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„The Yawning Dead"

Wer kennt sie nicht, die sich stetig vermehrenden Smombies? Also Zeitgenossen, die mit gesenkten Köpfen wie ferngesteuert durch die Gegend laufen und außer dem kleinen Bildschirm vor ihnen kaum mehr etwas wahrnehmen. Die Idee, diese Klientel per Signal zu willenlosen, zombieähnlichen Wesen umzufunktionieren, hat definitiv was. Horror-Altmeister Stephen King hat daraus vor knapp 10 Jahren einen spannenden Roman gestrickt. Dass „Cell" ausgerechnet jetzt eine Verfilmung spendiert bekommt, hat sicherlich mit dem grassierenden Zombie-Hype zu tun, der spätesten mit „The Walking Dead" zum Mainstreamphänomen mutiert ist.

Für Fans von Autor und Genre ist das aber nur sehr bedingt eine frohe Botschaft, denn gute King-Verfilmungen zu finden, ist in etwa so aussichtsreich, wie eine Zombie-Attacke zu überstehen. Die Hoffnung stirbt in beiden Fällen bekanntlich zuletzt, also geben wir dem Projekt doch einfach mal eine Chance, auch wenn die Portfolios von Studio (Saban Films) und Regisseur (Todd „Paranormal Activity 2" Williams) wenig Gutes verheißen.

Aber Überraschung, zu Beginn macht „Puls" richtig Laune. Kurz nach der Landung auf dem Bostoner Flughafen gerät der Comicautor Clay Riddell (John Cusack) urplötzlich auf einen infernalischen Horrortrip. Jeder, der in irgendeiner Form vernetzt ist, sei es per Handy oder Computer, mutiert binnen Sekunden zu einem blutrünstigen, Amok laufenden Monster. Williams gelingen hier ein paar saftige Schockmomente und Derbheiten, vor allem aber eine perfekte Umsetzung des totalen Chaos. Leider geht es nach diesem furiosen Auftakt ebenso rasant steil bergab.  

Das magere Budget ist dabei sicher einer der Gründe. Schon der miserabel getrickste Absturz einer Verkehrsmaschine war dafür der erste Vorbote. Zwar bleiben einem in der Folge ähnliche CGI-Desaster erspart, dafür bekommt man nun das von „The Walking Dead" inzwischen episch breit getretene Szenario eines kleinen Trupps Überlebender geboten, der durch spartanische Settings stapft und dabei immer wieder von einer kleineren Horde Untoter heimgesucht wird. Der TV-Schlager fängt dieses Dilemma mit ausgefeilten zwischenmenschlichen Dramen auf, was sich bei einem Serienformat natürlich auch anbietet. „Cell" versucht Ähnliches und scheitert grandios.

An mangelnden Sprechzeiten kann es nicht liegen. Vor allem John Cusacks Charakter textet seine Leidensgenossen unentwegt mit seinem tragischen Schicksal zu, ohne dabei auch nur eine Spur von Empathie kreieren zu können. Ob es an Cusacks aufreizend gelangweilten Spiel liegt - das er ja bereits seit Jahren in zweitklassigen Genrefilmchen hegt und pflegt - , oder an den schlecht geschriebenen Dialogen, ist letztlich unerheblich. Zwar hat man mit Samuel L. Jackson einen zweiten großen Namen an Bord, aber seine Darbietung als U-Bahnfahrer mit Vietnamtrauma leidet unter demselben Autopilot-Problem und derselben völlig unterentwickelten Charakterzeichnung. Kurz: beide sind einem herzlich egal.

In Kombination mit den vergleichsweise wenigen und unspektakulären Actionszenen ist das natürlich ein veritables Handicap. Zumal es Williams nie gelingt, eine eigene Handschrift erkennbar zu machen. Seine Inszenierung ist ausnehmend bieder, einfallslos und entbehrt jeglicher visueller Raffinesse. Dazu hakt er brav sattsam bekannte Zombie-Klischees ab, was die sich einstellende Ödnis noch befeuert. Jump and run mit ausgiebigen Ruhepausen in der Dauerschleife.

Hauptvorwurf ist aber sicherlich der sträflich nachlässige Umgang mit der spannenden Grundprämisse. Das Phänomen der sich schwarmartig organisierenden „Phoner" wird nie richtig erklärt oder vertieft, die Steilvorlage einer Allegorie zu Auswüchsen der heutigen Digital-Gesellschaft fast schon aufreizend ignoriert. Das ist umso unverständlicher, da Autor King für seine technologiekritische Haltung bekannt ist und obendrein auch noch für das Skript verantwortlich war. Hätte er nur besser mal die Finger davon gelassen, denn sogar das aufgrund enttäuschter Fanreaktionen eigens umgeschriebene Ende der Buchvorlage hinterlässt nur Verwirrung. Irgendwie haben wir es ja schon immer gewußt: King und Film scheint einfach eine unglückliche Kombination zu sein. „Puls" liefert dafür nur noch einen neuerlichen Beleg. Gebraucht hätten wir den allerdings nicht.

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