Review

„Crank-Bond auf unmöglicher Mission"

Total nervös seien beide bei ihrer ersten Begegnung gewesen, so Dennis Gansel. Zumindest bei der teutonischen Regie-Hoffnung ist das schon irgendwie nachvollziehbar. Das mögliche und ersehnte eigene Hollywood-Debut im Hinterkopf, den dazu nötigen Actionstar vor Augen. Und das in dessen Anwesen in den Hollywood Hills. Da können die Künstlerhände schon mal etwas schwitzig werden. Warum allerdings Jason Statham ähnlich nervös gewesen sein soll, ist weit weniger plausibel. Schließlich hat es sich der kantige Brite seit mindestens einer Dekade so richtig gemütlich gemacht auf dem einst so umkämpften B-Action-Thron. Konkurrenz gibt es praktisch keine, der DTV-Sumpf ist dank einer soliden und treuen Fanbase in beruhigender Ferne und als neues Mitglied des „Fast and Furious"-Zirkus ist das üppige Regelgehalt auf Jahre hinaus gesichert.

Bei aller Nervosität, die Chemie scheint jedenfalls gestimmt zu haben, denn der Deutsche erhielt nach eigener Aussage schon kurz darauf den Zuschlag. Gansels Konzept Jason gewissermaßen als „Dirty Bond" zu inszenieren, klingt ja auch ganz pfiffig. Und das ohnehin geplante Sequel zum Hitman-Thriller „The Mechanic" (2011) war dafür nicht die schlechteste Wahl. Drei ausgeklügelte Auftragsmorde an spektakulären Locations, dazu jeweils eine kleine Armee an bis an die Zähne bewaffneter Schergen und „Sin City"-Pin-up Jessica Alba im Bikini, das klingt nach ausgelassenem Actionfun ohne lästige Hirnbeteiligung. Gut, zumindest letzteres ist absolute Pflicht, sonst wird es nichts mit der Spaßveranstaltung.

Gansel war offenbar so aufgeregt bei der Chance seine Bond-Phantasien auszuleben, dass er so hibbelig und fahrig inszenierte als wäre es der lang erwartete Kindergeburtstag im Vorschulalter. Die Kamera ist auch in den ruhigen Momenten ständig in Bewegung, was gut zum zappeligen Gesamteindruck passt. Dazu kommt eine hektische Erzählweise, die wohl Rasanz und Dynamik vermitteln sollte, aber mehr Konfusion und Überreizung erzeugt. Gansel ist daran sicher nicht allein schuld. Das teilweise hanebüchene Skript wirft mit Logiktiefschlägen und Unglaubwürdigkeiten nur so um sich. Schon der Einfall, Arthur Bishop durch seinen ehemaligen Waisenhaus-Kumpel Riah Crain (Sam Hazeldine) mit einer eingefädelten Liebschaft erpressen zu lassen, ist alles andere als ein guter. Gansel scheint das geahnt zu haben, denn er lässt Statham und Alba reichlich Zeit sich an einem thailändischen Paradiesstand zu beschnuppern. Wie wenig Statham die romantischen Gefilde liegen, hat er allerdings schon in „Transporter 3" und „Redemption" bewiesen. Kommt aber mit Jessica Alba noch jemand hinzu, der ihm in mimischer Variabilität noch unterlegen ist, dann implodiert die Romanze vollends. Wenigstens darf sie sich im knappen Bikini am Strand räkeln und er in einem allzu offensichtlichen „Casino Royale"-Gedächtnisauftritt aus den azurblauen Fluten stapfen.

