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Die Perestroika dauert an, denn erst jetzt scheinen sich russische Filmemacher an konventionelle Horrorfilme zu wagen. Regisseur Svyatoslav Podgayevskiy orientierte sich bei seinem Debüt deutlich an Vorbilder aus Hollywood und zumindest handwerklich steht er diesen in manchen Belangen in nichts nach.

Die zwölfjährige Anya wird bei einem mysteriösen Ritual unter Jugendlichen dazu genötigt, die Pik-Dame heraufzubeschwören. Am nächsten Tag erleidet einer von ihnen einen tödlichen Herzinfarkt und auch Anyas Vater Anton scheint nach anfänglicher Skepsis übernatürliche Begebenheiten zu registrieren…

Podgayevskiy fackelt nicht lange und steigt ohne sonderliche Vorgeschichte in die Beschwörung ein, welche arg an „Bloody Mary“ erinnert. Daraufhin erscheint die Hexe auf reflektierenden Flächen und bezieht dadurch ihre Kraft, während sich die Kids ahnungslos zurückziehen, jedoch rasch am eigenen Körper erfahren müssen, was da in Gang gesetzt wurde.

Allerdings hält sich die Chose in Sachen jump scares und Blutvergießen merklich zurück und setzt stattdessen auf eine latent düstere Grundstimmung, welche durch tristes Winterwetter, graue Farben und schummrige Ausleuchtung hervorgerufen wird. Die titelgebende Pik-Dame zeigt sich nur selten, häufiger ist sie ausschließlich zu hören, was in Anbetracht der sauber abgestimmten Sounduntermalung nebst zurückhaltendem Score durchaus einen gewissen Reiz versprüht.

Dieser verpufft allerdings spätestens im letzten Drittel, als dem Drehbuch nichts besseres einfällt, als einen Exorzismus als Rundumschlag für übersinnliche Probleme zu bemühen. Zwar sehen die dazugehörigen Effekte okay aus, doch überrascht wird der Genrefreund bei dem innovationslosen Verlauf zu keiner Zeit.

Handwerklich ist dem Debüt trotz des geringen Budgets kaum etwas anzukreiden. Die Kamera arbeitet effektiv und variabel, der Schnitt ist durchweg solide und auch die Mimen performen mindestens brauchbar, wobei selbst die Synchro als überwiegend positiv zu erwähnen ist.

Unterm Strich vermag die Geschichte jedoch nie wirklich zu packen, spannende Momente halten sich in Grenzen und vor allem mangelt es an eigenständigen Ideen, - selbst die Hintergrundgeschichte der Hexe kommt einem nahezu komplett vertraut vor.
Ergo sind die 93 Minuten rasch wieder vergessen und es bleibt zu hoffen, dass sich Landsleute von Podgayevskiy zukünftig etwas eigenständiger orientieren, - Potenzial ist schließlich vorhanden.
5 von 10

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