"Doch es ist ein gewisses Vergnügen, einem Menschen mit vorgefasster Abneigung von der eigenen Überlegenheit zu überzeugen, denke ich. Wie köstlich wird es, den dünkelhaften Stolz der DeCourcys zu brechen."
Wem obiger Monolog eine Bürde ist, der möge bitte von Whit Stillmans Jane-Austen-Verfilmung einen gebührenden Abstand halten, schließlich konversieren die Figuren immerdar auf diese gezierte Weise. Und sie konversieren nahezu unaufhörlich... Moment... *klatsch* ...ja, jetzt geht’s wieder, der nasse Lappen hat geholfen.
Also, es wird fast ständig vornehm & gestelzt geschwafelt in diesem opulenten & eleganten Kostümfilm, oft scharfzüngig & pointiert, wobei die besten Dialoge vor Witz sprühen. Im Mittelpunkt steht die verwitwete Lady Susan Vernon (Kate Beckinsale), die ihre Schwiegereltern auf deren noblem Anwesen besucht & vorgibt, ihre sich im heiratsfähigen Alter befindlichen Tochter Frederica (Morfydd Clark) mit dem reichen Sir James Martin (Tom Bennett) verkuppeln zu wollen. Aber wer weiß, vielleicht hat sie ja auch andere Absichten? Schließlich ist ihre Lage prekär, sie gilt als unwiderstehliche Verführerin & Geld wächst nun mal nicht auf den Bäumen.
Rein optisch sind Film & Figuren, allen voran Kate Beckinsale, eine Augenweide. Stillman hält die gegen Ende des 18. Jahrhunderts angesiedelte, mit köstlichen Ränkespielen garnierte Geschichte entspannt & gediegen am Fließen & entführt uns Unbedarfte in eine faszinierende Welt, die wie aus der Zeit gefallenen wirkt. Die durch die Bank toll gespielten Figuren versprühen genug Charme, dass man ihnen die Intrigen & die versteckten Boshaftigkeiten ("Er ist ein wunderbarer Trottel") nicht übelnimmt. Wobei man anmerken muss, dass Sir James Martin tatsächlich ein wunderbarer Trottel ist, ein steter Quell des Dummlalls. In Nebenrollen sind Stephen Fry & Chloë Sevigny zu sehen.
Auch wenn ich jetzt nicht gerade zur Zielgruppe zähle, so muss ich zugeben, dass dies schon sehr vergnügliche anderthalb Stunden waren. Und an zumindest einer Feststellung der Lady Susan ist etwas Wahres dran: "Tatsachen sind doch etwas Grauenhaftes."
7,5/10