Serienkiller und ihr düsteres Schaffen liefern für viele Filmemacher Ideen. Etwa Hermann Webster Mudgett, der zwischen 1888 und 1894 mindestens 27 Morde in einem umgebauten Hotel mit Geheimgängen, Falltüren und Folterkeller verübte. Das Haus wurde kurzerhand von Chicago nach New York verfrachtet und dient als Grundlage für einen Horrorfilm, dem leider früh die Ideen ausgehen.
Nach ihrem Entzug findet Jackie (Julie Benz) Zuflucht in Havenhurst, einem riesigen Apartmenthaus für Gestrandete und ehemalige Abhängige. Sie erhält die Wohnung ihrer kürzlich verschwundenen Freundin und kurz darauf erhärten sich Hinweise, dass hier regelmäßig Menschen verschwinden…
Trotz der überschaubaren Story gelingt es Autor und Regisseur Andrew C. Erin im ersten Drittel recht gut, Spannung und Atmosphäre zu etablieren. Das Interieur mit unzähligen Schwarzweiß-Fotos, uralten Tischlampen und Fluren wie aus dem vergangenen Jahrhundert erzeugen eine leicht beklemmende Stimmung, während die dünnen Wände mehr preisgeben, als der vermeintlichen Heldin lieb sein kann. Diese ist allerdings schwach gezeichnet, denn das Trauma über den Verlust ihrer Tochter bleibt ebenso wenig durchleuchtet wie die Verbindung zum Cop Tim (Josh Stamberg).
Obgleich von Beginn an klar ist, dass die merkwürdige Vermieterin (Fionnula Flanagan) gewiss ein paar Leichen im Keller hat, lassen einige unheimliche Aktivitäten zunächst nicht darauf schließen, wer oder was für den Spuk im Gebäude verantwortlich ist. Als während der Exposition die obligatorischen Einführungsopfer durch die Luft gewirbelt und kurz darauf gemeuchelt werden, deutet einiges auf paranormale Energien in Form eines Dämons hin, während spätere Entdeckungen, dass es eventuell Geheimräume und versteckte Türen geben könnte, in eine andere Richtung tendieren.
Nachdem die Katze relativ früh aus dem Sack ist, bröckelt die bis dato dichte Atmosphäre zusehends und es gesellen sich eklatante Logiklöcher und ein paar selten irrationale Verhaltensweisen hinzu. Zum Finale gibt es zwar eine deutliche Temposteigerung, doch der unbefriedigende Ausgang untermauert die Ideenlosigkeit und das unzureichend ausgearbeitete Drehbuch in jeder Hinsicht.
Ansonsten ist der Streifen okay besetzt, wobei Julie Benz nicht wirklich die emotionale Power rüberbringt, um ein intensives Mitfiebern zu ermöglichen. Auch der Score hält sich in entscheidenden Momenten zu sehr zurück. Immerhin gibt es im Mittelteil zwei, drei Gewalteinlagen, welche eine FSK18 rechtfertigen, danach geht es vergleichsweise blutleer zur Sache.
Somit verschenkt „Havenhurst“ viel Potential, um zwischen Geheimgängen, Falltüren und Folterkeller mehr als nur eine Handvoll Jump Scares und kurze Blutmomente einzustreuen.
Zudem ist die Auflösung beinahe schon ärgerlich, was den Gesamteindruck merklich nach unten zieht.
Knapp
5 von 10