Das autistische Mathe-Genie Christian Wolff hat den perfekten Job als Buchprüfer und Steuerberater gefunden... und arbeitet in dieser Funktion auch schon mal für internationale Gangster-Syndikate und Kartelle, um deren Finanzbuchhaltung auf Vordermann zu bringen. Während nun das Finanzministerium hinter dem "Accountant" her ist und versucht, seiner wahren Identität auf die Schliche zu kommen, wird Wolff von den Vorstandsmitgliedern Ed Chilton und Rita Blackburn der Firma Living Robotics engagiert, um die Bilanzen zu prüfen, nachdem die Mitarbeiterin Dana Cummings auf Unstimmigkeiten in den Büchern gestoßen ist und bald der Börsengang ansteht. Tatsächlich findet Wolff schnell heraus, dass Millionensummen aus dem Unternehmen geflossen sind... und da Chilton kurz darauf vermeintlich Selbstmord mit einer Überdosis Insulin begeht, scheint es so, als hätte jener sich da heimlich bedient. Jedoch dauert es nicht lange, bis einige Profi-Killer auch hinter Christian und Dana her sind. Was jedoch niemand ahnt: Der "Accountant" ist nicht nur ein lahmer Nerd, sondern auch Experte im Nahkampf und was den Umgang mit Schusswaffen anbelangt... Dass sich "The Accountant", der im Kino solide performt hat, aber kein überragender Erfolg gewesen ist, in den neun Jahren seit seinem Release einen Status als kleiner Geheimtipp erarbeitet hat, verdankt er ziemlich eindeutig nur seinem Hauptdarsteller Ben Affleck, der als Schauspieler - dezent ausgedrückt - ja gemeinhin unter Wert gehandelt wird, hier aber den neurodivergenten Titelhelden abseits der üblichen, stereotypen Kampfmaschinen und Ein-Mann-Armeen, die das Genre sonst so bevölkern, absolut auf den Punkt spielt. So sind dann auch gerade die Momente, in denen nicht die Fetzen fliegen und Christian Wolff mit seinen Macken einfach nur bei seinem Job als, nun ja, "Accountant" halt, zeigen, eigentlich die besseren, zumal sich das Ganze damit ja auch in guter Gesellschaft zu "The Equalizer" mit Denzel Washington befindet... hier isses Autismus, dort 'ne ausgeprägt Zwangsstörung, gehupft wie gesprungen. Das Problem an der Sache: Die Inszenierung von Gavin O'Connor ist so stoisch wie die Hauptfigur, treibt auch in den etwas handfesteren Momenten den Puls nie nach oben und versagt dem Zuschauer die Befriedigung niederer Bedürfnisse, wie man sie etwa noch dabei empfunden hat, einem Liam Neeson dabei zuszusehen, wie er in "96 Hours - Taken" Paris von albanischen Mädchenhändlern befreit... und so ist "The Accountant" unter reinen Actionfilm-Gesichtspunkten betrachtet mal echt irre zwiespältig, ey! Erschwerend kommt hinzu, dass man sich im letzten Drittel - anstatt endlich Gas zu geben und ordentlich auf die Tube zu drücken, was den schieren Radau-Faktor anbelangt - mit dramaturgisch ziemlich ungeschickt gesetzten, ausschweifenden Flashbacks eher zusätzlich noch selbst den Wind aus den Segeln nimmt und das Finale da mit einem von langer Hand vorbereiteten Twist verziert ist, der einen wirklich nicht mehr überraschen kann. Selbst die namhafte Nebendarsteller-Riege kann da nicht so richtig glänzen, sondern scheint da mehr eine Funktion als schmückendes Beiwerk zu erfüllen, um das Ganze etwas prestigeträchtiger erscheinen zu lassen und eben nicht nur wie ein Actionfilmchen von der Stange. Tja, schade, aber der Mix aus Charakterstudie und Haudrauf-Streifen ist leider nicht so gelungen... und ohne Affleck wäre hier sogar noch weitaus weniger zu holen. Fazit: Ein Film, der leider besser in Form von Highlight-Clips auf YouTube funktioniert, als am Stück...
6/10