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Der Zahn der Zeit hat sichtlich an diesem Werk genagt, zu seiner Release-Zeit erhielt "Logan´s Run" noch einen Oscar für die Spezialeffekte, die für die damalige Zeit wirklich bahnbrechend waren. Der deutsche Titel "Flucht ins 23. Jahrhundert" ergibt überhaupt keinen Sinn und ist zudem komplett irreführend. David Zelag Goodman (Marschier oder Stirb, Die Augen der Laura Mars) musste eine sehr komplexe Novelle in knapp zwei Stunden Film verpacken. Ein paar wichtige Details musste er weglassen. Aber Michael Andersons (Der Seewolf, Orca - Der Killerwal) beste Regiearbeit ist trotzdem eine gelungene Mischung aus Unterhaltungsfilm und einer nachdenlich stimmenden Zukunftsversion.

Im Jahr 2274 leben alle übrig gebliebenen Menschen in einer großen Stadt unter Glaskuppeln. Um eine Überbevölkerung zu vermeiden, muss man ab dem 30. Lebensjahr ins sogenannte Karussell. Dort wird der Mensch erneuert, sagt man, doch in Wirklichkeit wird man getötet. Logan 5 (Michael York) und Francis 7 (Richard Jordan) sind Sandmänner, sie sorgen für die Sicherheit im Komplex und jagen Leute deren Lebensuhr abgelaufen ist und die sich vor dem Karussell drücken. Über alles wacht ein Computer und der erteilt Logan einen Spezialauftrag. Er soll die Zuflucht finden, hier hausen tausende von Leuten, die dem Karussell entkommen sind. Auch Logans Lebensuhr ist auf einmal abgelaufen und er wird von seinem besten Kumpel Francis gejagt. Er verbündet sich mit Jessica 6 (Jenny Agutter), um die Zuflucht zu finden, doch die Beiden erleben eine böse Überraschung.

Zuviel nachdenken sollte man nicht, denn einige Fragen bleiben unbeantwortet. Zum Beispiel was mit der Menschheit passiert ist, wer programmiert und kümmert sich um den Computer, wo kommt das Essen her und vor allem wer entwarf die Kuppelstadt und ganz besonders wie ? Leider sieht man überdeutlich, dass es sich hierbei nur um ein Modell handelt, während die Gestaltung der Innenräume wesentlich besser daherkommt. Hier regieren bunte Farben, passend zu den 70er Jahren und die ganzen Computer und Schaltzentralen dürften damals das non plus ultra gewesen sein. Heute schon nostalgisch stark angehaucht, aber immer noch stimmig. Hinzu kommt der intensive Score von Jerry Goldsmith.

Eine nette Idee ist das Karussell, dort wird man vor großem Publikum getötet, doch die Bevölkerung glaubt man wird nur erneuert. Eigentlich hätte das schon lange mal Jemandem auffallen müssen, auch ein kleiner Kritikpunkt. Aber die Botschaft, die Anderson hier vermittelt, hat noch nichts an Intensität eingebüßt. Auch wir übergeben heute immer mehr Aufgaben an den Computer, der hier die ganze Macht über die Kuppelstadt besitzt. Zur Unterstützung gibt es den Sandmann, eine Art Polizist, sie fangen sogenannten Läufer ein, deren Lebensuhr abgelaufen ist. Die Lebensuhr ist an der Handfläche befestigt und je nach Alter leuchtet eine andere Farbe. Blinkt sie rot, muss man ins Karussell. Logan liebt seinen Job als Sandmann, zusammen mit Partner Francis spielt er sogar ein bisschen mit einem Läufer, bevor sie ihn mit ihren Laserpistolen über den Haufen schießen.

Aber plötzlich soll Logan die Zuflucht finden, er hätte noch vier Jahre bis zum Karussell, doch der Computer nimmt ihm diese vier Jahre. So wird aus Logan ein Läufer, mit Hilfe von Jessica, die beiden verknallen sich natürlich ineinander, macht er sich auf die Suche nach der Zuflucht. Francis hat er dabei stets im Nacken. Dabei dringen die Beiden in die kontaminierte Zone vor, müssen sich eines verräterischen Arztes entledigen und vor allem die Szene mit dem Roboter schockt ein wenig. Die Hetzjagd zieht Anderson actionreich vom Leder, es wird verfolgt, gekämpft und geschossen und spätestens im verwachsenen Washington erlebt der Zuschauer eine Überraschung. Die abwechslungsreichen Sets beeindrucken noch heute. Da wären die unterirdischen Gänge der Kuppelstadt, die kleine Eislandschaft und besonders das zugewachsene Washington.

Schließlich kommt es noch zum Duell zwischen Logan und Francis und man trifft auf einen alten Einsiedler (Peter Ustinov). Einige Fragen werden beantwortet, doch vor dem Finale sackt "Logan´s Run" in ein kleines Tief.
Auch ein paar Effekte sind nicht so gelungen, da wäre einmal der Roboter, der weitere Fragen aufwirft. Und als die Eisdecke niederschmettert, ist selbst für Mitte der 70er Jahre ziemlich schlecht gemacht.
Bei den Darstellern sieht es wieder deutlich besser aus. Michael York überzeugt in der Heldenrolle, Jenny Agutter als Jessica, Farrah Fawcett und Peter Ustinov sind in weiteren Rollen zu sehen.

Gelungene und böse Zukunftsversion, der kurz vor Ende etwas die Puste ausgeht. Leider bleiben einige Fragen offen, aber die Sozialkritik ist stimmig. Beeindruckend sind die verschiedenen Kulissen und auch die Actionszenen können sich sehen lassen. Auf jeden Fall unterhaltsam, spannend und zum nachdenken anregend.

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