Aber egal. Ob Bishop nun glaubwürdig motiviert ist oder nicht, die Actionsause kann nun endlich beginnen. Vor allem optisch legt sich Gansel mächtig ins Zeug. Die Auftragsmorde an drei Waffenhändlern führen Bishop in einen thailändischen Inselknast, gegen den Alcatraz vergleichsweise gemütlich wirkt. Nummer zwei residiert im obersten Stockwerk eines Sydneyer Wolkenkratzers mitsamt frei schwebenden, gläsernem Außenpool. Und das dritte Opfer hat sich in einem postkommunistischen Betonmonstrum nahe dem bulgarischen Varna verschanzt, unterirdischer Atom-U-Boot-Bunker inklusive. Bishop hat jeweils nur 36 Stunden Zeit den Job zu erledigen, ansonsten stirbt Gina (Alba). Gansel lebt hier sein Faible für eine weitere Agenten-Serie genüßlich aus und schickt seinen Helden auf drei wahnwitzige Kommando-Trips, die auch Ethan Hunt gefallen hätten.

„Mechanic: Resurrection" überschlägt sich hier beinahe in seiner Over-the-top-Inszenierung, aber genau das, sofern man sich darauf einlässt, macht den Vergnügungspark-Charme des Films aus. Hat man sich einmal von der Erwartung verabschiedet einen oldschool und vor allem einigermaßen ernsthaften Killer-Thriller wie im Erstling zu bekommen, kann man einen launigen Action-Abend genießen. Irgendwie ist Gansels Begeisterung mal einen richtigen 007-Ableger zu drehen ja auch sympathisch. Als deutscher Filmemacher in der Heimat erfolgreiches Genrekino zu machen, ist wie die Mount Everest-Besteigung für einen Hobby-Wanderer (immerhin hat er sich mit „Napola", „Die Welle", „Wir sind die Nacht" und „Die vierte Macht" bisher beherzt gegen den teutonischen RomCom-Einheitsbrei gewehrt).
Endlich von der nationalen Leine gelassen, können einem da schon mal die Pferde durchgehen. Also galoppiert Gansel im Höllentempo durch seine Bond-Lieblingsszenen und -Locations. Beginnend mit einer actiongeladenen Pre-Title-Sequence in Rio, hier eine von „Moonraker" inspirierte Seilbahn-Keilerei am Zuckerhut, über das thailländische Inselparadies Phuket („Der Mann mit dem goldenen Colt") nach Bangkok - inklusive Cameo von Michelle Yeoh - („Der Morgen stirbt nie"), bis zur geheimen U-Boot-Festung („Der Spion, der mich liebte") und zum Endkampf auf einer Hightech-Jacht („Feuerball").

Bond-Plagiate hin oder her, hier spürt man auf alle Fälle so etwas wie kindliche Spielfreude, was ja auch was Ansteckendes hat.
Klar wird man immer wieder durch die blöden Dialoge, Albas wenig geistreiche Gesichtsausdrücke (sie verfügt über zwei), Bishops neue Comichelden-Qualitäten und ein paar ärgerlich schwache CGI-Explosionen daran erinnert, dass man hier nicht im Disneyworld-Rollercoaster, sondern eher im Äquivalent eines heimischen Freizeitparks aus der Provinz sitzt. Tommy Lee Jones durchgeknallter Auftritt als spleeniger Waffenhändler passt da ganz gut ins leicht trashige Bild. Ebenso das bleihaltige Finale auf hoher See, in dem Bishop eine gefühlte Hundertschaft mit Kugel, Messer oder auch mal nur der guten alten Handarbeit unsanft ins Jenseits befördert.

Im Endeffekt ist „Mechanic 2" damit näher an „Crank" als am Original, was vermutlich nicht beabsichtigt war, aber mit entsprechender Erwartungs-Umjustierung dennoch als Fanservice funktionieren kann. Doof ja, völlig überdreht auch, plausibel kaum, ist „Mechanic: Resurrection" ein lupenreines Guilty Pleasure. All zu viele neue Sympathisanten wird „The Stath" damit nicht gewinnen, das ist klar. Er hatte schon bessere Filme, aber nicht viele spaßigere. Und Dennis Gansel? Gebt dem Mann ruhig noch eine Chance, ein deutscher Regisseur mit Genre-Willen ist schließlich ein ganz seltenes Pflänzchen. Da kann man eine erste Wildwucherung auch gut und gerne mal verzeihen.

Details
Ähnliche Filme