzliche und sehr unstimmig scheinende Gewaltausbrüche kurz vor Schluss erlangt – ist das Blickfeld zumeist nur mit Mädels in Straps und Bikini zwar bevölkert, alles andere aber verschämt abgedeckt, zeigt man quasi Alles und gleichzeitig Nichts, und ist man selbst in den Andeutungen weniger direkt als noch beim Erstling geschehen. Oftmals bekommt man nur die Trainingsvariante des eigentlichen Aktes geboten, quasi die Trockenübung, in der mit der Zigarre und den beiden Walnüssen als Symbol des männlichen Gliedes hantiert wird und das tatsächliche Organ oder auch der pink pleasure p(a)lace natürlich nicht zu sehen ist.

Da ist mal die Bettdecke davor, oder noch die Kleidung an sich, darf man sich dafür die einheimische Ausgabe vom Restaurant - Gag aus When Harry meets Sally (1989) noch einmal und in genau der gleichen Ausführung geben. The Gigolo hatte auch seine Popzitate, waren die allerdings vergnügt und vergnüglich und bezogen sich auf die eigene Gigolo - Geschichte; ein damals gar populär besetztes und gestemmtes Subgenre des frühen HK-Kinos um 1990 bis vielleicht 1993, von dessen dortiger Rückbesinnung hier nicht mehr viel zu spüren ist. Außerdem fehlen die Gags, wird hier eher eine erwachsene, aber dafür auch etwas inhaltsleere Geschichte von der unmöglichen Liebe und dem Widerspruch von Geld und Gefühlen, von beruflich und privat erzählt. Gut aussehen tut das Werk dabei, wird auch mit Luxus wie Yachten, Sportwagen oder der edlen Villa draußen am Sheung Sze Wan, Clear Water Bay, New Territories um sich geworfen und die Produktion nicht zaghaft oder übersparsam mit Geld ausstaffiert. Auf seine Weise interessant ist auch der Werdegang der Monica, die als Komparsin an einem Filmset sich anfangs dort öfters aufhält und in Gesprächen und Choreographie mit dem dortigen Action Director der period piece Martial Arts Serie oder in Drehdisputen mit der arroganten Hauptdarstellerin der (inoffiziellen, nicht angemeldeten) Fernseharbeit verstrickt ist.

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