Review

Alphaville


Warum „Logan's Run“ noch nicht neu aufgelegt wurde, will sich mir nicht erschließen, sind seine Art und Mode doch deutlich angestaubt, seine Themen wie das Hinterfragen staatlicher, gesellschaftlicher Ordnung, das Altern oder der freie Wille dafür umso zeitloser. Obwohl man natürlich Michael Bays „The Island“ ohne Zweifel als Remake ansehen könnte. In „Logan's Run“, einem echten Sci-Fi-Klassiker der ersten Liga, geht es um eine auf den ersten Blick paradiesisch wirkende Gesellschaft, in der freie Liebe gelebt und modernste Technik praktiziert wird. Jedoch gibt es Haken - so darf keiner älter als 30 Jahre werden, wird dann „neu geboren“ und diese stylischer Zivilisation scheint relativ abgekapselt von einer „barbarischen Welt da draußen“. Und in dieser zwiespältigen Welt folgen wir einem Mann und einer Frau, die nach und nach ent- und aufdecken, dass hier etwas nicht stimmt bzw. man sich doch deutlich weit weg von normalen, freien, menschlichen Leben und Zuständen begeben hat...

Die Mode, der Look, die (noch immer und wohl ewig) relevanten Themen, die aus heutiger Sicht süßen, etwas angestaubten, damals zum Grossteil revolutionären Effekte, die Darsteller, die knalligen Farben, die Technik - alles schreit hier förmlich „70er!!!“. Und ich liebe auf seine eigene Art jedes einzelne Element davon. „Logan's Run“ ist eine großspurige Sci-Fi-Extravaganza ala dem ersten „Planet der Affen“ oder „Soylent Green“, wie man sie heutzutage kaum noch bis gar nicht mehr findet. Enorm stylisch, es gibt immer etwas zu sehen, leicht trippy, kurzweilig, nach vorne gehend, imposant, mit philosophischen Hauchs und einem kauzig-witzigen Auftritt von Sir Peter Ustinov als einziger alter Greis und Katzennarr. Nicht alles hat sich so gut gehalten wie die brisanten, alles überstrahlenden Topics - aber genau das macht den nostalgischen Charme und viele Schauwerte aus. Details entzücken, bei Sets und Kostümen wurden keine Kosten und Mühen gescheut, die Darsteller werden ohne Frage etwas zur (ansehnlichen) Staffage. Fluchtkino (im doppelten und dreifachen Sinne) vom Feinsten. Verrückt, weird, wundervoll. Bad Taste and good Themes. 

Fazit: Dystopie, Utopie, Camp wie nie - ein kitschig-psychedelischer Sci-Fi-Classic der auslaufenden Hippie-Ära. Extravagant, artifiziell, gesellschaftskritisch. „Barbarella“ trifft „The Island“. Unverzichtbarer Quatsch. Solche futuristischen Hollywoodfarbenspiele fehlen mir... 

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