Review

Vorab: Hierbei handelt es sich um frechen Etikettenschwindel, denn diese 1982er "Residenz der reitenden Leichen" (bzw. "Auferstehung der reitenden Leichen") hat mit den 4 Reitende-Leichen-Filmen von Ossario 1971 - 75 nichts zu tun. Wer also ein wie auch immer geartetes weiteres Sequel erwartet, wird enttäuscht sein.

Der etwas verwirrenden Titelvielfalt (Ossarios Filme heißen in der dt. Übersetzung 3 mal "reitende" und 1 mal "schwimmende" Leichen) fügte Jess Franco also noch eine "Residenz der reitenden Leichen" sowie auf einer beiliegenden Bonus-DVD eine "Legende der reitenden Leichen" hinzu. Letztere hat mit Francos Machwerk selbst gar nichts zu tun sondern bringt nur längst Bekanntes zu den Ossario-Filmen, ist also reine Beutelschneiderei.

Die "Residenz der reitenden Leichen" ist ein eiligst mit minimalem Budget zusammengeschusterter Streifen, der Franco-typisch schlecht agierende Schauspieler, eine höchst dürftige Handlung und eine miserable Kameraführung zu einem weitgehend sinnfreien Machwerk vereint.

Die Story, sofern man diese überhaupt so nennen kann, besteht darin, daß 4 Kellnerinnen auf Gran Canaria urlauben wollen und dabei von den "reitenden" Leichen massakriert werden. Ja, das wars schon.
Sparmeister Franco kommt dabei auch mit einem Minimum an Schauspielern aus: Die 4 Damen, dazu ein Hotelchef, dessen Frau und ein Gärtner. Die "reitenden" Leichen sind nur noch 6, sie reiten auch nicht (Pferde wären zu teuer gewesen) und eine davon ist der Hotelchef, der eine Doppelrolle spielt.
Ebenso grandios sind die Drehorte des Films: Ein häßlicher Beton-Bunker (dessen Fassade, ein finsterer Gang und 3 Hotelzimmer) sowie eine kleine Dorfkirche (Außenansicht, Innenhof und ein Innenraum) genügen neben ein paar Palmen im Wind und einer kurzen Strandsequenz für über 90 Minuten gähnende Langweile. Man hat den Eindruck, daß hier so nebenbei gedrehtes Probematerial zusammengeschnitten wurde um einen abendfüllenden Film zu erhalten.

Die 4 Damen suchen nach "Kerlen", aber da der Hotelbunker wie ausgestorben erscheint, beschäftigen sie sich eben paarweise mit sich selbst, ganz logisch. Franco-logisch eben. Meistens laufen sie textilfrei herum, ihre Sätze sind hölzern bis belanglos, irgendeinen Bezug zu den in der Dorfkirche hausenden Leichen gibt es nicht. Die "Leichen" selbst laufen in frisch gewaschenen Kapuzenkutten herum, von 2 sieht man das Gesicht (eine davon ist der Hotelchef) die anderen tragen saubere Plastik-Totenkopfmasken vom Spielwarenhändler. Die 4 Urlauberinnen kommen nacheinander alle irgendwie in diese Kirche, wo sie von den "Leichen" schon erwartet werden; es folgen ein paar hohle Phrasen mit "Ritual", "Sünde" und anderem Bla-Bla, dann gibts eine angebliche "Vergewaltigung" und das wars. Das alles grottenschlecht inszeniert, stümperhaft gefilmt und lieblos zusammengeschnitten.
Über die vielen logischen Fehler dieses ohnehin logikfreien Streifens macht man sich schon gar keine Gedanken mehr, sinnbildlich sei hier der dunkle Hotelgang angeführt, an dessen Ende helles Tages(!)licht die Szenerie beleuchtet, als der Hotelchef fragt "Was suchen Sie so spät noch hier ?" und "Verdammt. Es ist 4 Uhr."

Grausam schlecht sind auch die begleitenden Geräusche (von einer Filmmusik kann man nicht ernsthaft sprechen): als da wären das Pfeifen des Sturms, für das nur ein einziges Tondokument vorhanden war, welches exzessiv aufgesampelt das oft wiederkehrende und anscheinend Spannung suggerierende Palmen-wedeln-im-Wind begleitet sowie ein
Glockengeläut, das in einer Kathedrale aufgenommen die einsam und meist bewegungslos vor sich hin rostende Dorfglocke untermalt.

Womit können Streifen dieser Machart sonst noch punkten? Richtig, mit dem voyeuristischen Aspekt, den manche auch gerne mit Erotik verwechseln. Da hätten wir also die 4 Urlauberinnen, 2 brünette Damen Anfang 20 und 2 blonde Damen Anfang 30, letztere schon mit deutlich Hüftspeck, eine davon Lina Romay. Dazu kommt noch die Frau des Hoteldirektors, ebenfalls nicht mehr ganz jung und schlank und aufgrund ihres grauenhaften schauspielerischen "Talents" und ihrer Silikonimplantate fast schon ein unästhetischer Anblick. Nichts Aufregendes also und die dargebotene "Action" ist sichtbar bemüht bzw. unecht und im Falle der angedeuteten Vergewaltigung durch die Kapuzenheinis schlichtweg lächerlich.

Es gibt ja Filme, die so schlecht sind daß sie schon wieder gut sind, dieser hier gehört jedoch definitiv nicht dazu. Ein Streifen, der in keiner Hinsicht irgendetwas zu bieten hat und eigentlich mit 0 Punkten abgestraft gehört.

Details
Ähnliche Filme