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Stephen Kings Horror-Thriller „Cell", der bereits 2006 erschien, wartete auffallend lange auf seine filmische Umsetzung. Doch da über den Daumen gepeilt jede zweite literarische Vorlage des Meisters der dunklen Prosa ihre Adaption fürs Kino oder zumindest für das Fernsehen findet, standen die Chancen insgesamt recht gut, dass nach langem Hin und Her doch noch die ferngesteuerten Zombies auf der Leinwand (oder zumindest dem Fernseher) tanzen würden. Doch auch nachdem Szeneguru Eli Roth der ihm angebotenen Regie des Films eine Absage erteilte, sollten sich Unstimmigkeiten bezüglich Produktion und Vertrieb wie Mehltau über das eigentlich interessante Projekt legen. Am Ende herausgekommen ist eine Direct-to-Video Produktion, die sich redlich bemüht, dem Geist der Vorlage Kings treu zu bleiben. Selbst dann, wenn dieser Geist nicht leicht mit der Linse einzufangen ist.

Wie schon einst in „Zimmer 1408" stehen der inzwischen karrieretechnisch etwas lädierte John Cusack und Dauerbrenner Samuel L. Jackson gemeinsam vor der Kamera. Diesmal allerdings inmitten Tausender Quasi-Zombies, die über Schallwellen gleichgeschaltet, alle noch nicht hirngeschädigten Mitmenschen umbringen oder mit ihrem Defekt infizieren wollen. Losgetreten wurde die Apokalypse von der einen auf die nächste Sekunde durch ein Signal, das über Millionen Mobiltelefone versendet wurde. Nachdem man sich zusammen mit ein paar weiteren Überlebenden aus der Stadt gekämpft und zudem bemerkt hat, dass die Smombies nachts ruhen müssen, macht man sich auf den beschwerlichen Weg von Maine nach Norden. Dahin in Kanada, wo es keine Telefonmasten gibt. Auf dem Weg gilt es noch, den Sohn einer der Hauptfiguren zu finden und zu retten. Doch der unbekannte Urheber der Katastrophe scheint die Fliehenden zu verfolgen. Sogar in ihren Träumen.

Noch einmal in aller Deutlichkeit: Es ist Stephen King, der hier verfilmt wird. Nicht die „The Walking Dead"-Comics. Wer sich hier den torkelnden Fleischfresser als Ungeheuer erhofft, wird enttäuscht werden. Kings Romane, so auch „Cell", überzeugen neben vielem anderen mit geradezu tiefenpsychologisch zu Ende gedachten Figuren. Nach der mitreißenden Lektüre meint man, die Protagonisten persönlich zu kennen. Und das schon seit Jahren. Nicht wenigen Verfilmungen der Romane des Neuengländers gelang es, diese lebensechte Figurenzeichnung ins Kino hinüberzuretten. Man denke nur an „The Green Mile" oder gar „Die Verurteilten". Doch auch weniger epische, dafür beklemmend inszenierte Grusler der Sorte „Der Nebel" reüssierten hier auf ganzer Linie. „Puls" (engl: „Cell") allerdings schwächelt ein wenig. Zwar garantiert das Drehbuch seltenen Leerlauf und ein erwähnenswertes Maß an Spannung, doch bleiben die Figuren von Beginn an blass und zum Teil zu wenig plausibel. Der vorherrschende Holzschnitt erlaubt kaum seelische Annäherung an das Leiden der hier Beteiligten und versetzt in den Tagesschau-Modus. Zu grob ausgearbeitet und etwas hopplahopp stellt man sich hier also auf zum Endkampf gegen den perfiden Feind. Folgt dem trotzdem der Endsieg, wie das meist bei Stephen King der Fall ist? Im Roman drückte der Papa seinem verstrahlten Sohn den Hörer an den Kopf, in der Hoffnung, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Doch wie schon bei „Der Nebel" endet der Film anders als das Buch.

Niemand sonst als der Meister selbst legte hier Hand an, um der blutigen Sache einen gelungenen Abschluss zu verpassen. Ob der mundet, muss wohl, wie beim 2007er Genre-Juwel Frank Darabonts, jeder für sich selbst probieren. Jedenfalls strahlt „Puls", wenn auch ungewollt, einen sympathischen B-Charme aus, der ähnlich der Fernsehformate „Desperation" oder „Brennen muss Salem" zu Recht nicht im Kino gelandet ist. Es sollte also schon ein wenig Zuneigung zum Gegenstand und ein Grundverständnis King'scher Transzendenz vorhanden sein, um diesem schön bebilderten Nichtkinofilm seinen Unterhaltungswert abzutrotzen. Schade dabei allerdings, dass einmal mehr nur ein Anflug der Psychologie der Vorlage seinen Eingang in den Film findet. Die (zu) kurze Spielzeit rafft, lässt weg und unterlässt es, den Figuren die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Nachdem man wieder und wieder aus Träumen erwacht, die für einen kurzen Filmzeitmoment eine katastrophale Wendung der Dinge vorgaukeln, meint man sich schon erneut im Morpheus‘ Garn, wenn auf einmal der inzwischen alt gewordene Mike Hammer (Stacey Keach) ins Bild tritt. Der gibt hier nämlich den (nun) arbeitslosen Schuldirektor und angehenden Pyromanen. Überhaupt springt der Funke womöglich nur dann richtig über, wenn man auch angestaubtem Theater, etwa der Sorte „Fürsten der Dunkelheit", etwas abgewinnen kann. Story wie Action gelingen schick bebildert - und wirken dennoch irgendwie überholt.

Hier steht King drauf. Und hier ist King drin. Und zwar ungefähr genau so viel, wie in einem preislich komfortablem Blended Straight echter Bourbon drin ist. Eine insgesamt flotte Inszenierung, die ihren Schrecken vielleicht als ein Quäntchen zu selbstverständlich nimmt, reiht „Puls" ein in die obere Mittelklasse der inzwischen unüberschaubaren Verfilmungen des Kultautors. King'sche Menschenkunde allerdings kommt diesmal zu kurz, sollte sie denn gewünscht sein. Das ist aber keine Misere, denn angesichts des vielen Treibguts, das da an Direct-to-Video Horror die Wohnzimmer unsicher macht, entpuppt sich das hier als eine (fast) sichere Bank. Und das deshalb, weil der Regisseur der Macher von „Paranormal Activity 2" ist und Tod Williams heißt. Das heißt obwohl er so heißt.

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