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kurz angerissen*

New York, New York. Amerikas meistgefilmter und inzwischen wohl auch -animierter Großstadt wird mit einem Schwenk auf den von abenteuerlichen Hochhausfassaden umringten und in goldenen Herbstfarben leuchtenden Central Park ein Denkmal als Ort des harmonischen Miteinanders von Mensch und Tier gesetzt. Überall wuseln Haustiere und ihre Besitzer, die von unsichtbarer Hand (oder eben durch Leinen) zur Symbiose vereint werden. „Pets“ setzt sich nun zum Ziel, dieses Idealbild kritisch zu hinterfragen und will beleuchten, was geschieht, wenn der Besitzer für sein Tier (temporär oder dauerhaft) nicht da sein kann oder will.

In der Tat mag die Geschichte unterirdisch hausender Verstoßener bei manchem Zuschauer impulsiv ein schlechtes Gewissen auslösen und ihn gleich zum nächsten Tierheim rennen lassen (oder zumindest das eigene Tier auf der Couch endlich nochmal herzhaft knuddeln). Wirklich reflektiert oder tiefsinnig ist der Plot allerdings nicht; im Gegenteil, er lässt sich zu einer streckenweise albernen Achterbahnfahrt hinreißen, die von New Yorks Dächern über die Parks und Straßen bis in die Abflussrohre reicht.

Die treffende Beobachtungsgabe für die Verhaltensweise der geliebten Vierbeiner reicht dann auch gerade noch bis zum Ende des Trailers, wenn überhaupt; später werden tierische Eigenschaften völlig auf den Kopf gestellt oder sogar ins Reich der Legenden abgestellt. Wenn der von Natur aus scheue Hamster sich eines Stofftiers entledigt, um sich selbst in die Arme eines Jungen zu schmiegen, wird ein recht problematisches Bild von ihm gezeichnet (Stichwort Nemo-Effekt). Wenn tätowierte Schweine als Großmutter verkleidet mit einem „falschen Hasen“ im Kinderwagen durch die Straßen stolzieren, erreicht der Film sogar Cartoon-Höhen, die sich arg mit dem behavioristischen Ansatz beißen, den das Animationsstudio an anderen Stellen dazu verwendet, den Zuschauer an lieb gewonnene Eigenarten ihrer Tiere denken zu lassen.

Das befellte, gefiederte und geflügelte Arsenal besteht erwartungsgemäß (auf Grundlage von statistischen Erhebungen) aus Katzen und Hunden, weil diese eben in den Häusern und Apartments westlicher Nationen hauptsächlich vertreten sind („Cats & Dogs“ hat es vor 15 Jahren vorgemacht). Entsprechend werden hier sogar gezielt spezielle Rassen aus dem Hut gezogen. Insgesamt enttäuscht aber gerade die Charakterzeichnung: Weder Max noch sein Partner Duke zeichnen sich durch besondere Kantigkeit aus, die es für einen guten Lead benötigt. Einzig der Antagonist hat seine starken Momente als manischer Anführer einer Untergrundgruppierung, zumal er für Animationsfilmkenner ein alter Bekannter ist.

Zur Betörung des Massenpublikums hat es gereicht; hier genügt es wohl, knuddelige Tiere in ein verrücktes Abenteuer zu schicken. Wer jedoch entweder Wert legt auf einen Film, der tierisches Verhalten scharfsinnig und realistisch darstellt oder anderenfalls auf einen abgedrehten Cartoon mit bissigem Humor, wird stattdessen mit einer halbgaren Kompromisslösung abgefertigt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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