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Mal wieder ein Beispiel für verhunzte deutsche Titelgebung: In „Logan’s Run“ geht es nie um eine Zeitreise, wie der Titel „Flucht ins 23. Jahrhundert“ suggerierte, bestenfalls um eine Flucht im 23. Jahrhundert.
In besagtem 23. Jahrhundert lebt die Menschheit nur noch zum Vergnügen, gearbeitet wird noch, aber es gibt mehr Annehmlichkeiten. Allerdings hat die Sache einen Haken: Mit 30 muss man am Ritual des Karussells teilnehmen, bei dem man stirbt – angeblich mit der Chance auf Wiedergeburt. Wer sich dem Ritual entziehen will, wird zum Läufer und von den Sandmännern, wie die Gesetzeshüter heißen, zur Strecke gebracht. Damit ist „Logan’s Run“ auch in gewisser Weise ein Parabel auf all jene Ideologien, die das große Heil versprechen, jedoch barbarische Schattenseiten für ihre Anhänger haben.
Zu den Sandmännern gehört auch Logan 5 (Michael York), einer der besten seines Faches. Der über das System herrschende Computer hat daher einen Spezialauftrag für ihn: Logan soll die Zuflucht ausfindig machen, in deren Richtung die Läufer fliehen. Zu diesem Zweck wird er selbst als Läufer gebrandmarkt und bald beginnt der Run auf Logan...

„Logan’s Run“ ist ein visionärer Sci-Fi-Klassiker, dem man die Entstehungszeit aber auch ansieht. Der Look der ausgemalten Zukunft ist schon sehr von der auslaufenden Flower Power Phase und der Discozeit geprägt, knallig bunt, aber nie zu kitschig oder überzogen. Interessant auch die Rituale, die man sich für die Zukunft ausmalt, vor allem das bizarre Karussell frisst sich in die Erinnerung.
Da stört es dann wenig, dass ein paar Tricks doch etwas veraltet aussehen (auch im Vergleich zum nur ein Jahr später entstandenen „Krieg der Sterne“). Die Außenaufnahmen der Stadt sind einfach als Modell zu identifizieren, etwas steif sieht der Roboter aus, doch ansonsten sind die Effekte dennoch gelungen. Und über den kleinen Mängeln liegt dann auch wieder der Charme guter alter Handarbeit, den Computertricks einfach nicht besitzen.

Deutlich zeitloser ist dann doch die Distopie, die „Logan’s Run“ ausmalt. Die Anlehnungen an totalitäre System sind klar zu erkennen, nett auch die Idee, dass der Computer die Vorstellung von einer Rebellenzuflucht so dermaßen braucht, dass er sich weigert an eine Nicht-Existenz derselben zu glauben. Auch die Ideen von Menschen aus Brutkästen, dem Fehlen natürlicher Geburten usw. sind immer noch aktuelle Vorstellungen.
Dennoch ist „Logan’s Run“ auch ein flotter Unterhaltungsfilm, der nach der ausführlichen Exposition ordentlich loslegt. Logans Flucht ist spannend, zumal er von den Sandmännern gejagt wird, die Rebellen ihm aber auch nicht gänzlich vertrauen. Erst im letzten Drittel schlägt „Logan’s Run“ dann wieder ruhigere Töne an, nicht alle Stationen der Reise werden optimal ausgekostet (bei der Roboterszene wäre z.B. mehr drin gewesen) und die Ruhepause vorm Finale ist ein klein wenig zu lang geraten, doch dies raubt dem straff inszenierten Film nur wenig Spannung.

Für sein Entstehungsjahr bietet „Logan’s Run“ dann auch recht ordentliche Action, wenn man einander durch die futuristische Stadt verfolgt, sich mit Strahlenwaffen beschießen oder in ganz primitives Gerangel übergeht. Über alle Maßen spektakulär ist die Chose vielleicht nicht, aber dennoch schick anzusehen.
Michael York spielt seine Rolle recht überzeugend, auch wenn einem bei heutiger Sichtung des Films immer seine Rolle als Geheimdienstchef in „Austin Powers“ durch den Kopf geht. Hier spielt er jedoch mit dem nötigen Ernst. Da ist der Rest der Besetzung weniger einprägend, nur Jenny Agutter als weibliche Rebellin an Logans Seite sowie der im letzten Drittel auftretende Peter Ustinov bleiben im Gedächtnis.

Alles in allem hat „Logan’s Run“ kleine Schwächen im Tempo, ist jedoch auch noch viele Jahre nach seiner Entstehung kritische, gut inszenierte und unterhaltsame Science Fiction Ware. Und nebenbei auch ein Ideengeber für aktuelle Filme wie „Matrix“, „Equilibrium“ oder „Die Insel“.

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