Review

Die Grundidee dürfte frustrierten Pädagogen durchaus entgegenkommen, denn hier wird eine recht spezielle Form von Privatunterricht gegeben, bei der kein Auge, oder zumindest kaum ein Körperteil trocken bleibt. In der Ausführung gelingt es Autorin und Regisseurin Ruth Platt jedoch nicht, den Stoff angemessen spannend und mit Tiefgang auszuarbeiten.

Der 16jährige Fin (Evan Bendall) und sein Kumpel Joel (Rory Coltart) haben mit dem trockenen pädagogischen Vorgehensweisen ihres Lehrers Mr. Gale (Robert Hands) wenig am Hut und schikanieren diesen ungeniert während des Unterrichts. Da brennen Gale die Sicherungen durch und er entführt die Jungs, um im Keller seines Hauses neue Lehrmethoden auszutesten…

Die erste halbe Stunde präsentiert uns Platt ein Jugenddrama mit Brennpunkt sozial benachteiligter Schüler in Großbritannien. Mangelnde Perspektiven, kaum Freunde, fehlende soziale Vorbilder und eine entsprechend nahezu ausbleibende Erziehung. Das daraus viel Frust resultiert und sich beispielsweise an unschuldigen Fahrrädern entlädt, ist durchaus nachvollziehbar, während die Situation des Lehrers anhand einer aussagekräftigen Beispielsituation veranschaulicht wird. Immerhin Ansätze einer vagen Gesellschaftskritik, besonders hinsichtlich des britischen Bildungssystems.

Dann schlägt der Stoff die Folterrichtung ein, welche weitaus effektiver wäre, wenn Gale nicht endlose Vorträge über Literatur, Sozialstudien und Philosophien halten würde. Dazwischen müssen Begriffe im Lexikon aufgeschlagen werden, wofür jeweils nur zehn Sekunden Zeit bleibt, denn ansonsten landet ein Nagel in der bereits mit Kabelbinder fixierten Hand. Auch hier finden sich Ansätze zum Mitfiebern, doch obgleich der Pädagoge unter anderem über Empathie referiert, will sich solche beim Zuschauer kaum einstellen.

Zudem stören etliche fragmentartige Schwarzweiß-Rückblicke den Fluss und auch die Einschübe eines potenziellen Love Interests in einer Parallelhandlung nehmen stets Drive heraus. Zudem bringen jene Flashbacks keine neuen Erkenntnisse über die Kindheit der Schüler, die nicht bereits hinlänglich ausformuliert wurden.
Für Gorehounds dürfte das Treiben indes kaum Abwechslung bieten, denn über die Anwendung von Hammer und Nagel, wahlweise Nagelpistole kommt das leidlich blutige Treiben kaum hinaus. Zwar hält die Kamera ab und an direkt drauf, doch dadurch offenbart sie zugleich, wie simpel einige Gewalteinlagen zusammengetrickst sind.

Ferner versäumt Platt, das Treiben mit schwarzhumorigen Einschüben anzureichern, denn Ansätze dieser Art punkten durchaus („Nagelpistole…, - was ist das Verb, nagelpistolen ?“).
Stattdessen werden im letzten Drittel einige Vorgänge wüst konstruiert und als die Angelegenheit eigentlich schon längst gegessen ist, werden Szenen nachgeschoben, welche weder einen A-ha-Effekt, noch sonst eine Pointe beinhalten.

Das steht stellvertretend für das komplette Werk, welches sich zu keiner zwischen Fleisch und Fisch zu entscheiden vermag. Für ein Sozialdrama geht der Stoff zu wenig in die Tiefe, für einen reinen Folterfilm wird kaum für Abwechslung gesorgt, während ellenlange Monologe zwischenzeitlich ermüden lassen. Angesichts der guten bis sehr guten darstellerischen Leistungen und der stimmungsvollen musikalischen Untermalung schade, doch der Stoff reißt zu keiner Zeit mit.
4,5 von 10

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