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Frei nach einer wahren Begebenheit: Matthew McConaughey spielt den Erben eines kränkelnden Bergbauunternehmens, der alles auf eine Karte setzt, um dieses zu retten und es allen zu zeigen: Er heuert einen renommierten Geologen, gespielt von Edgar Ramirez, an, nach dessen Meinung sich eine Goldader tief im indonesischen Dschungel befinden müsste. Die beiden treiben das für einige Probebohrungen notwendige Kapital zusammen - und werden schließlich fündig. Während der Aktienkurs ihres Unternehmens daraufhin durch die Decke schießt, versuchen verschiedene Geschäftsleute und Börsianer mitunter durch windige Methoden ihren Anteil am Gewinn einzufahren.

Der sogenannte Bre-X-Skandal, bei dem der vermeintliche Goldfund im indonesischen Busang wie eine übergroße Seifenblase zerplatzte, nachdem der Fund als einer der größten aller Zeiten gefeiert worden war, war einer der größten Eklats in der Bergbaugeschichte. Eine Story wie gemacht fürs Kino, deren Potential der für Drehbuch und Regie verantwortliche Stephen Gaghan jedoch leider überhaupt nicht ausschöpfen kann, dabei hatte er mit seinem Skript zu Steven Soderberghs „Traffic“ sein Talent als Autor und mit „Syriana“ auch als Regisseur unter Beweis stellen können. Nicht nur, dass Gaghan die finale Pointe komplett in den Sand setzt, sein Film ist in erster Linie allzu unentschlossen.

„Gold“ beginnt mit einem untersetzten, rauchenden und schwitzenden Matthew McConaughey, der es sich mit aller Macht in den Kopf gesetzt hat, im indonesischen Dschungel Gold zu finden. Vielleicht wurde die wahre Begebenheit für den Film auch deshalb von Kanada in die USA verlegt, weil es, wie so oft, letztlich um den amerikanischen Traum, um den großen Erfolg geht. Gaghans Film erinnert dabei, wenn die schier unerschöpfliche Beharrlichkeit des Goldsuchers in den Fokus rückt, fast schon an Werner Herzogs Abenteuer-Epos „Fitzcarraldo“, in dem ein ebenso besessener Protagonist gegen alle Widerstände vor tropischer Kulisse agierte. Wenngleich die Szenen aus dem Beziehungsleben des Goldsuchers und seiner von Bryce Dallas Howard verkörperten Frau über weite Strecken nur unzureichend mit der Goldsuche und dem anschließenden Börsengeschehen verknüpft werden, ist die erste Filmhälfte auch aufgrund der gelungenen Optik durchaus sehenswert.

In der zweiten Filmhälfte geht Gaghan vom Abenteuerfilm zum Börsenthriller über, was nicht sonderlich reibungslos gelingt und zunehmend einige Längen aufkommen lässt. Gaghan versucht zwar, die Gier an den Märkten anzuprangern, nimmt die windigen Geschäftsleute aufs Korn, die so versessen darauf sind, den Goldschatz zu heben, dass sie Unternehmern auf den Leim gehen, denen man nicht mal einen Gebrauchtwagen abkaufen würde. Doch das alles hat man in „The Wolf of Wall Street“ oder „The Big Short“ schon bissiger - und damit auch witziger gesehen. Gaghan versucht sich letztlich erfolglos in Sarkasmus, sodass - bezeichnenderweise - die witzigsten Szenen seines Films die sind, in denen der einstmals als Sonnyboy verrufene und sonst spindeldürre McConaughey offensiv seinen Bierbauch zur Schau stellt. Die engagierte Leistung des Hauptdarstellers hätte, genauso wie die des brillanten Nebendarstellers Edgar Ramirez, jedenfalls einen besseren Film verdient gehabt.

Fazit:
„Gold“ ist weder Fisch noch Fleisch. Er beginnt als durchaus kurzweiliger Abenteurfilm, um dann in einen Börsenthriller überzugehen, der weder bissig noch mitreißend geworden ist. Der großartig aufspielende Matthew McConaughey hält das alles zwar einigermaßen zusammen, doch die interessante wahre Begebenheit hätten einen besseren Film verdient gehabt. Letztlich graues Mittelmaß.

50 %

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