Ein "Alle Jahre wieder", nur diesmal unter anderen Voraussetzungen, in dem Regisseur und Autor Vincent Kok nicht wie üblich die Romantische Neujahrskomödie für Raymond Wong und dessen Pegasus Motion Pictures fabriziert, sondern sich losgelöst von diesem in eigenen Gehversuchen bemüht. Eine Rückkehr zur früheren Unabhängigkeit, die prompt bessere Ergebnisse als diese allseits harmlosen, zutiefst auf Familienfreundlichkeit und Weltfremdheit abgestimmten Erzeugnisse der Marke Love Is ... Pyjamas (2012), Hotel Deluxe (2013) und Hello Babies (2014), allesamt Nachfolger der ursprünglichen All's Well Ends Well - Reihe ergibt:
Auf einer abgeschiedenen Fischerinsel agiert sich der Dorfbürgermeister Bing [ Ronald Cheng ] wie ein kleiner Diktator, in dem er sich gegen Bezahlung von anderen Leuten sagen lässt, wie gut er aussieht und sich gegenüber den Niedergestellten auch entsprechend herablassend benimmt. Eine Frau hat er mit dem Verhalten noch nicht gefunden, was zu ausgiebigen Sessions vor dem heimischen Fernseher, entweder bei amerikanischen Serien zum Studieren des Verhaltens von 'bösen Menschen' oder gerne auch zum Entspannen bei 3D Pornografie führt. Seine Stiefmutter [ Candice Yu ] hätte zwar gerne ein Enkelkind, aber die lokale 'Schönheit' Ying [ Ella Koon ] ist weniger der Geschmack von Bing. Eines Tages trifft er aber die junge Jane [ Maggie Jiang ], eine angehende Schriftstellerin, die derzeit nicht nur abgebrannt ist, sondern auch so scheinbar jede Hilfe benötigt. Leider muss er sich die Aufmerksamkeit mit Charlie [ Francis Ng ] teilen; ein Gleichaltriger, der mithilfe einer vorgetäuschten ALS-Erkrankung zusammen mit seinem gleichsam schmarotzenden Lehrling Chi Wai [ Babyjohn Choi ] eine Tierauffangstation betreibt, die Hunde allerdings selber ihren Besitzern stibitzt, so gar kein Herz für Tiere hat und auch nur an das schnelle Geld, unter anderem bei der reich ausstaffierten Jane denkt. Nach einem Doppeldate der beiden Herrschaften eröffnet diese am nächsten Morgen, dass sie schwanger sei. Was schon stimmt, aber keiner der Beiden der Vater, eine sexuelle Affäre mit Ihnen nur vorgetäuscht und eigentlich der schwerreiche Master Steve [ Derek Tsang ] der Erzeuger ist.
Auch gezeigt in China anlässlich der Festivalität, wobei der Film dort allerdings vor allem auch angesichts der landeseigenen Konkurrenz in Sachen lautstarker Comedy und dann natürlich gegenüber der millionenschweren Blockbuster-Veranstaltungen eher unterging (Einspiel leicht über 4 Mio. USD, also nichts), überrascht man hier vor allem durch den Ton der Aussagen, die gerade zu Beginn alles Andere als politisch korrekt ist. Zwar wird später noch die Kurve in Sachen Menschlichkeit gekriegt, bezieht sich aber der Anfang des Filmes, die Prämisse und die komplette erste Hälfte auf eine üble Diskrepanz im menschlichen Verhalten, in der jegliches an Empathie, Skrupel und solche Dinge wie Moral und Anstand vollkommen fehlen. Einem kleinen Kind wird das Hündchen geklaut und dies wiederum als Einnahmequelle von besorgten Charitydamen genutzt, ein anderer Hund wird gegen Entgelt in Pflege genommen, aber prompt zur bezahlten Deckung und unfreiwillig auch für eine Schwangerschaft genutzt. Tierfutter wird mit Dreck vermischt, um als rentabel weiter verkaufen zu können und auch direkt auf Krankheiten spekuliert, um anschließend Medizin an den Mann bzw. die Frau zu bringen.
Eine böse Saat, die hier anfangs gestreut wird: wobei das Vortäuschen der Behinderung zum Ausnutzen von Mitleidsgesten noch den großen Rahmen der Erzählung und entsprechend dessen auch der Anhaltspunkt für folgerechte Witze auf Kosten der Beteiligten ist. Der andere Mann im Dorf, der Chief, ist nicht viel besser, aber legt eine widersprechende Masche an den Tag, die in seiner Dargestaltung mit dem Zeigen von Geld und Macht und der Zwei-Klassen-Gesellschaft nun so ungewöhnlich nicht ist. Dennoch haben sich hier zwei gefunden, und sind sie auch bald zu Dritt; denn die Frau im Bunde ist trotz ihres Aussehens alles andere als harmlos und beherrscht das Spiel nicht nur, sondern bestimmt es auch mit.
Der Clou an der Geschichte, die später irgendwann dann auch die Wendung zur vielleicht Romantischen Komödie, jetzt nicht vom Gefühl her, aber von den Eigenschaften des Genres nimmt, ist dabei der Counterpart der Dame, die gegenüber den beiden Halunken nicht nur gleichwertig, sondern eigentlich auch im Vorteil ist. Sie weiß um ihre Anziehungskraft und hat dadurch eigentlich schon gewonnen, kann sie doch gleich mehrfach mit den Waffen der Frauen, dem lockenden Sexappeal, oder als die Unschuld vom Lande, oder das hilflose Wesen und so mit den Männern um sich herum in allen Belangen spielen. Regisseur Kok inszeniert dies diesmal mit leichterer Hand als die letzten Jahre gewohnt, in dem alles Gezeigte auf der Leinwand nur bunt und oberflächlich und anstrengend in seiner bemühten Heiterkeit und dem Heischen nach dem kleinsten Applaus waren. Dort auch immer mit Massenbesetzung versehen, verlegt man sich hier eher auf ein Drei-Personen-Stück, in dem Jeder auch nur wenig Kontakt zur Außenwelt hat, und der Aufbau der Szenen trotz auch viel Lautmalerei, viel Farbenkraft und exaltierter Mimik und Gestik dennoch angenehmer zu goutieren und nicht so nervenzerfetzend ist.
Die dargereichten Gags dabei gerne mal unter der Gürtellinie, sprachlich und auch von den Bildern her ein wenig offensiv bis derbe und auch mal vulgär, wird sich aber über die Schwächen der beiden Rumtreibenden und ihrem albernen Gockelverhalten und so auch an die richtige Adresse amüsiert. Da werden die Hosen sprichwörtlich heruntergelassen, was hier und da auch zu seinem beabsichtigten Ziel der Volksbelustigung, und dies beinahe wie zu den früheren Tagen von Dragon Loaded 2003 (2003), Super Model (2004) und Dragon Reloaded (2005) führt. Hinzu kommt eine wunderschöne Landschaft voll grüner Wiesen, blauen Wasser und gelben Strand, von dessen urlaubsreifer Verzückung man allerdings zu wenig sieht, einige Gastauftritte von Semiprominenz wie Sam Lee, Cheung Tat-ming, Lam Tz-chung, Chrissie Chau, Josie Ho, Tam Bing-man, Ken Lo, Tenky Tin usw. und aufgrund der nahezu kompletten Teilhabe von kantonesischen Filmleuten auch zu einem mittlerweile eher seltenen Gefühl, dem der blütenreinen HK-Komödie eben entspricht.