Review

Eigentlich schien die Verfilmung des Romans von Stephen King, in diesem Fall trotz Mitwirkung des Autoren auch beim Drehbuch eine lose bzw. stark verkürzte Adaption, zu Beginn an noch eine todsichere Angelegenheit zu sein. Bereits kurz nach Erscheinungsdatum 2006 optioniert, der Film zur grassierenden Handymania, bei dem das ehemals als angeberisch geltende Utensil für schwer gefragte Geschäftsmänner und andere Leute, die sich für ständig erreichbar hielten, zu einem mit- oder alles bestimmenden Lebensinhalt für im Grunde fast Jedermann geworden ist; bei dessen ständiger Nutzung sich auch niemand mehr aufregt, dass da Einer scheinbar laut und ungefragt mit sich selber redet und mit dem privaten Smalltalk die Umwelt stört. Der Kommentar zur Kommunikation, zu “Satans Netzwerk“ quasi und der sozialen Gesellschaft so mit, die weniger unter vier Augen miteinander redet und dafür lieber twittert und simst und das Selfie und die Momentaufnahmen vom Speisen und Gerichten, das übelst betitelte “Food porn“, als Ausdruck höchster Kunst und Notwendigkeit ansieht.

Zudem ist der Name King, das Markenzeichen immer noch vergleichsweise aktuell und bekannt genug, auf allen Medien präsent, wobei zuletzt vermehrt das Fernsehen bespielt worden, aber Gerüchte über Groß- und Mammutproduktionen für das Kino, wie The Stand, der übermächtige Bruder hiervon, immer wieder am Aufkommen und wohl nie wieder am komplett Ableben sind. Die Besetzung der Hauptdarsteller mit zwei Schauspieler, die bei den Massen bewusst und mit dem Namen King nach (Zimmer) 1408 auch verbunden und so weiter in der Konnektivität vertraut sind, plus noch einer inhaltlichen Grundlage, die den Hype um etwa The Walking Dead samt Spinoff und anderen Vertretern der Beobachtung einer Gruppe von Menschen unter einer extremen Belastungssituation wie The Colony, Containment oder auch Wayward Pines, und Kings eigenem Exempel Under the Dome theoretisch durchaus bedient und ein und dieselbe Zielgruppe anspricht.

Der ehedem Signal Betitelte – (spätestens nach dem mit 2007 viel schneller an den Start gegangenen The Signal gleicher Geschichte keine rechte Option mehr) –  wird deswegen auch sein Publikum finden, aber ist auch durch die holprige Herstellungsgeschichte samt ebensolch problematischer Distribution letztlich als hauptsächlich Video on Demand weit davon entfernt, sein ursprünglich zugrundeliegendes Potenzial auszuschöpfen; was gleichermaßen für die Zugkraft und die Wiederfinanzierung als auch die Qualität des Produktes selber betrifft. Vom Selbstläufer, und dem Blindgänger, und der Mitte, die dazwischen ist:

Als der bis dato erfolglose Autor und Zeichner Clayton Riddell [ John Cusack ] nach dem Verkauf seiner Graphic Novel “Dark Wanderer“ endlich Land in Sicht sieht, möchte er trotz Trennung von seiner Frau Sharon diese unbedingt an dem Glücksgefühl teilhaben lassen und vor allem auch dem gemeinsamen kleinen Sohn Johnny die gute Nachricht überbringen. Aus diesem Grund versucht er nach der l Landung am Boston Airport sofort mit seiner ehemaligen Familie zu telefonieren, muss das Gespräch allerdings wegen einem leeren Akku unterbrechen. Und ist nur deswegen noch am Leben. Ein so genannter “Puls“ [auch deutscher Buchtitel] verwandelt alle aktiven Nutzer des mobilen Telefons in willenlose und höchst aggressive Wesen, die entweder nur die Selbstschädigung oder den Angriff und die Zerstörung anderer Menschen kennen. Nur mit mehr Glück als Verstand und der Hilfe von Tom McCourt [ Samuel L. Jackson ] entkommt Clay dem ersten Inferno. Beide verschanzen sich über die Nacht in seiner Wohnung, wo sie noch die verängstige junge Frau Alice Maxwell [ Isabelle Fuhrman ] aufnehmen. Nach dem ersten Schrecken steht zumindest bei Clay der Entschluss fest, unbedingt nach Maine zu gelangen, um Auskunft über den Verbleib seiner Liebsten zu bekommen; mangels Alternativen macht sich das gesamte Trio auf den lebensgefährlichen Weg.

