Review
von Leimbacher-Mario
Infantile Wut-Therapie
Wenn man überlegt, dass eine App wie "Angry Birds" einen vollwertigen Kinofilm gebärt oder mittlerweile sogar Tetris- & Candy Crush-Filme in der Mache sind, dann kann einem zu Recht mulmig werden. Wo bleibt die Innovation, wo bleiben neue Ideen & warum muss man jeden Scheiss in einen Film packen? Daher war ich extrem skeptisch auf den Film zum Spiel über die fliegenden, wütenden Vögel, ließ ihn im Kino erstmal links liegen & holte ihn nun erst auf Ultra HD-BR zu Hause in bestmöglicher Qualität & Farbenpracht nach. Selbst ein Lego-Movie als Paradebeispiel, wie Kinderspielzeug erwachsengerecht in einen Film gequetscht werden konnte & scheinbar Unmögliches möglich wurde, ließ meine Zweifel nicht kleiner werden. Und, ist der Film über die Insel von explosiven Vögeln, die es mit aufdringlichen grünen Schweinen zu tun bekommen denn nun so mies wie meine Alpträume ihn sich ausmalten?
Nein! Muss man ganz klar so festhalten. Es ist keiner der besten Animationsfilme des Jahres & zum Teil doch sehr kindlich, flach & lebsch - doch viel schlechter als die Minions ist das vielseitige Federvieh mit Aggressionsproblemen sicher nicht. Und die wurden immerhin zu einem Milliardenerfolg - was natürlich auch nicht gerade für die Zukunft der Menscheit spricht. Ich mag die Birds sogar mehr & hatte meinen Spaß mit der actionreichen Sause um Katapulte, Eier & ganz viel kanalisierter Wut. Ein weiterer Pluspunkt: die deutsche Synchro rund um Christoph Maria Herbst steht dem Original kaum nach & ist vollkommen empfehlenswert. Das ist weiß Gott nicht bei jedem Animationsfilm so, denn nicht selten sind uns da die Amis bzw. der Originalton meilenweit voraus. Hier ist das anders & zusammen mit einer optisch extrem farbenfrohen, schicken Umsetzung (nicht ganz auf Pixar-/Disney-Niveau), gibt es für die Sinnesorgane genug zum Klatschen, Staunen & Eintauchen.
Die Geschichte um einen verkannten Helden & das Finden der inneren Mitte & Freundlichkeit, ist eher Mittel zum Zweck & zur nächsten Actionszene oder Flachwitz. Doch auf der Insel der naiven Vögel, gibt es genug Charaktere, die die fade Story mit Witz & Sympathie füllen. Sei es der Riese Terrence mit dem Herz aus Gold oder der blitzschnelle Chuck, der dem X-Men QuickSilver beeindruckend seine Referenz erweist, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Witze, ob Slapstick, kindisch oder meta, kommen eigentlich im Dauerfeuer & daher treffen auch Einige ins Schwarze - die prozentuale Ausbeute lassen wir aber besser unausgewertet. Eher mau fielen die uninspiriert eingefügten Popsongs auf, wohingegen das Finale ganz im Stil des Spiels, einige innovative Actionminuten bietet. Es hätte also weitaus schlechter kommen können, fast schon müssen... denn wer hätte gedacht, dass die bombigen App-Paradiesvögel, vor allem Kinder so gepflegt unterhalten. Und wer etwas Kind geblieben ist, hat daher gute Karten.
Fazit: die spaßigeren Minions? Der Film zur App ist weitaus besser, als er eigentlich das Recht hat, jedoch kein zweiter Lego-Film. Trotzdem ein fetziger Spaß für die ganze Familie, bei geringen Ansprüchen.