Eigentlich hat der windige Versicherungsmakler Mirko (Lucas Gregorowicz) längst mit seiner Familie gebrochen, doch nach dem Tod seines Vaters erbt er den Schrottplatz, der seit Generationen der Familie gehört und von seinem Bruder Letscho (Frederick Lau) geführt wird. Dieser möchte den Treulosen am liebsten gleich wieder verjagen. Außerdem hat er ein großes Ding am Laufen…
Sie sind die modernen Outlaws. Sie leben auf einem Schrottplatz, wo eine harte, aber herzliche, und vor allem familiäre Atmosphäre herrscht. Und sie lassen sich von niemand etwas vorschreiben, „lieber tot als Sklave“ ist Letschos Motto, wobei er stets die geballte Faust präsentiert. Er ist zwar nicht besonders helle, aber eine treue Seele, ein liebevoller Familienvater und eine ehrlichere Haut als sein großer Bruder. Richtig kriminell wird Letscho erst als der Verlust des väterlichen Betriebes droht, während Mirko seit jeher Staat und Kunden bescheißt. Man fragt sich, ob der Mikrokosmos Schrottplatz nicht die bessere Welt ist. Die auch noch vom benachbarten Schrottmonopolisten bedroht wird, der zudem eine Art Ortsvorsteher in der Gemeinde ist. Die Sympathien sind also klar verteilt, wobei Letscho auch noch vom deutschen Shooting Star der letzten Jahre verkörpert wird. Grimme-Preis- („Neue Vahr Süd“ 2010 TV) und Deutscher Filmpreisträger (Victoria“ 2015) Frederick Lau gibt den Proll par excellence, inkl. diesem starren Blick, der weniger klugen Menschen bisweilen zueigen ist. Ehrlich gesagt, ein Genuss ihm zuzuschauen! Auch das übrige Ensemble macht seine Sache gut, wie die skurrilen Schrottis, die durchaus realistisch und eben nicht überzeichnet sind, und auch Lucas Gregorowicz („Lammbock“ 2001, „Soul Kitchen“ 2009) als dann doch nicht so ungleicher Bruder. Handlungstechnisch dauert es etwas lange bis sich Mirko und Letscho zusammenraufen, was ja nicht weiter überraschend ist. Der folgende große Coup ist ausgesprochen unrealistisch, macht aber am Ende richtig Spaß.
Max Zähles Debütfilm erinnert an Peter Thorwarths „Bang Boom Bäng“ (1999), ist nicht ganz so lustig und rasant, aber doch genauso sympathisch. (7/10)