kurz angerissen*
Das ganze Konzept von „The Accountant“, der wohl demnächst eine Fortsetzung erhalten soll, basiert darauf, dass Erwartungen an eng gefasste Rollenbilder aufgebrochen werden, zur Überrumpelung und nicht zuletzt zum Vergnügen des Publikums. Einem Buchhalter, erst recht einem solchen mit Autismus-Diagnose, würde man wohl kaum den beherzten Griff zur Waffe zutrauen – es sei denn, wir befinden uns in der wunderbaren Welt des Films.
Das Produkt dieser alternativen Superhelden-Überlegungen aus den Warner-Studios ist eine Art „Falling Down“ mit eingebauter „Rain Man“-Drossel, in welcher der Protagonist das „Fuck You“ gegenüber der fiesen Umwelt mit äußerster Vorsicht und Rationalität formuliert. Dessen Gemüt gemäß ist in dem deklarierten Thriller vergleichsweise wenig Thrill vorzufinden, auch weil die Emotionen fehlen. Unter der Maske des schwarzen Rächers Batman durfte Ben Affleck noch wüten und manische Kräfte wirken lassen, hier übt er wieder mimischen Minimalismus aus und hat auch nicht gerade Wasserfälle von Dialogzeilen zu bewältigen; diese übernimmt in aller Regel Anna Kendricksin einem Standard-Subplot mit Love-Interest-Einschlag. Schwarzer Humor kommt in banalen Gesprächen über Stifthalter durch und allgemein darin, dass viele aufbrausende Charaktere (neben Kendricks auch der stets auf Krawall gebürstete Jon Bernthal) sich an der fehlenden Responsivität des Zahlengenies festbeißen.
Das hat seinen Reiz, hätte aber gerne noch pulpiger inszeniert werden dürfen. Zeitweise pflegt Gavin O'Connor einen etwas zu seriösen Ton, als glaubte er, es mit den großen Finanzthrillern der 70er aufnehmen zu können, dazu jedoch fehlt der Story die Substanz. Erst als Affleck endgültig Kuli gegen Scharfschützengewehr austauscht, entfaltet sich der Reiz eines Films, der einerseits nicht unbedingt nach einer Fortsetzung verlangt, in einer solchen andererseits aber möglicherweise sein Potenzial besser ausreizen könnte.
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