"Think it's safe to text?"
Wahrscheinlich hätte man tatsächlich auf Regisseur Eli Roth, oder wie bei den letzteren mehr oder minder in die Öffentlichkeit eindringenden Erzeugnissen wie (die anfangs sensationell gestartete) Under the Dome, das langlaufende Haven, oder das wohl besprochene, aber etwas untergegangene 11.22.63 auch hier auf das Fernsehen und seine Möglichkeiten des seriellen Erzählens setzen sollen; der Ausbreitung auf mehr Länge, Breite und Tiefe, welches seit mehreren Jahren sowieso vermehrt gefragt ist und auch der Vorlage, 500+ Seiten immerhin entsprechen tät. Das erste Problem ist nämlich, dass der (in Grund und Boden gestampfte und dann mühsam wieder zusammen gepflückt wirkende) Film knapp über 90 Minuten nur geht und so am Anfang schon derart gehetzt und sowieso ohne Atempausen wirkt, dass ein Hineinkommen in die Situation, in die Umstände selber und vor allem auch die Figuren sehr schwer bis überhaupt nicht gelingt.

Hier wie auch im Buch und sowieso öfters bei King ist das alles verändernde Ereignis selber zwar auch am Anfang, nach nur 10 Minuten aber schon alles geschehen, alles ausbaldowert, alles ausradiert und alles geklärt. Eine Eröffnungsszene, die ohne Vorbereitung kommt, aber auch keine Überraschung, keine nennenswerten Emotionen, auch keine eventuell spürbare Schockstarre, noch nicht einmal bei den Figuren auslöst. Das man das erste Massaker hier auf einen eigentlich immer wuseligen Flughafen statt auf einen Straßenverkehrsknotenpunkt zur Stosszeit verlagert und in eine Geschlossenheit begrenzt und dort das Volk entweder von Elektrostrahlen gegrillt wird oder wie der Wahnsinnige übereinander herfällt und sich vernichtet, steht als formale Einheit durchaus für sich – (im Buch wird der Airport als Haupt'kriegs'schauplatz immer wieder erwähnt) –, schwankt aber schon etwas zwischen A) Hoppladihopp, B) (zahmen) Gemetzel und C) unfreiwillig auch Anzeichen von Parodie.

A) und C) sind auch mit die Schuld von Cusack selber, der noch gern gesehen wird, sich aber unwohl in der eigenen Haut zu fühlen scheint, sich unter der Skimütze versteckt, und nur wenig Präsenz und eher bloß die Erinnerung von früher besitzt. Dennoch, oder auch deswegen sind er und sein Mitspieler Jackson die Stützen des (erfrischend eigenartigen, von den Kritikern einhellig verrissenen) Geschehens, auch mit die idealen Darsteller für einen King, die in den Hauptpersonen oftmals Alter Ego des Autoren sind oder da hinein interpretiert werden. Cusack ist der Normalo, der die besten Zeiten längst hinter sich hatte, und die damals noch nicht einmal tatsächlich rosig waren, sondern eher ein Kampf mit anderen und besonders mit sich selbst. Die Fünfziger seines Lebens stehen vor der Tür, und der Körper und das Gesicht und das Verhalten sind gezeichnet von der Erkenntnis und der letzten kleinen Hoffnung auf vielleicht doch noch einmal Mehr. [Stark's Timothy Hutton wäre rein theoretisch die gleiche Wahl gewesen.]

Auch dass der Film nie wirklich die Größe und Breite des Buches erreicht, teilt er sich mit so vielen Vertretern des Autors, und dass er noch zusätzlich oftmals wie späte Neunziger des letzten Jahrhunderts inszeniert wirkt, geht noch als nächste Aufmerksamkeit mit. Eine fast beruhigende Mittelmäßigkeit und Altertümlichkeit, eine Sicherheit des Anständigen und Beständigen, das auch gar nicht nach Höherem strebt, wohl auch in dem Wissen, dass dort die eigene Puste schon beizeiten ausgeht. Überhaupt ist das Gefühl beim Betrachten der Bilder in den stillen Wanderungen durch herbstlich abgeschiedenes amerikanisches Mittelland, bspw. das Durchstreifen eines wahrscheinlich schon die letzten 20 Jahre isolierten Autokinos inmitten im Wald wesentlich stärker ausgeprägt als bei dem ersten Aktionismus, der einen bloß überrennt.

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