"Niemals aufgeben, niemals kapitulieren"
Was für "Star Wars" "Spaceballs" darstellt, ist für "Star Trek" "Galaxy Quest".
17 Jahre nachdem die Serie "Galaxy Quest" beendet wurde, treten die Schauspieler nur noch auf Conventions oder Werbeangeboten auf. Verbittert und zerstritten ist die einstige Gemeinschaft, bestehend aus Gwen DeMarco (Sigourney Weaver), Alexander Dane (Alan Rickman), Fred Kwan (Tony Shalhoub), Guy Fleegman (Sam Rockwell) und Tommy Webber (Daryl Mitchell) die unter dem Schatten von Jason Nesmith (Tim Allen) stehen. Zumindest dieser genießt als bekannter Commander und Hauptperson der Serie die Verehrung durch die Fangemeinde.
Bei einer Convention wird Jason von einer exzentrischen Gruppe von Personen angesprochen, die von sich behaupten, zu den außerirdischen Thermianern zu gehören, angeführt von Mathesar (Enrico Colantoni). Sie bitten Jason um Hilfe bei ihrem Kampf gegen den Tyrannen Sarris (Robin Sachs). Im Glauben, es handele sich um ein Fanprojekt begleitet er sie auf einen Nachbau der Protector, des Raumschiffes der Serie. Allerdings ist der Nachbau echt und Jason sowie seine Crew finden sich in einer realen Auseinandersetzung zweier außerirdischer Rassen wieder.
Regisseur Dean Parisot gelingt hier ein wirklich rundes Stück Filmunterhaltung. Egal ob er ganze Teile des "Star Trek"-Universums parodiert oder den Trekkie-Kult selbst persifliert, stets hat er die Lacher auf seiner Seite.
In erster Linie ist "Galaxy Quest" eine Satire auf die Ursprungscrew der Enterprise, zieht seinen Kreis aber auch weiter um Folgeserien, einzelne Bruchstücke aus dem "Star Trek"-Universum, den übereifrigen Fans die sich bunt gekleidet zu Conventions treffen, sowie am Rande anderen Science-Fiction-Klassikern, wie beispielsweise "Der Tag, an dem die Erde stillstand" oder "2001 - Odyssee im Weltraum".
Natürlich muss man "Star Trek" zumindest ansatzweise kennen, um diese Parodie wirklich zu verstehen. Viele Anspielungen stehen im direkten Bezug zur wohl langlebigsten Science Fiction Saga.
Bestes Beispiel sind die Figuren. Jason Nesmith als Commander Peter Quincy Taggart (Tim Allen) ähnelt mit seinem überheblichen Auftreten William Shatner aus der originalen Fernsehserie. Gwen deMarco als Lieutenant Tawny Madison (Sigourney Weaver) ist der Stereotyp der unbedarften und knapp bekleideten Frau, deren einzige Aufgabe die Kommunikation zwischen Raumschiff und Commander zu sein scheint. Anspielungen auf Lieutenant Uhura sind kaum zu übersehen. Alexander Dane als Dr. Lazarus (Alan Rickman) verkäuft sich als Karikatur auf einen schlecht gelaunten Dr. McCoy. Tommy Webber als Lieutenant Laredo (Daryl Mitchell) mimt einen kindlichen Steuermann, eine Anspielung auf Fähnrich Wesley Crusher aus der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert". Gleichfalls stellt er den Bezug zur gern genannten unreifen Darstellung des gleichen her. Reizvoll ist ebenso die Zugabe des exzentrischen Guy Fleegman (Sam Rockwell) der als namenloses Mitglied die Parallelen zu unbekannten Nebendarstellern zieht, die bei Gefahrensituationen als erstes ihr Leben lassen.
Abseits der gut ausgearbeiteten Charaktere finden sich weitere Details, die bei Kennern sofort ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. So verliert Taggart während eines Kampfes sein Oberteil, ebenso wie Kirk in der Serie. Die nächste Generation von "Star Trek" startete 18 Jahre nach dem Original. Auch diese Zahl persifliert "Galaxy Quest".
Manchmal muss man schon sehr genau hinsehen. Die Produzenten haben sich große Mühe gegeben, so viele Anspielungen wie möglich zu integrieren. Und einige sind gekonnt versteckt.
Passend zu parodiertem Charakter wurde auf Kleidung und Maske geachtet. Sieht gut aus, was die Trickkiste hier auffährt. Dies gilt gleichfalls auch für eine Vielzahl ausgespielter, visueller Effekte. Diese stehen den neueren "Star Trek" Kinofilmen in nichts nach und festigen die gelungene Atmosphäre.
Im Vordergrund steht aber das überdrehte Gag-Dauerfeuer. Durch seine flotte Gangart, witzige Dialoge und vielschichtige Anspielungen überzeugt die Komödie gerade im Bereich des gut pointierten Witzes. Im Gegensatz zum platten Klamauk in "Spaceballs" präsentiert "Galaxy Quest" seine Späße überwiegend intelligent. Es findet sich sogar Zeit für kurze ernsthafte Situationen. Hin und wieder kommt es allerdings doch vor, dass die Gags übertrieben albern erscheinen oder etwas dick aufgetragen wird.
Neben letzterem schwächelt "Galaxy Quest" im Bereich der Glaubwürdigkeit. Es stellt sich die Frage, ob ein Schauspieler seine aufwendig konstruierte Maske nicht nur auf Auftritten, sondern auch zu Hause trägt. Ebenso erscheint es merkwürdig, dass das außerirdische Volk ein Raumschiff aus einer Fernsehserie nachbauen kann, ohne Baupläne zur Hand zu haben. Kleinigkeiten die ebenso schnell auf der Zunge brennen, wie sie wieder vergessen wurden.
Die gesamte Darstellerriege zeigt sich sehr spielfreudig. Spielball-Geber sind der Comedy-erprobte Tim Allen ("Shaggy Dog", "Hör mal, wer da hämmert"), der Dauerzyniker Alan Rickman ("Sweeney Todd", "Harry Potter"-Reihe, "Dogma", "Stirb langsam") sowie eine überaus ungewöhnliche Sigourney Weaver ("Alien"-Reihe, "8 Blickwinkel") in Form einer drallen Blondine.
Auch Daryl Mitchell ("10 Dinge, die ich an Dir hasse"), Tony Shalhoub ("Monk") und Sam Rockwell ("Per Anhalter durch die Galaxis", "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford") bieten eine ausgesprochen geniale Performance, gerade letzterer als übertriebener Exzentriker.
"Galaxy Quest" ist ein äußerst unterhaltsames Paket. Die Parodie auf "Star Trek" bietet ein wahres Feuerwerk aus zündendem Witz, eine angenehme Visualisierung sowie persiflierte Figuren, die durch ihre spielfreudigen Schauspieler nie langweilig werden. Nur die manchmal überzogenen Gags, sowie einige Logiklücken bremsen die Komödie kurzzeitig aus.
8 / 10